Stuttgarter Frühlingsfest Das Bier ist zu teuer? Mehr Transparenz wagen

Hoch die Krüge: Heuer kostet die Maß 14,90 Euro. Tendenz steigend. Foto: dpa

Das Frühlingsfest ist attraktiv. Die Leute kommen. Trotzdem jammern alle. Was tun? Es braucht mehr Klarheit bei Kosten und Umsätzen, findet Redakteur Frank Rothfuß.

Der Bierpreis steigt. Im Herbst. Beim Volksfest. Das haben die Wirte schon mal angekündigt. Gut, das ist jetzt keine Überraschung. Steigt der Preis doch jedes Jahr. Auf nunmehr 14,90 Euro. Zum Vergleich: Als wir das erste Mal mit Euro zahlten, anno 2002, waren es 7,20 Euro. Offenbar war das dem Publikum über die Jahre ziemlich egal, die Besucher kamen zuhauf, deutlich mehr als 2002, die Zelte sind nicht nur, aber vor allem an den Wochenenden proppevoll.

 

Das Maß ist anscheinend nicht voll, die Leute zwingt niemand auf den Wasen; jeder kann für sich entscheiden, ob er dorthin geht und Geld ausgibt. Der Besuch scheint es ihnen im wahrsten Sinne des Wortes wert zu sein. Noch? Denn klar ist auch, wer unter dem Label Volksfest firmiert, der muss diesen Anspruch erfüllen. Nicht nur an den Familientagen mit reduzieren Preisen. Er darf nicht nur die Schampus-Fraktion bedienen. Zumal die Besucher genau so wie die Wirte und Schausteller unter gestiegenen Kosten leiden.

Kein Wunder, dass die Debatte hochkocht, wenn für alle das Geld knapp ist: Der Bierpreis ist zu hoch, die Gebühren der Stadt sind zu hoch. Man muss ja nicht immer von München lernen, aber in diesem Falle wäre das ganz hilfreich. Dort sind sie transparent, was die Kosten und die Umsätze angeht. Wer weiß, dass allein der Aufbau eines Festzeltes bis zu 1,5 Millionen Euro kostet, der kann zumindest nachvollziehen, warum das Bier mehr kostet als in der Kneipe. Zudem verlangen sie beim Oktoberfest eine Pacht, die bei den Festzelten an den Umsatz gekoppelt ist. Die gerechteste Form der Gebühr. Wer gute Geschäfte macht, zahlt mehr. Die Diskussion wird damit nicht enden, für Festplätze gilt das abgewandelte Motto der Grabkapelle: Das Klagen höret nimmer auf! Aber es nimmt die Schärfe, denn dann tragen eindeutig die Stärksten den größten Anteil.

Was man bei dieser Debatte aber nicht vergessen sollte, ist die Tatsache, dass der Großteil der Menschen gar nichts ins Festzelt geht. Denen ist der Preis für die Maß egal; die fahren Karussell, trinken eine Halbe oder eine Limo an einem Imbiss. Dort zahlt man nicht wenig, aber auch nicht mehr als in der Innenstadt. Einem Vergleich mit dem laut Veranstalterin „weltgrößten Frühlingsfest“ hält natürlich wenig stand, aber schauen wir doch mal nach Südbaden. Zwei Erwachsene, zwei Kinder, das kostet im Europa-Park an einem Samstag im April 247 Euro. Dazu noch Burger und Pommes, Getränke, Eis, dann ist man 350 Euro los. Dafür kann man beim Frühlingsfest ziemlich viel Karussell fahren, Göckele essen und Bier trinken.

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