Felix Dornebusch kehrt ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss ins Kickers-Tor zurück. Er spricht über die lange Leidenszeit, die Trainerentscheidung und seinen auslaufenden Vertrag.
Torwart Felix Dornebusch hat in den Testspielen sein Comeback gefeiert. Der 31-Jährige will das junge Team des Regionalligisten Stuttgarter Kickers nach der Winterpause in verschiedenen Bereichen unterstützen und hat noch einiges vor mit dem Verein.
Herr Dornebusch, Sie hatten fast ein Jahr nach Ihrem Kreuzbandriss einen wichtigen Test bei der Berufsgenossenschaftsklinik in Tübingen. Was hat es damit auf sich, und wie lief’s?
Das Ganze nennt sich „Return to competition“. Dabei werden verschiedene, durchaus herausfordernde Tests mit dem Bein durchgeführt. Kraft, Agilität, Beweglichkeit und Ähnliches werden mit dem gesunden Bein verglichen. Dabei müssen annähernd 100 Prozent erreicht werden, damit man auch formal zum Wettbewerb wieder zugelassen wird. Es lief alles gut, und ich konnte pünktlich zum Vorbereitungsstart am 14. Januar auch offiziell wieder zum Team stoßen.
Und bei den Testspielen und vor allem beim ersten Punktspiel auch wieder zwischen den Pfosten stehen?
Ich kann zum einen nicht von null auf hundert durchstarten. Zum anderen entscheidet das der Trainer, aber ich gehe davon aus, dass ich bis zum Abschluss der Vorbereitung voll fit und einsatzbereit bin. Mein Ziel ist es definitiv, am 21. Februar gegen den 1. FSV Mainz 05 II im Tor zu stehen.
Wie fällt das Fazit Ihrer Leidenszeit aus?
Viel Positives kann ich nicht erzählen, da das Wort Leidenszeit tatsächlich voll zutrifft. Interessant war aber, dass ich eine andere Sicht auf das Team bekommen konnte. Man nimmt einfach andere Dinge wahr, als wenn man auf dem Platz steht.
Mit wem haben Sie Ihre Wahrnehmungen geteilt?
Ich habe versucht, so oft wie möglich in die Kabine zu kommen und mit den Jungs zu sprechen. Sachen, die mir aufgefallen sind, habe ich aus meiner Sicht mitgeteilt.
Was ist Ihnen denn besonders aufgefallen?
Schwierig, ich konnte nicht den einen und einzigen Punkt ausmachen. Es haben sich durch die ganze bisherige Saison viele Themen gezogen. Das ist aber charakteristisch für eine junge Mannschaft. Da fehlt das Selbstverständnis, da fehlt die Fähigkeit, über den Dingen zu stehen. Das ist genau der Unterschied zu einer erfahrenen Mannschaft.
Nicht auch die Qualität?
Nicht immer. Ganz oft geht es vielmehr darum, die einfachen Dinge richtig zu machen. Dabei spielt die Erfahrung eine ganz große Rolle. Und genau in diesem Bereich hoffe ich, ein Stück weit Routine einbringen zu können. Einfach zu bleiben, über den Dingen zu stehen, heißt ja nicht, dass einem alles egal ist. Sondern das bedeutet, dass man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, sich nicht verunsichern lässt, dass man weiß, worauf es ankommt, und das dann auch umsetzt.
Ist dies genau das, was Sportgeschäftsführer Lutz Siebrecht als Ergebnis der Analyse einfordert – nämlich mit einfachem, klarem System intensiv gegen den Ball zu spielen und allen Spaß zu machen?
Wenn es nicht so läuft, ist es grundsätzlich gut für eine Mannschaft, sich auf die einfachen Dinge zu besinnen, zu den Basics zurückzukehren. Wenn die nicht stimmen, bringt es nichts, etwas drum herum aufzubauen. Den Satz von Lutz kann ich daher schon nachvollziehen. Es ist ja im Interesse aller, eine Mannschaft auf dem Platz zu haben, die Spaß macht. Wir Spieler wollen ja auch die Zuschauer mitnehmen, dann macht es uns auch mehr Spaß. Wenn dann mal ein Lauf kommt, dann fällt einem vieles leichter. Dann kann man auch mit Ball attraktiver spielen. Oder wenn die Jungs einen freien Kopf haben und mehr Selbstvertrauen haben, dann gehen sie mutiger ins Eins-gegen-eins, machen auch mal etwas Besonderes.
Hat Sie es überrascht, dass es mit Marco Wildersinn nach der Winterpause weitergeht?
Nein, gar nicht. Ich hatte nie das Gefühl, dass ein Trainerwechsel in der Mannschaft ein Thema war. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass der Fußball, den er spielen lässt, nicht zur Mannschaft passt. Von daher ist es für mich komplett verständlich, dass es so weitergeht.
Die Spielweise . . .
. . . wird manchmal falsch gesehen. Es ist doch nicht so, dass unser Trainer uns nicht intensiv gegen den Ball spielen sehen will. Wenn man die letzten beiden Auswärtsspiele, vor allem das in Sandhausen, sieht, dann haben wir genau das gespielt. Sehr mannorientiert, aggressiv gegen den Ball, mit sehr hohem Pressing.
Und mit Ball?
Sind wir einfach geblieben. Das können wir auch. Marco schließt ja nicht kategorisch aus, so Fußball zu spielen. Oder dass das seinem Spielstil widerspricht. Man kann das Ganze schon vereinen, miteinander verbinden. Auf eine gute Mischung kommt es an.
Was ist noch drin in dieser Saison?
Ich bin gut damit gefahren, nicht auf die Tabelle zu schauen. Ich bin sicher, dass wir in den verbleibenden 14 Spielen im Schnitt mehr Punkte holen als bisher und mit unten nichts zu tun bekommen. Entscheidend ist, dass wir Konstanz reinbringen – in der Liga und im wichtigen WFV-Pokal-Wettbewerb, wo wir noch drei Spiele machen wollen.
Ihr Vertrag endet am Saisonende. Werden Sie bleiben?
Es war noch kein Gesprächsthema, weil es bisher nur darum ging, voll fit zu werden. Dass ich mich sehr wohlfühle hier, steht außer Frage. Der Ruhrpott wird auf Dauer mein Zuhause bleiben, aber die Kickers und die Menschen hier sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe schon noch was vor mit dem Verein.
Zur Person
Karriere
Felix Dornebusch wurde am 12. Juli 1994 in Witten geboren. Mit 17 Jahren unterschrieb er seinen ersten Profivertrag. Im Nachwuchsleistungszentrum von Schalke 04 arbeitete er mit der Torwarttrainer-Ikone Lothar Matuschak zusammen, was auch gemeinsame Trainingseinheiten mit Manuel Neuer mit sich brachte. Weitere Stationen: VfL Bochum, 1. FC Nürnberg, Eintracht Braunschweig, Fortuna Sittard, VfB Oldenburg. Seit 1. Juli 2023 ist der 1,93 Meter große Torwart bei den Stuttgarter Kickers. Sein Vertrag läuft bis 30. Juni 2026.
Persönliches
Dornebuschs Lieblingsverein ist der VfL Bochum. Sein Hobby ist Golf. (jüf)