Das Wittwer-Haus soll 2030 abgerissen werden. Kann es nach dem Auszug der Buchhandlung für ein Pop-up-Projekt genutzt werden? Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ein zentrales Gebäude, das lange leer steht, weckt Pop-up-Träume. So auch für das Wittwer-Haus am Schlossplatz. Partymacher wollen vor dem Abriss hinein. Wie stehen die Chancen dafür?
Brachflächen sind eine Chance für kreative Pioniere. Tut sich ein Leerstand an einem zentralen Ort auf, weil es noch Jahre dauern kann bis zum Abriss oder Umbau, blühen meist sehr schnell Pop-up-Projekte mit Kultur oder Gastronomie auf. Das Zauberwort lautet: Zwischennutzung! Die vorübergehenden Mieter zahlen weniger, als der Markt sonst verlangen würde – und sie machen mit ihren temporären Treffs eine Stadt spannender und cooler.
Das Studio Amore und das Studio Gaga im Hotel am Schlossgarten waren ein prächtiges Beispiel dafür. In der ehemaligen Luxusherberge am Hauptbahnhof entstand ein Hype, der Stadtgeschichte geschrieben hat. Im vergangenen Sommer mussten die Partymacher nach immer neuen Verlängerungen ihrer Spielzeit endgültig raus, damit der Umbau beginnen kann.
Was Pop-up-Macher jetzt vom Wittwer-Haus am Kleinen Schlossplatz hören, weckt neue Träume. Ende kommenden Jahrs wird die Buchhandlung Thalia/Wittwer ausziehen und in einen Neubau im sogenannten Benko-Loch an der Königstraße ihr neues Domizil eröffnen. Der Abriss des in den 1960er Jahren erbauten Gebäudes ist für 2030 geplant. Kann in der Zwischenzeit das mehrstöckige Haus genutzt werden, um eine Bar zu starten – etwa eine Library Amore oder eine Library Gaga?
Studio-Gaga-Chef Nikos Likopulos, seit anderthalb Jahren auf der Suche nach einer neuen Location für den queeren Club, kam sofort auf die Idee, als er von dem geplanten Umzug von Thalia/Wittwer in der Zeitung las. Die Gaga-Macher würden gern an diesem prominenten Ort genau das fortsetzen, was sie mit großem Erfolg am Schlossgarten betrieben haben. Unsere Redaktion hat nachgefragt, wie die Chancen dafür stehen.
Doch eine Umsetzung scheint schwierig. Elias D’Angelo, Vorstandsmitglied der Dinkelacker AG, die das Gebäude von der Familie Wittwer gekauft hat, erklärt auf Anfrage: „Für das Gebäude ist zwischen dem Auszug von Thalia und dem geplanten Abriss nach aktuellem Stand weder eine Zwischennutzung vorgesehen noch realistisch umsetzbar. Hintergrund sind insbesondere die engen zeitlichen Abläufe sowie organisatorische und sicherheitsrelevante Anforderungen im Vorfeld des Rückbaus.“
Die Dinkelacker Brauerei prüft, ob die Räume des Ochs’n Willi nach dem Auszug zu einer Pop-up-Bar werden kann. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Indirekt erklärt D’Angelo zudem, dass der Fokus der Dinkelacker AG derzeit auf der Vorbereitung der künftigen Entwicklung des Standorts liegt. Ziel sei es, „eine attraktive und zeitgemäße Nutzung für die Stuttgarter Innenstadt zu realisieren“.
Ein mögliches Zeitfenster für Pop-up-Ideen könnte sich jedoch im Ochs’n Willi ergeben, dem Restaurant, das im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht ist. Til Odenwald von der Brauerei Schwabenbräu/Dinkelacker erklärt, dass man nach Ende des aktuellen Pachtvertrags prüfen werde, ob eine Zwischennutzung realisiert werden kann.
„Mit den Machern des Studio Gaga stehen wir in regem Austausch und haben das auf dem Schirm“, berichtet Odenwald. Eine feste Zusage könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben, „aber wenn sich die Gelegenheit bietet, wird es sicher eine attraktive Lösung geben“. Das lässt die Gaga-Macher hoffen.