Dr. Daniela Köder-Yangyuoru, Andreas Gölz sowie Anjuli Aggarwal und Hasan Malla erhalten die Preise. Ebenso die DRK-Bereitschaft Cannstatt und Schüler der Schickhardt-GMS.
Die Leserinnen und Leser haben beim Online-Voting über die Stuttgarter des Jahres 2025 entschieden: Die Bestplatzierten beim Ehrenamtspreis nahmen am Donnerstagabend beim Festakt in der Volksbankzentrale Bad Cannstatt ihre Auszeichnung entgegen. Eingeladen waren alle neun Nominierten – samt ihren Paten, die die Vorschläge eingereicht hatten.
Volksbank-Vorstandsmitglied Andreas Haas begrüßte die rund 120 geladenen Gäste zu einem Abend, der ihm besonders am Herzen liegt: „Ein Saal voller Menschen, die Mut geben und die da sind, wo sie gebraucht werden.“ Haas betonte auch die besondere Bedeutung des Ehrenamtes in unsicheren Zeiten wie diesen. „Es schafft Verbindungen zwischen Leuten, die sich sonst nie begegnet wären. Das macht Stuttgart herzlicher.“
„Alle Ehrenamtlichen sind großartig und leuchtende Vorbilder“
Im Gespräch mit Moderator Jan Sellner, der durch den Abend führte, drückte Oberbürgermeister Frank Nopper seine Wertschätzung für das Engagement der über 200 000 Freiwilligen in der Stadt aus: „Alle Ehrenamtlichen sind großartig und leuchtende Vorbilder. Sie zeigen, dass wir alle aufgerufen sind, uns zu engagieren.“ Nopper betonte, dass sich die Freiwilligen und die professionell Tätigen in vielen Bereichen gegenseitig ergänzen, zum Beispiel bei der Feuerwehr.
Tina Huh von der Freiwilligenagentur Stuttgart und Ulrike Holch von der Vermittlungsstelle der Caritas für ehrenamtliche Tätigkeiten, Caleidoskop, betonten im Interview den hohen Stellenwert des Ehrenamtes für die Stadtgesellschaft, das aber auch Unterstützung benötige.
Aktiv trotz schwerer Krankheit
6221 Stimmen waren bei der elektronischen Abstimmung eingegangen. Mit Abstand die meisten erhielt Dr. Daniela Köder-Yangyuoru. Sie wurde per Videokonferenz zugeschaltet, denn aufgrund ihrer Erkrankung an ME/CFS kann sie ihre Wohnung nicht verlassen. Die schwere neuroimmunologische Krankheit bestimmt das Leben der Ärztin, dennoch berät sie von ihrem Krankenbett aus online Menschen, die ebenfalls an ME/CFS leiden und vermittelt sie an entsprechende Hilfeorganisationen. Joachim Dorfs, Chefredakteur von der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten, würdigte diese beeindruckende Leistung in seiner Laudatio: „Dr. Daniela Köder-Yangyuoru zeigt, wie viel ein einziger Mensch bewirken kann, selbst wenn die eigenen Kräfte schwach sind.“
Für den zweiten Preisträger beginnt demnächst eine besonders arbeitsreiche Phase, wenn nämlich das Freibad an der Botnanger Furtwänglerstraße wieder öffnet: dann sind das Organisationstalent von Andreas Gölz und sein unermüdlicher Einsatz auch am Beckenrand gefragt, damit die großen und kleinen Freibadfans Freude beim Schwimmen und Planschen haben können. Redakteurin Petra Xayaphoum betonte in ihrer Laudatio, dass der Betrieb von Freibädern heute keineswegs ein Selbstläufer mehr ist. Andreas Gölz halte durch sein Engagement das Botnanger ASV-Bad am Leben. „Er leistet einen Beitrag für eine selbstwirksame Stadtgesellschaft.“
Den dritten Preis erhielt das Multimediaprojekt „Humans of Stuttgart“, in dem Ehrenamtliche mit Fluchtgeschichte oder Migrationshintergrund die Hauptakteure sind: Sie porträtierten 50 Stuttgarterinnen und Stuttgarter. Anjuli Aggarwal und Hasan Malla haben das Projekt geleitet. Die daraus hervorgegangene Ausstellung war im Stadtpalais zu sehen. Dessen Leiter und Juror beim diesjährigen Ehrenamtspreis, Torben Giese, würdigte in seiner Laudatio „Humans of Stuttgart“ als Beitrag zur Toleranz: „Davon kann man nie genug haben.“ Die Geschichten, die hier erzählt werden, zeigten wie viel mehr Stuttgart ist: „Eine Stadt, in der jeder seinen Platz findet“, sagte Giese.
