Bosch-Chef Stefan Hartung bei der Diskussion von „StZ im Gespräch“ der Stuttgarter Zeitung und „Treffpunkt Foyer“ der Stuttgarter Nachrichten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Stefan Hartung spricht über die seit diesem Jahr gestrichene Jubiläumsleistung bei Bosch in Deutschland – und zeigt auf, was die ebenso einschneidende Alternative dazu gewesen wäre.
Bosch-Chef Stefan Hartung hat sich zur im Vorjahr aufgekündigten Jubiläumsleistung beim Stuttgarter Technologie- und Dienstleistungskonzern geäußert – und die Entscheidung begründet. Das Thema sei „herzzerreißend schwierig“, sagte Hartung bei der Diskussion „StZ im Gespräch“ der Stuttgarter Zeitung und „Treffpunkt Foyer“ der Stuttgarter Nachrichten.
Bosch hatte im vergangenen Jahr verkündet, ab 2026 keine Jubiläumsleistung mehr an Mitarbeiter in Deutschland zu vergeben. Sowohl Zahlungen als auch Urlaubstage, die bis 2025 für zehn, 25 oder 40 Jahre Betriebszugehörigkeit gewährt wurden, entfallen seither. Die Leistungen seien „in ihrer bisherigen Form nicht mehr zeitgemäß“, hatte es in der Begründung geheißen. Der Konzern hatte in diesem Kontext auf den wirtschaftlichen Anpassungsdruck und eine strategische Neuausrichtung verwiesen.
Stefan Hartung erklärt Entscheidung bei Bosch
Ausgehend von einer vorab eingereichten Leserfrage gab der Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch nun Einblicke in die Entscheidung. „Ich schätze ungemein, dass wir Mitarbeiter haben, die sehr lange bei uns sind“, sagte Hartung eingangs, der sich den Fragen von Anne Guhlich, stellvertretende Chefredakteurin der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, und Joachim Dorfs, Chefredakteur der beiden Zeitungen, stellte.
Es sei ganz fantastisch, wenn Leute 25, 30, 40, 50 Jahre im Unternehmen seien. Seine Begründung für die Aufkündigung der Leistungen beinhaltete anschließend mehrere Punkte.
Bosch-Chef Stefan Hartung (links) im Gespräch mit Anne Guhlich, stellvertretende Chefredakteurin der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und Joachim Dorfs, Chefredakteur der beiden Zeitungen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Jubilare hätten sehr viel Geld und Urlaubstage erhalten. Es sei nicht so, dass Mitarbeiter an anderen Bosch-Standorten auf der Welt solche Jubiläumsleistungen bekommen hätten. Zudem war es laut Hartung „ganz schwierig zu sehen“, parallel zu diesen Zahlungen Mitarbeiter abzubauen.
Sein Konzern befindet sich in einer schwierigen Situation – und plant, in Deutschland mehr als 20.000 Stellen zu streichen. So könne es beispielsweise passieren, dass ein Mitarbeiter im 24. Beschäftigungsjahr gebeten werde, das Angebot – also die Abfindung – anzunehmen, ein weiterer dagegen für das 25. Jahr die Zahlung erhalte. „Das heißt: Ungerechtigkeiten im großen Umfang entstehen auch durch etwas eigentlich Gutes“, so Hartung.
Bosch-Chef Hartung erinnert sich an „furchtbare Entscheidung“
Zugleich spricht er die Größenordnung dieser Leistungen an. „Wenn wir das in dem Abbau, in dem wir uns befinden, beibehalten hätten, hätten wir Hunderte weitere Mitarbeiter abbauen müssen“, gibt der Konzernchef Einblicke in die „Abwägungsfrage“ – sprich: entweder Zahlungen für langjährige Mitarbeiter, denen man größten Respekt zolle, oder ein erweiterter Personalabbau. „Das ist eine furchtbare Entscheidung. Wie sollen sie die vernünftig fällen?“, fragte Hartung auf dem Podium. In der Geschäftsführung habe man sich für das Ende der Jubiläumsleistung entschieden.
Wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mitteilt, gibt es die feierliche Würdigung der Jubilare dagegen nach wie vor. Wie hoch die Jubiläumsleistung ausgefallen ist, sei jeweils abhängig vom Mitarbeitergehalt gewesen. Durch den Wegfall der Jubiläumsleistung erwartet Bosch der Sprecherin zufolge in Deutschland jährlich Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich.
„Wir wollen das Unternehmen retten“, so Bosch-Chef Hartung
Auch wenn sich der Konzern inmitten eines massiven Sparprogramms befindet, ist sich Hartung sicher: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr gern bei uns, das ist auch so berechtigt“, sagte er an früherer Stelle im Gespräch und ergänzte: „Auch wenn es in einer schwierigen Situation ist, ist es trotzdem ein tolles Unternehmen.“ Da arbeite man „noch ein bisschen härter, weil: Wir wollen das Unternehmen retten.“ Dazu gehören auch schwierige Entscheidungen wie der Wegfall von Jubiläumsleistungen.