Sind sich einig über den Kurs: Kickers-Präsident Rainer Lorz (li.), Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht Foto: Baumann
Die Stuttgarter Kickers ziehen die Lehren aus einer durchschnittlichen Regionalligasaison und haben klare Vorstellungen, wie es künftig besser laufen soll. Wir nennen die Knackpunkte.
Verkorkst? Durchwachsen? Durchschnittlich? Wie auch immer man die abgelaufene Saison der Stuttgarter Kickers bezeichnen möchte, fest stehen die Fakten: Die Mannschaft landete in der Fußball-Regionalliga auf Platz sieben, 14 Punkte hinter Meister SG Sonnenhof Großaspach. Im WFV-Pokal gelang der Sprung ins Finale, das gegen den Drittliga-Aufsteiger aus dem Fautenhau am Pfingstsamstag mit 1:4 verloren ging.
Ebenfalls unstrittig: Es gab Höhen und Tiefen. Positiv stellt sich die Bilanz im Gazi-Stadion dar. Die Blauen avancierten mit 35 Punkten zum besten Heimteam der Liga. Negativ stechen einige Auswärtsauftritte heraus, bei denen das Team nicht annähernd an sein Leistungspotenzial herankam. So gingen etwa die Partien bei den Absteigern Bahlinger SC, Bayern Alzenau und Schott Mainz ohne jegliches Aufbäumen verloren.
Das soll sich in der am 7. August beginnenden neuen Saison grundlegend ändern. Unabhängig davon, wie der genaue Kader aussieht: Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Trainer Holger Bachthaler, den beim FV Illertissen im übrigen der Ex-Freiberger Walid Khaled (bisher Co-Trainer SV Waldhof Mannheim II) ablöst.
Klare Abläufe
Herangehensweise: Die grundsätzlichen Abläufe sollen klar sein und helfen – egal, gegen welchen Gegner – konstantere Leistungen abzurufen. Der Plan ist, dass diese unmissverständlich vermittelte Spielidee dem Team Sicherheit gibt, um auch in schwächeren Phasen das Spiel nicht aus der Hand zu geben, kompakt und organisiert zu bleiben, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und am Ende die Punkte mitzunehmen. Aufsteiger SG Sonnenhof gilt diesbezüglich als eine Art Vorbild.
Mehr Zielstrebigkeit, mehr Durchschlagskraft
Einfachheit: Die einfachen Dinge gut zu machen, gilt als die Kunst im Fußball. Die Kickers hatten oftmals mit noch einem Dribbling und noch einem Schnörkel versucht, eine bessere Abschlussposition zu finden. Es fehlte die Gradlinigkeit, die Zielstrebigkeit und dadurch die Durchschlagskraft und Effizienz. Kein Zufall: Auch in diesen Punkten hatte die SG Sonnenhof ihre Stärken.
Mentalität: Es drängte sich bisweilen der Eindruck auf, manche Kickers-Spieler lächelten Niederlagen weg. Es fehlte an Führungspersönlichkeiten auf und außerhalb des Platzes, an aggressiven, körperlich robusten Leadertypen. Besonders wichtig ist dabei die Achse: Torwart, Innenverteidiger, Sechser, Mittelstürmer. Entsprechend muss die Kaderplanung ausgerichtet sein, wobei die Kickers auch auf die Charaktereigenschaften von Coach Bachthaler setzen – nach dem Motto: Ein echter Anführer am Spielfeldrand, der Ehrgeiz und Leidenschaft schon bei der Trainingsgestaltung vorlebt, kann auch Anführer auf dem Spielfeld ausbilden.
Spielweise: Der künftige Trainerentwickler Wolfgang Geiger hat als ehemaliger Mentor der Nachwuchstrainer bei RB Salzburg in der Saison 2017/18 auch Holger Bachthaler betreut. Sie verbindet eine gemeinsame Fußballphilosophie, die sich auch mit der von Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht deckt. Von daher besteht nach längerer Zeit bei den Kickers wieder eine einheitliche Linie der handelnden Personen, zuletzt war das beim Duo Siebrecht/Mustafa Ünal der Fall. Dem intensiven Spiel gegen den Ball wird dabei sehr große Bedeutung zugemessen.
Holger Bachthaler hat sich beim FV Illertissen verabschiedet, künftig trainiert er die Stuttgarter Kickers. Foto: IMAGO/Beautiful Sports
Es wird als Grundlage angesehen für ein mutiges Spiel mit dem Ball. Griffig sein, auch mal tief zu stehen, mehr zu laufen und zu sprinten als der Gegner, lautet der Plan. Zocken ist weniger gefragt, sondern auf effektives Umschaltspiel wird gesetzt. Mit einer gut gestaffelten Restverteidigung sollen mögliche Ballverluste nicht gleich zum Drama werden. Mit dieser Spielidee wollen die Blauen Vereinen wie dem SV Sandhausen oder dem SSV Ulm 1846 mit mehr finanziellen Möglichkeiten und möglicherweise besseren Einzelspielern Paroli bieten.
Die SG Sonnenhof Großaspach hat gezeigt, dass es funktionieren kann.