Stuttgarter Prüfkonzern Dekra ruft mobile TÜV-Station für Spaniens Landwirte ins Leben

ARCHIV - 22.04.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Das Logo des Prüfkonzerns Dekra ist an einem Gebäude der Hauptverwaltung angebracht. Foto: dpa

Der Stuttgarter Konzern Dekra steigt in Spanien groß ins Geschäft mit Fahrzeugprüfungen ein. Das ist nur ein Teil einer langjährigen Expansionsstrategie des Unternehmens.

Volontäre: Janina Link (jali)

Der Stuttgarter Prüfkonzern Dekra übernimmt in Spanien für 25 Jahre die Fahrzeugprüfungen in der Region Extremadura. Der Schritt ist Teil einer größeren Expansionsstrategie. Erst 2022 trat Dekra in den spanischen Markt ein, zunächst mit einzelnen Standorten im Raum Madrid. Seither wächst das Netz schrittweise. Mit der neuen Lizenz in Extremadura - einer Region mit rund einer Million Einwohnern - dürfte sich das Geschäft im Land deutlich ausweiten.

 

„In Spanien gibt es keine einheitliche Fahrzeugprüfung, denn jede Region regelt das anders“, erklärt Wolfgang Sigloch, Pressesprecher Automobil bei Dekra. „Einige Regionen betreiben ein rein staatliches System, in das private Unternehmen nicht eindringen können. Wir beobachten daher gezielt, wo Ausschreibungen erfolgen. In Extremadura haben wir nun eine solche Ausschreibung gewonnen.“ Vier stationäre Prüfstellen werden dort in Kürze entstehen.

Dekra prüft jährlich mehr als 32 Millionen Fahrzeuge

Die Besonderheit: Eine fünfte, mobile Station fährt direkt zu den Landwirten in entlegene Gebiete. „Die ist gezielt dafür da, um Fahrzeuge zu prüfen, die aufgrund ihrer technischen Charakteristika, vor allem Geschwindigkeiten, nur mit sehr großem Aufwand über größere Entfernungen zu einer festen Prüfstationen gebracht werden könnten – zum Beispiel Mopeds, Traktoren und Landmaschinen.“

Weltweit prüft Dekra nach eigenen Angaben jährlich mehr als 32 Millionen Fahrzeuge in 24 Ländern. Das macht das Unternehmen zum Marktführer in diesem Bereich.

Trotz eines wirtschaftlich angespannten Umfelds, insbesondere in der Automobilbranche, steigerte Dekra zuletzt Umsatz und Ergebnis. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 4,4 Milliarden Euro - ein Anstieg um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis lag bei etwa 275 Millionen Euro.

2025 investierte das Unternehmen insgesamt 127 Millionen Euro

Der Bereich Fahrzeugprüfung bleibt das Rückgrat des Geschäfts. Während andere Bereiche der Autoindustrie stärker unter Konjunkturschwankungen leiden, bleibt die Nachfrage nach Prüf- und Zertifizierungsleistungen konstant – müssen Fahrzeuge schließlich regelmäßig kontrolliert werden, unabhängig von der Wirtschaftslage.

Gleichzeitig verändert sich das Geschäft zunehmend softwaregesteuerte Fahrzeuge, die von digitalen Systemen abhängig sind. Dekra reagierte darauf und erweiterte das Unternehmensportfolio in den vergangenen Jahren über die klassische Fahrzeugprüfung hinaus – unter anderem um Dienstleistungen zu digitalen Systemen, Cybersicherheit und künstlicher Intelligenz. 2025 investierte das Unternehmen insgesamt 127 Millionen Euro, davon rund 40 Millionen Euro im Heimatmarkt Deutschland.

Schwerpunkt des Unternehmens bleibt in Deutschland

Dekras Schritt ins Ausland begann Ende der achtziger Jahre mit ersten Aktivitäten in Frankreich. In den 1990er-Jahren folgte eine Ausweitung in zahlreiche weitere Länder, darunter Polen, Tschechien und Ungarn. Ab den 2000er-Jahren verlagerte sich der Fokus zunehmend auf außereuropäische Märkte. Der Konzern baute seine Präsenz unter anderem in Brasilien aus und übernahm dort Unternehmen im Bereich Prüfung und Zertifizierung.

Seit dem 6. April 2022 steht Stan Zurkiewicz als CEO an der Spitze von DEKRA e.V. und DEKRA SE. (Archivfoto) Foto: Julian Rettig

In den 2010er-Jahren kamen weitere wichtige Märkte hinzu: In China wurde eine regionale Zentrale aufgebaut, in Neuseeland beteiligte sich Dekra an einem führenden Anbieter von Fahrzeugprüfungen. Auch in Südafrika und Taiwan wurde das Geschäft durch Übernahmen erweitert.

Trotz der internationalen Ausrichtung bleibt der Schwerpunkt des Unternehmens in Deutschland. Der deutschsprachige Raum ist weiterhin der wichtigste Markt und erwirtschaftet den größten Anteil am Umsatz.

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