Lange Jahre ging es für Porsche steil bergauf – und auch für die Mitarbeiter. Nun befindet sich Porsche auf Talfahrt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko
Die Porsche-Gewinne brechen ein – und mit ihnen nun auch die einst legendären Bonuszahlungen. Beschäftigte gehen leer aus, und für das Management gibt es eine weitere Nullrunde.
Über viele Jahre zahlte keiner der großen Autobauer seinen Beschäftigten eine so hohe Erfolgsbeteiligung wie Porsche. „Intergalaktisch“ sei der Bonus für die Beschäftigten, jubelte vor Jahren der einstige Betriebsratschef Uwe Hück. Doch die Zeiten eines hohen Bonus sind vorbei.
Für das abgelaufene Jahr müssen die Beschäftigten des Sportwagenherstellers sogar gänzlich auf diese freiwillige Leistung des Unternehmens verzichten. Dies bestätigte das Unternehmen unserer Zeitung. „Aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens wird es für das Geschäftsjahr 2025 keine freiwillige Sonderzahlung geben“, erklärte ein Sprecher. „Die Belegschaft wurde darüber bereits Ende 2025 informiert.“
Der GT3 gehört zu den Hoffnungsträgern von Porsche – der 911 trotzt der Krise. Foto: Porsche AG/dpa-tmn
Nicht nur die Beschäftigten, auch der Vorstand und das Management bei Porsche müssen einen Beitrag leisten. Die Bonuszahlungen für das vergangene Jahr sind komplett ausgefallen, und die Grundvergütung für das Management wurde - wie bereits im Vorjahr - nicht erhöht, so der Sprecher. Eine doppelte Nullrunde.
Die Entwicklung des Bonus steht durchaus im Einklang mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Noch in den Jahren 2022 und 2023 erzielte Porsche eine Rendite von sagenhaften 18 Prozent und zählte damit zu den profitabelsten Autoherstellern der Welt. Im Jahr darauf sank diese wichtige Kennzahl für die Ertragskraft auf 14,1 Prozent und fiel 2025 mit 1,1 Prozent geradezu in sich zusammen.
Lange kannte die Gewinnbeteiligung bei Porsche fast nur eine Richtung – nach oben. Den Rekord gab es für die Jahre 2018 und 2019 mit jeweils 9700 Euro; im Jahr darauf sackte die Beteiligung wegen der Pandemie auf 7850 Euro ab, um in den drei Jahren darauf fast wieder auf das alte Rekordniveau zu steigen. Die Prämie für 2023 blieb mit 9690 Euro gerade einmal zehn Euro unter der bisherigen Höchstmarke. Ebenso wie der Gewinn sackte die Prämie dann für 2024 deutlich ab.
Auch bei Mercedes sank der Bonus
Auch bei anderen Unternehmen der Branche wie etwa Mercedes sank die Beteiligung, aber nicht im gleichen Maß. Umgekehrt hatte sie in früheren Jahren auch bei weitem nicht die Höhe wie bei Porsche erreicht.
2022 und 2023 erreichte die Prämie den Rekordwert von 7300 Euro, um dann wie bei Porsche zu sinken – allerdings deutlich langsamer. Der Ausgangspunkt bei Porsche war höher, die Sinkgeschwindigkeit allerdings auch. Im Jahr 2024 erreichten beide Unternehmen den Schnittpunkt – mit 5250 Euro bei Porsche und 5220 Euro bei Mercedes waren die Prämien fast genau gleich hoch.
Mercedes: minus 45 Prozent, Porsche: minus 98 Prozent
Nun setzt sich der Trend fort, und bei Porsche sinkt die Beteiligung auf den Nullpunkt, während sie bei Mercedes immerhin noch 3139 Euro plus eine Jubiläumsaktie erreichte. Allerdings steht Mercedes auch mit seinem Geschäftsergebnis noch vergleichsweise robust da. Der Gewinn aus dem Autogeschäft sank nicht wie bei Porsche um 98, sondern um 45 Prozent.
Der vergleichsweise starke Gewinneinbruch bei Porsche hängt vor allem mit den handelspolitischen Verwerfungen zusammen. Von den Zöllen der USA ist das Unternehmen besonders stark betroffen, weil Porsche dort - anders als Mercedes oder BMW – keine eigene Fertigung hat und somit die gesamten Verkäufe in den USA und nicht nur ein Teil von den Zusatzabgaben betroffen sind. Als Hersteller von Luxusautos ist Porsche überdies von den verschärften Regeln zur Besteuerung solcher Autos besonders betroffen.
Zu starker Strategischwenk zur E-Mobilität
Der intensive Strategieschwenk von Porsche in Richtung E-Mobilität wirkt sich ebenfalls massiv aus, weil teure Investitionen, etwa in den Supersportwagen Taycan, sich wegen des schwachen Absatzes nicht refinanzieren und überdies weitere Investitionen in die Verbrennertechnologie notwendig sind, die entgegen der Vorgaben der Politik und der früheren Planungen des Unternehmens weiter gefragt ist. Nun werden eine Reihe von Modellen länger als geplant als Verbrenner und Hybride angeboten.
Leiters will Management an Größe der Firma anpassen
Der neue Porsche-Chef Michael Leiters, der Anfang dieses Jahres sein Amt antrat und die schwachen Geschäftszahlen von 2025 zu verkünden hatte, kündigte bereits eine grundlegende Neuausrichtung des Unternehmens an. Konkrete Schritte will er erst später vorstellen – doch klar ist, dass er das Unternehmen in jeder Hinsicht effizienter machen will. Dazu gehört auch die Verkleinerung der Management-Ebene. Das Unternehmen, so Leiters, sei gerade in den indirekten Bereichen, also außerhalb der unmittelbaren Produktion, schneller gewachsen als das Geschäft.
Eine Rückkehr zu den alten Stückzahlen ist somit kaum zu erwarten. Vielmehr sollen die Kosten nun an generell kleinere Geschäftsvolumina angepasst werden, damit Porsche auch bei längerfristig geringeren Verkaufszahlen wieder rentabel wird.