Stuttgarter Tanzmacher Eric Gauthier träumt groß und lässt Michael Patrick Kelly gut aussehen

Wenn's um Bewegung auf einer großen Bühne geht, verlässt sich auch der Popstar Michael Patrick Kelly (links) auf die Expertise von Eric Gauthier. Geprobt haben die beiden vor Kellys „Traces“-Tour heimlich nachts am Aalto-Theater in Essen. Foto: Jeanette Bak

Nachts im Ballettstudio am Aalto-Theater in Essen: Wie Eric Gauthier, Choreograf und kreativer Kopf von Gauthier Dance, dem Popstar aus der Kelly-Familie neue Moves beibrachte.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Nebenjob? Auf keinen Fall würde Eric Gauthier seine Arbeit als Schrittmacher für Stars der Pop- und Schlagerszene mit diesem Begriff bezeichnen, auch wenn er vor allem als künstlerischer Kopf der Theaterhaus-Tanzkompanie Gauthier Dance und ihrer Juniors bekannt ist. „Für mich sind das keine Nebenjobs, sondern die Arbeit für Sänger wie Cro oder Marianne Rosenberg sind ein Teil meines Universums als Künstler“, sagt er am Telefon.

 

Als Künstler liebt das kanadische Multitalent die Herausforderung. Eine Operninszenierung? „Das ist eine wahnsinnig spannende Aufgabe!“, sagt Eric Gauthier – das Resultat heißt „La Fest“ und kam im Dezember 2023 im Stuttgarter Opernhaus heraus. Anfragen aus der Popszene freuen Eric Gauthier auch deshalb, weil er ab und an selbst als Singer-Songwriter mit eigener Band auf der Bühne steht und ein gutes Gespür für die Dramaturgie einer Show hat. „Mich interessiert es, neue Wege zu entdecken und ich lerne viel dabei“, sagt er.

Aha-Erlebnis in der Schleyerhalle

Ein Aha-Erlebnis hatte er Ende April in der Stuttgarter Schleyerhalle beim Konzert von Michael Patrick Kelly: So groß wie auf der 40 Meter langen Leinwand sieht Eric Gauthier seine Kunst selten. „Wow, ein Monster-Screen, der alles in Übergröße zeigte“, sagt er. Auf ihm konnte er gut überprüfen, ob der Sänger alles umsetzte, was der Choreograf mit ihm im Aalto-Theater in Essen einstudiert hatte. „Damit niemand Michael Patrick Kelly sehen konnte, durften wir die Ballettstudios nachts nutzen“, berichtet Eric Gauthier von den Proben kurz vor dem Tourstart im April in Dortmund. Beim Besuch der Generalprobe für den neuen Essener Ballettabend „Relations“ konnte Gauthier seinen Tanzlehrling Kelly zudem für die moderne Bewegungskunst Jirí Kyliáns begeistern.

Keine Angst vor großen Gesten: Michael Patrick Kelly in der Schleyerhalle Stuttgart Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Zuschauerzahlen von einigen Tausend? Mit seiner Arbeit für Popstars wie den Panda-Rapper Cro, der sich vor einigen Jahren Ballett in einer Show wünschte und deshalb Eric Gauthier kontaktierte, für Musikvideos oder für die Varieté-Programme des Berliner Friedrichstadtpalasts könne er ein großes Publikum erreichen, freut sich der Kanadier. Wer meint, dass Gagen in entsprechender Höhe auf Gauthiers Konto fließen, den muss er enttäuschen: Tanz sei keine Kunstform zum Reichwerden. Und sowieso läuft der Motor Eric Gauthiers mit anderem Sprit. Wer den Tausendsassa in Turnhallen, Schulen, Altenheimen, Krankenhäusern oder auf öffentlichen Plätzen dabei erlebt, wie der das Publikum zum Tanzen bringt, weiß, dass vor allem Leidenschaft im Spiel ist.

Wovon Eric Gauthier träumt

„Ich habe nur ein Leben als Künstler, das muss ich maximal ausnutzen. Vielleicht will niemand mehr mit mir arbeiten, wenn ich mal 60 bin“, sagt der 49-Jährige und lacht. Alle Anfragen bekommt er aber auch mit maximaler Motivation nicht in seinem Kalender unter: „Ich bin Vater von drei Kindern und muss zwei Tanzkompanien mit Auftritten und Tourneen managen“, sagt Eric Gauthier, verrät aber auch, zu was er niemals nein sagen würde: „Die Eröffnung von Olympischen Spielen und eine Show für den Cirque du soleil wären mein Traum.“

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