Welche Schule sollen die Töchter einmal besuchen? Bei Familie von Platen steht diese Entscheidung noch an. Foto: Miriam Beverung
Waldorf, staatlich oder doch international? Die Stuttgarter Influencerin Olivia von Platen spricht über die schwierige Entscheidung, die richtige Schulform für ihre Töchter zu finden.
Auf welche Schule schicke ich mein Kind? Soll es eine staatliche, eine private oder gar eine internationale Schule sein? Vor dieser Frage stehen aktuell viele Eltern, denn sie müssen Kinder, die ab diesem Jahr schulpflichtig werden, im Frühjahr an einer Grundschule anmelden. Auch die Stuttgarter Influencerin Olivia von Platen und ihr Mann und Ex-Porsche-Manager Detlev von Platen beschäftigen sich damit, denn ihre älteste Tochter Alea (5) soll im kommenden Jahr eingeschult werden. Das machte die Stuttgarterin kürzlich auf ihrem Instagram-Account zum Thema. Hier spricht die 29-Jährige darüber, wieso sie eine Waldorfschule in Erwägung zieht, wie sie sich zu dem Thema informiert und was sie sich darüber hinaus wünschen würde.
„Viele verpassen den Einstieg, ab wann man sich darum kümmern sollte – da muss man die Anmeldefristen im Blick behalten“, so Olivia von Platen. Ihre Tochter Alea komme zwar erst im September 2027 in die Schule, dennoch informiere sie sich bereits jetzt, da viele Fristen, vor allem die privater Schulen, früher angesetzt seien.
Auf welche Schule soll mein Kind? Influencerin hadert mit Entscheidung
Auf Instagram spricht die 29-jährige Stuttgarterin davon, dass möglicherweise auch eine Waldorfschule für ihre Tochter infrage käme. Dieses Interesse kommt nicht von ungefähr. „Meine Familie ist sehr Waldorf-geprägt. Meine Geschwister und ich waren früher in einem Waldorfkindergarten. Meine Brüder sind danach auf eine staatliche Grundschule gekommen und dann weiter aufs Gymnasium, ich selbst habe von der Grundschule aber wieder auf eine Waldorfschule gewechselt“, sagt von Platen im Gespräch. „Ich hatte eine sehr schöne Schulzeit und bin als Kind gerne zur Schule gegangen.“
Die Stuttgarterin erinnert sich an eine starke Klassengemeinschaft und Learnings, die über den klassischen, inhaltlichen Schulstoff hinaus gingen. „Man lernt beispielsweise, wie man sich selbst ausdrücken und vor Leuten sprechen kann, aber auch anderes im Alltag Hilfreiches“, erzählt sie. „Jetzt muss ich herausfinden, ob das auch gut für meine Tochter wäre. Die Schulzeit ist etwas so prägendes, da möchte ich eine Schule finden, an der meine Kinder schöne Erfahrungen machen und nicht nur unter Leistungsdruck stehen.“
Olivia von Platen mit einer ihrer Töchter. Foto: Miriam Beverung
Zudem betont sie: „Die Schüler einer Waldorfschule sind am Ende der Schulzeit auf dem gleichen inhaltlichen Stand wie die Kinder, die eine staatliche Schule besucht haben. Sie alle machen das gleiche Abitur.“ Den Leistungsdruck machten viele Kinder sich bereits selbst. An einer Waldorfschule werde ihnen dieser eher abgenommen und kein zusätzlicher auferlegt. Auch die Befürchtung vieler Kritiker, Waldorfschüler- und Schülerinnen hätten Probleme damit, sich nach der Schule an das staatliche Bildungssystem anzupassen, hält sie mit Blick auf eigene Erfahrungen für eher unbegründet.
„Ist eine Waldorfschule die richtige Vorbereitung auf die heutige Welt?“
Auch wenn von Platen sagt, dass ihr selbst „nichts Besseres hätte passieren können“, äußert die Stuttgarterin auch Zweifel an der Schulform. „Ich frage mich, ist die Waldorfschule in den letzten 20 Jahren mitgegangen? Ist es die richtige Vorbereitung auf die heutige Welt? Gerade, was die Digitalisierung angeht, hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Da sollte natürlich auch die künftige Schule meiner Töchter auf dem neuesten Stand sein“, so von Platen.