Die Schutzengel
Der Sonderpreis der Jury ging an die DRK-Bereitschaft Cannstatt 4. Die Freiwilligen sind „Schutzengel“ für Besucherinnen und Besucher von Großveranstaltungen. Das DRK-Team hat beispielsweise bei jedem Spiel des VfB Stuttgart im Stadion das Geschehen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Schirm: Die Videoüberwachung zeigt, wenn es einen Notfall gibt, so können die Sanitäter sofort zur Stelle sein. Jurymitglied Andreas Haas sprach ihnen in seiner Würdigung höchste Anerkennung für ihren Einsatz aus: „Es ist bei Veranstaltungen immer ein beruhigendes Gefühl die Leute vom DRK zu sehen. Sie sind da, damit wir sicher sind, damit wir feiern und im Stadion jubeln können.“ Die Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und mit unterschiedlichen Nationalitäten, die hier zusammenarbeiten sind „gelebte Gemeinschaft“, betonte Haas.
Der Sonderpreis für Schulen ging an das Jugendbegleiterteam der Schickhardt-Gemeinschaftsschule. Hier unterstützen ältere Schüler die Jüngeren im manchmal turbulenten und anstrengenden Schulalltag. Die Mädchen und Jungen aus dem Team betreuen sportliche Aktivitäten, sie sind aktiv im Aufklärungsprojekt Kinderarbeit und sie sorgen dafür, dass die jüngeren Kinder im Ruheraum entspannen können. Jurorin und Gründerin des Stuttgarter Bitchfestes, Jennifer Reaves fand in ihrer Laudatio sehr persönliche Worte: „Liebe Schüler, in einer Welt, die Euch täglich zuruft höher, schneller, weiter, macht ihr etwas ganz anderes: Ihr seid nicht angepasst. Ihr seid bereit, Verantwortung zu übernehmen.“
Wertvoll für die Gesellschaft
Alle Preisträger und Preisträgerinnen erhielten als Ausdruck der Wertschätzung jeweils 3000 Euro. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 15 000 Euro stellte die Volksbank bereit. Sie übernahm auch die Ausrichtung des Festakts. Ausdrücklich würdigte Redakteurin und Jurymitglied Nadia Köhler den wertvollen Beitrag aller neun Nominierten für die Gesellschaft. Sie alle erhielten als Anerkennung einen kleinen Ehrenpreis-Oscar aus der Kreativwerkstatt des BHZ.
Unter den Gästen waren: Tilo Schelsky und Herbert Dachs, die Geschäftsführer der Medienholding Süd, zu der die Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten gehören, sowie Lars Barnstorf, Geschäftsführer der Südwest Media Network. Vom Vorstand der Volksbank waren neben Andreas Haas der Vorstandsvorsitzende Stefan Zeidler und Vorständin Kristina Becker beim Festakt dabei. Für beste Stimmung sorgte mit swingendem Jazz der 1920er und 1930er Jahre das„The Sophisticated Orchestra“ mit Linda Kyei (Gesang und Violine), Sir Holley (Bass) und Franky Ballet (Piano).
Alle Informationen über den Ehrenamtspreis sowie die Gewinner der vergangenen Jahre finden sie im Internet unter https://www.stuttgarter-des-jahres.de/