Stuttgarter Metzgerei polarisiert „Ich finde es komplett lächerlich“ – große Aufregung um Frau im Fleischkostüm

Die Fleisch-Boutique am Bubenbad hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt, um auf die Neueröffnung ihres Ladengeschäftes aufmerksam zu machen. Foto: Link

Mit dem Foto einer Frau im Fleischkostüm wirbt eine Stuttgarter Metzgerei auf einem Werbeplakat für die Neueröffnung einer ihrer Filialen. Dies stößt zum Teil auf heftige Kritik.

Volontäre: Janina Link (jali)

Christel Mayer bleibt kopfschüttelnd vor der großen Plakatwand in der Gänsheide stehen. „Ich finde es komplett lächerlich“, sagt die 84-Jährige, während sie kritisch die beinahe lebensgroß abgedruckte Frau begutachtet, die ihr auf dem bedruckten Banner in Fleisch gehüllt entgegenblickt. In ihrem „Fleisch-Kostüm“ schreitet sie unter den Blicken zahlreicher Zuschauer über einen Laufsteg. Die Art und Weise, wie die Metzgerei Häfele für ihren neuen Filialstandort „Fleisch-Boutique“ am Bubenbad in Stuttgart-Ost wirbt, ist ungewöhnlich. Und sie kommt nicht bei jedem gut an.

 

„Allein der Name“, echauffiert sich Mayer, „was hat denn eine Metzgerei mit einer Boutique zu tun?“ Sie ist an diesem Nachmittag nicht die einzige, die das Plakat kritisch beurteilt. Wenig später läuft Brigitte Böhme daran vorbei. „Übertrieben“, findet die Stuttgarterin. Man habe sich in der Gänsheide lange gefragt, was in das leerstehende Gebäude hineinkommen würde. Bereits früher war dort eine Metzgerei beheimatet. Dann, schließlich, sei „die Kuh aufs Dach gekommen“, erinnert sich Böhme. Sie blickt hinauf zu der großen Tierfigur, die hoch oben auf dem Gebäude thront, bevor sie wieder das Werbeplakat beäugt. „Ich kann verstehen, dass die Leute sich darüber aufregen“, sagt Böhme.

Inhaber: Wir nehmen die Kritik an der Werbung ernst

Simone G., die mit ihren Kindern an der neuen Metzgerei-Filiale vorbeischlendert, verspürt mehr Verwunderung als Empörung: „Ich verstehe nicht ganz, warum man als Metzgerei solch eine Werbung wählt. Aber das stört mich jetzt nicht so.“ Justin Böhm sieht das ähnlich, auch ihn störe die Werbung nicht. Jedoch gibt der junge Stuttgarter zu bedenken: „Ich könnte mir vorstellen, dass man das als Frau nicht so toll findet.“

Metzgerei-Inhaber Max Häfele betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Bildsprache bewusst plakativ und künstlerisch überspitzt gewählt worden sei. Jedoch: „Uns ging es nicht darum, Frauen in irgendeiner Form problematisch darzustellen oder zu provozieren, sondern vielmehr um eine auffällige Inszenierung von Genuss, Handwerk und Ästhetik“, sagt Häfele. Konzept, Gestaltung und Ausführung der Kampagne sei sogar von einer Frau entwickelt und federführend geleitet worden.

Dennoch, auch die Metzgerei selbst hätten bereits vereinzelte kritische Stimmen erreicht, berichtet Häfele. „Tatsächlich hatten wir ursprünglich bereits ein anderes Bannermotiv im Einsatz. Dieses wurde jedoch von einem Handwerker entwendet, weshalb wir kurzfristig und über Nacht Ersatz organisieren mussten.“ Die Kritik an der Werbung mit der Frau im Fleischkostüm nehme man ernst. Deshalb habe man entschieden, das Banner auszutauschen. „Wir möchten mit unserer Werbung Aufmerksamkeit erzeugen und modern auftreten, gleichzeitig aber niemanden unnötig verletzen oder vor den Kopf stoßen.“

Es gibt auch positive Stimmen zum Plakat

Doch es gibt an diesem Nachmittag auf der Gänsheide auch positive Stimmen, Stimmen, die die Werbung als kreativ und interessant bezeichnen. Dass die Kampagne derart diskutiert werde, zeige, dass sich die Menschen mit ihrem Konzept und der Eröffnung auseinandersetzen, freut sich Häfele trotz allem. „Genau dieser moderne und mutige Auftritt sollte unsere Marke bewusst von klassischer Branchenwerbung abheben.“ Das ist der Metzgerei wohl gelungen.

Die Familie Häfele führt ihren Metzgerei-Betrieb mit insgesamt 21 Läden im Umkreis von Stuttgart bereits seit 1954, schlachtet und produziert noch immer selbst.

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