Außerdem müsse man bedenken, dass sich das Konzept nicht für jedes Kind eigne. „Man muss sich fragen: Passt die Schule zu meinem Kind?“ Sie selbst habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder, die eine starke intrinsische Motivation haben, etwas zu lernen und sich dadurch gleichzeitig selbst leicht unter Druck setzen, an einer Waldorfschule gut aufgehoben seien, „weil ihnen dieser Druck dort genommen wird“, so die Stuttgarterin. Wer diese Motivation zu Beginn der Schullaufbahn hingegen noch nicht so sehr zeige, sei möglicherweise an einer anderen Schule richtig.
Gleichzeitig gibt die ehemalige Waldorfschülerin zu bedenken, dass ein Wechsel von einer Waldorfschule auf eine staatliche Schule nicht einfach sei, wenn man es sich in den ersten Schuljahren doch noch einmal anders überlege. „Am Ende der Schullaufbahn hat man zwar denselben Wissenstand, aber innerhalb der Jahre gibt es große Unterschiede. Deshalb ist diese Entscheidung auch so wahnsinnig schwierig.“
Olivia von Platen: „Ich kann meinen Namen nicht tanzen“
Vorurteile gegenüber der Waldorfschule kann Olivia von Platen nicht nachvollziehen. „Ich kann meinen Namen nicht tanzen“, sagt sie in Anspielung auf die an Waldorfschulen gelehrte Eurythmie, also die von Rudolf Steiner entwickelte anthroposophische Bewegungskunst. „Viele Vorurteile entstehen einfach, weil die Leute es nicht besser wissen. In meiner Schulzeit gab es da auch immer Sticheleien von Schülern, die eine staatliche Schule besucht haben. Man kann Eurythmie in dem anthroposophischen Ansatz aufdröseln, der dahinter steht – oder aber man kann sie einfach pragmatisch sehen: Das Kind bewegt sich zwischen den Unterrichtsstunden auch mal.“
Die finale Entscheidung, auf welche Schule die Töchter der von Platens einmal gehen werden, trifft das Ehepaar am Ende gemeinsam. Im Gegensatz zu seiner Frau sieht Detlev von Platen die Waldorfschule jedoch kritischer, erzählt Olivia von Platen. „Detlev tendiert eher zu einer internationalen Schule, weil er durch seinen Werdegang auch die Vorteile dieser Schulform kennt. Er ist gar nicht im Waldorf-Game.“
Olivia von Platen: Mehr Informationsveranstaltungen nötig
Um dennoch bald eine Entscheidung treffen zu können, informieren sich die 29-Jährige und ihr Mann bei Infoabenden und Tagen der offenen Tür – nicht nur über die Grundprinzipien einer Schulform, sondern auch über die einzelnen Schulen, wie Olivia von Platen sagt. „Auch innerhalb der Schulen gibt es ja große Unterschiede. Ich tausche mich auch viel mit anderen Eltern, die schon schulpflichtige Kinder haben, über das Thema aus. Da frage ich natürlich nicht nur nach den Vor-, sondern auch nach den Nachteilen, denn jede Schule hat beides.“
Gleichzeitig spielt bei den von Platens auch die Sprache eine Rolle. Ihre beiden Töchter besuchen bereits einen bilingualen Kindergarten. „Dass sie weiter Englisch lernen, ist uns wichtig. Ich informiere mich deshalb momentan breit, um nachher bestmöglichst entscheiden zu können. In Stuttgart gibt es auch viele Schulen, die man gar nicht so auf dem Schirm hat und kennt – da fände ich es schön, wenn es noch mehr Informationsmöglichkeiten geben würde.“
Hintergründe
Waldorfschule Mit dem Waldorf-Konzept geht die von Rudolf Steiner begründete Lehre und Weltanschauung der Anthroposophie einher. Neben der Vermittlung von Fachwissen sollen an einer Waldorfschule persönliche Eigenschaften wie Kreativität, Selbstständigkeit und das soziale Miteinander gefördert werden. Schülerinnen und Schüler, die eine Waldorfschule besuchen, durchlaufen die erste bis zur 12./13. Klasse im selben Klassenverbund. Dabei bekommen Schülerinnen und Schüler in den ersten Schuljahren keine Noten, stattdessen gibt es Textzeugnisse. Am Ende der Schullaufbahn stehen entweder Mittlere Reife, Fachhochschulreife oder Abitur (nach dem 13. Schuljahr), die gemäß den in den Bundesländern jeweils geltenden Regeln abgeschlossen werden.