Stuttgarter Innenstadt Was kostet der Quadratmeter auf der Königstraße?

Die Königstraße gehört zu den 1a-Lagen in Deutschland. Foto: /Wilhelm Mierendorf

Die Industrie- und Handelskammer präsentiert die Ergebnisse ihrer aktuellen Umfrage: In den Spitzenlagen in der Stuttgarter Innenstadt sind die Mieten für den Handel weiterhin auf einem hohen Preisniveau.

Wie teuer ist es, eine Handelsfläche in der Stuttgarter Innenstadt zu mieten? Eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart gibt Aufschluss: Der Durchschnittswert der Bestandsmieten in der City liegt laut IHK bei 90 Euro pro Quadratmeter Geschäftsfläche und bei 115 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche. Der in der Umfrage genannte Höchstwert beträgt 188 Euro beziehungsweise 231 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet: „Auch in Stuttgarts Spitzenlagen werden Preise aufgerufen, die für Traditionsunternehmen, kleinere Händler und inhabergeführte Fachgeschäfte kaum zu schultern sind“, heißt es bei der IHK. Die teuerste Lage der Region sei die Stuttgarter Innenstadt, insbesondere die Königstraße. Sie liege gleichauf mit Hamburg auf Rang fünf der Spitzenmieten in Deutschland. München befindet sich auf Platz eins. Dort werden je nach Quelle zwischen 280 und 340 Euro pro Quadratmeter verlangt. Berlin liegt auf Rang zwei. Es folgen Frankfurt und Düsseldorf.

 

IHK wünscht sich von Immobilienbesitzern Augenmaß

Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart, Susanne Herre, appelliert an die Immobilienbesitzer, Mieten mit Augenmaß und partnerschaftlich festzusetzen: „Was bringt es dem Vermieter, wenn ein Fachgeschäft zu hohe Mieten nicht erwirtschaften kann und daher schließen muss? Damit riskiert er einen längeren Leerstand und dadurch eine Abwertung seiner Fläche.“ Eine Vorbildfunktion könnten hier die Kommunen oder auch das Land einnehmen, dem in  der Stuttgarter Innenstadt einige Ladengeschäfte gehörten. „Wenn die kleinen und individuellen Händler aufgeben müssen und nur noch große Filialisten sich Gewerbefläche in den Innenstädten leisten können, verändert sich auch das gesamte Stadtbild“, sagt Susanne Herre. „Aber gerade der individuelle Charakter macht für viele Kunden die Attraktivität einer Innenstadt aus.“ Wenn die Anziehungskraft der City nachlasse, könne das langfristig auch größeren Händlern und der Gastronomie schaden, was sich dann wiederum in den Kassen der Kommunen niederschlagen würde.

Die Vielfalt macht die Innenstadt attraktiv

Im Interesse der Wirtschaft müsse die Region Stuttgart ein anziehender Wirtschafts- und Wohnstandort bleiben. „Dazu gehören attraktive Innenstädte mit einer Vielfalt an Dienstleistungen, Gastronomie-, Kultur- und Freizeitangeboten“, sind sich Herre und IHK-Präsident Claus Paal einig. Auch Citymanager Holger Siegle ist dieser Meinung: „Um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, brauchen wir einen guten Mix in der Innenstadt.“ Allerdings komme dem Einzelhandel weiterhin eine zentrale Bedeutung zu.

Für Herre und Paal sind bezahlbare Mieten für Handelsflächen ein wichtiger Faktor, „um die Attraktivität der gewachsenen Standorte aufrechtzuerhalten“. Von großer Bedeutung seien aber auch die Erreichbarkeit für Kunden und Lieferanten, die Sicherheit und Sauberkeit in den Innenstädten, kundenfreundliche Öffnungszeiten und gesetzliche Spielräume, die es den Betrieben erlauben, auf geänderte Kundenwünsche reagieren zu können. Michael Bräutigam, Geschäftsführer der Immobilienberatung Colliers International Deutschland GmbH, würde noch ein paar Punkte ergänzen: öffentliche, oberirdische Parkplätze, Parkhäuser und eine gute ÖPNV-Verbindung beziehungsweise -Taktung. „Die Innenstadt ist mit dem eigenen Wohnzimmer zu vergleichen. Wenn man sich dort nicht wohl fühlt, fühlt man sich in der ganzen Wohnung nicht wohl.“ Deshalb müsse man mit Nachdruck daran arbeiten, Stuttgarts Zentrum noch attraktiver zu machen.

Die 1a-Lagen in der Innenstadt

Die Umsetzung der in der IHK-Umfrage angesprochenen Punkte könnte dabei definitiv helfen. Da ist sich Bräutigam sicher. Inhaltlich sei das von der IHK ein ordentliches Ergebnis. Mietpreisvergleiche seien in der Regel immer etwas komplizierter. Da komme es auf viele Details an wie zum Beispiel die Summe der Quadratmeter, die Größe der Front, auf welcher Ebene die Fläche liegt, der Grundriss und welche Branche sich für die Fläche interessiert, um prognostizieren zu können, welche Umsätze pro Quadratmeter zu erwarten sind. Und natürlich die Lage.

Die sogenannten 1a-Lagen in Stuttgart sind bei der IHK-Erhebung wie folgt festgelegt: die Königstraße zwischen Klettpassage und Höhe Rotebühlplatz, die Schulstraße sowie der Eingangsbereich zum Marktplatz. Auch die Klettpassage gehört dazu, die schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. „Andere Institutionen fassen unter 1a-Lage auch zum Beispiel Stift-, Büchsen-, Calwer oder Kirchstraße“, heißt es bei der IHK. „Diese sind zwar sehr wichtige Lagen, die teilweise auch höherwertigere Genres beherbergen als beispielsweise die Konsumlage Königstraße, sie fallen jedoch bezüglich der Frequenz so stark hinter die Top-Frequenz-Lagen zurück, dass sie unseres Erachtens in eine andere Kategorie gehören.“ Für Bräutigam dagegen ist die Frequenz kein Ausschlusskriterium für eine 1a-Lage.

600 Mitglieder wurden befragt

Nach Definition der IHK sind 1b-Lagen entweder in unmittelbarer Nachbarschaft zu den 1a-Lagen gelegen. „Das kann schon der Fall sein, wenn nur der Eingang um die Ecke liegt oder aus einem anderen Grund herausragend“. Die IHK-Umfrage zeigt, dass in der 1b-Lage der Innenstadt der Quadratmeter im Durchschnitt bereits unter 50 Euro liegt – im Rest der Innenstadt bei unter 20 Euro.

Untersuchungen über die Mietpreise im Einzelhandel legt die IHK seit 1998 vor. Die jüngste Untersuchung basiert auf einer Umfrage bei den Einzelhandelsunternehmen in der Region Stuttgart. Eingeordnet werden diese Daten mit Angebotsmieten, die im Portal Immoscout eingestellt wurden.

Die Umfrage wurde im Spätsommer/Herbst 2024 mit Hilfe eines Dienstleisters (DIA – Deutsche Immobilien-Akademie an der Universität Freiburg GmbH) durch ein Online-Verfahren, ergänzend durch ein schriftliches Verfahren durchgeführt. Teilgenommen haben 600 Mitgliedsunternehmen des stationären Einzelhandels der IHK Region Stuttgart.

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