Stuttgarter Kickers Von wegen Luft raus – die Blauen zünden Feuerwerk der Emotionen

Ausgelassene Freude bei den Kickers-Spielern nach dem Last-Second-Sieg Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Die Stuttgarter Kickers zeigen beim 3:2 gegen den SGV Freiberg eindrucksvoll, dass die Saison für sie noch nicht gelaufen ist. Auch einzelne Spieler spielen auf der Zielgeraden um ihre Zukunft.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Meris Skenderovic ist eigentlich ein eher in sich gekehrter, fast schon schüchterner Mensch. Doch nach seinem 3:2-Siegtreffer vor 4550 Zuschauern in der Nachspielzeit gegen den SGV Freiberg ließ der 27-Jährige nicht nur die komplette Waldau beben – auch beim Stürmer der Stuttgarter Kickers kam es zu einer Explosion der Gefühle. Er flippte völlig aus, riss sich das Trikot vom Leib – und kassierte dafür regelkonform Gelb. „Das ist die schönste Gelbe Karte der Saison“, freute sich Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht auch noch am Tag danach. Und Skenderovic selbst war mit ein bisschen Abstand einfach nur glückselig: „Wenn man in allerletzter Sekunde den Siegtreffer erzielt, dann ist das ein megageiles Gefühl.“

 

Beflügelt das goldene Tor?

Es hatte sich viel angestaut beim Ende August 2024 verpflichteten Angreifer. Die in ihn gesetzten Erwartungen konnte der ehemalige Drittligaspieler von 1860 München und vom Halleschen FC bis zum Mittwochabend nicht erfüllen. Vom Fehleinkauf war längst schon die Rede, über eine vorzeitige Auflösung seines bis 2026 laufenden Vertrages wurde diskutiert. Jetzt hoffen alle, dass ihn dieser Glücksmoment in Form des goldenen Tores beflügelt und er in den restlichen sechs Saisonspielen sein wahres Leistungsvermögen abruft.

Das Beispiel zeigt, dass es auf der Zielgeraden dieser Regionalligasaison noch um einiges geht. Auch wenn vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr) gegen den Bahlinger SC, bei elf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter TSG Hoffenheim II, der Aufstieg nur noch in der blanken Theorie möglich ist. „Die restlichen Spiele sind wichtig für die Entwicklung, wichtig für die Zukunft – in verschiedenen Bereichen“, stellte Siebrecht klar.

Schembri verlängert langfristig

Was das Gesicht der künftigen Mannschaft von Trainer Marco Wildersinn betrifft, gibt es noch einige Fragezeichen. Klar ist dagegen, dass junge, hungrige Spieler maßgeblich zur Philosophie gehören. Weshalb es ins Bild passt, dass Offensivmann Nevio Schembri (18) seinen ohnehin bis 2026 laufenden Vertrag nach Informationen unserer Redaktion um zwei weitere Jahre verlängert hat und man sich zudem mit einem jungen Innenverteidiger (Linksfuß) von einem Regionalligarivalen einig ist.

Bleibt die Frage, was die Zielsetzung des Teams für die restliche Runde ist. Für den gegen Freiberg, wie schon beim 1:0 in Frankfurt, überragenden Per Lockl steht fest: „Wir wollen Aufbruchstimmung erzeugen, und dann ist es schon ein Unterschied, ob man am Ende Sechster oder Zweiter wird.“ Vizemeister – das waren die Blauen auch vergangene Saison. Weil eben der letzte Eindruck haften bleibt, wäre diesmal die Enttäuschung jedoch deutlich kleiner.

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