Stuttgarter Volleyballerin Das Kreuz mit dem Rücken – so kämpft Pia Kästner um ihr Comeback

Feines Händchen: Pia Kästner, Zuspielerin des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Sie ist die Führungsfigur bei Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart – doch in der Vorbereitung fehlt Pia Kästner nach einer Rücken-OP. Im November will sie wieder spielen.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Bisher läuft in der Vorbereitung des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart alles nach Plan. Die einzige negative Nachricht hatte es für Trainer Konstantin Bitter und sein Team schon vor der ersten Einheit am 11. August gegeben – die schmerzte jedoch umso mehr. Pia Kästner, die prominenteste Spielerin im Kader, musste sich überraschend Mitte Juli einer weiteren Rücken-Operation unterziehen und kämpft seither um ihr Comeback. „Den Umständen entsprechend geht es mir gut, die Richtung stimmt“, sagt Pia Kästner, „allerdings ist der Weg zurück schon noch weit.“

 

Umso wichtiger ist, zu akzeptieren, dass es nach einer Verletzung darauf ankommt, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Pia Kästner weiß das aus leidvoller Erfahrung, und ihr Verein, für den am 11. Oktober der Saisonstart ansteht, stärkt ihr dabei den Rücken. „Niemand von uns setzt sie emotional unter Druck“, sagt Konstantin Bitter, „das Tempo bestimmt alleine ihre gesundheitliche Entwicklung.“

Kein Ersatz für Pia Kästner verpflichtet

Wie groß das Vertrauen der Verantwortlichen in ihre Zuspielerin Nummer eins ist, zeigt auch die Tatsache, dass kein Ersatz verpflichtet wurde. Bis Pia Kästner (27) zurückkehrt, schultern US-Neuzugang Melani Shaffmaster (24) und die aus dem Bundesstützpunkt nach oben gezogene Tea Jerkovic (17) gemeinsam die Verantwortung, das neu zusammengestellte Team auf dem Feld zu lenken. „Das klappt sehr gut. Tea Jerkovic nutzt die Chance, sich bei uns weiterzuentwickeln, mit großem Engagement“, sagt der Coach, „trotzdem sind wir ohne Zweifel derzeit schwächer besetzt, als wenn Pia Kästner bei uns wäre.“

Trainer Konstantin Bitter, Zuspielerin Pia Kästner Foto: Baumann

Dass dies nicht der Fall ist, hat alle Beteiligten nicht nur hart getroffen, sondern auch unerwartet. Nach dem bitteren Aus im Play-off-Halbfinale im April gegen den Dresdner SC startete Pia Kästner in einen Block mit aktiver Erholung, in der zweiten Woche der Nations League stieß Deutschlands Volleyballerin der Jahre 2023 und 2024 dann zur Nationalmannschaft. Dort nahmen die Rückenbeschwerden, die sie schon ihre gesamte Karriere begleiten und die auch nach einer ersten Operation im vergangenen Jahr nicht gänzlich verschwunden waren, wieder zu. Nach einer MRT-Untersuchung war klar, dass die Zuspielerin mit einer konservativen Behandlung wohl nicht wieder auf 100 Prozent Leistungsvermögen kommen kann. Nach vielen Gesprächen mit Ärzten und der Vereinsführung entschloss sie sich zu einem weiteren operativen Eingriff. „Alles ist gut verlaufen, es war die richtige Entscheidung. Ich habe keine Zweifel daran, dass ich wieder richtig fit werde“, sagt Pia Kästner, „wenn es läuft, wie wir es planen, werde ich nicht allzu viele Spiele verpassen.“

Im Oktober will Pia Kästner mit dem Balltraining beginnen

Nach vier Wochen, in denen sie sich Zeit für den Heilungsprozess und viel Physiotherapie nahm, begann der aktive Teil der Rehaphase. Nun hofft die Nationalspielerin, dass es keine Rückschläge gibt und sie im Oktober mit dem Balltraining beginnen kann. „Ich werde mich langsam herantasten, muss schauen, was die Schmerzen, die Beweglichkeit und die Kraft zulassen“, sagt sie, „mein Wunsch wäre, im November wieder für Allianz MTV Stuttgart auf dem Feld zu stehen.“

Wie professionell Pia Kästner mit ihrer misslichen Lage umgeht, beweist ihre Einstellung: Sie kämpft, statt zu hadern, ist mental voll auf der Höhe. „Natürlich ist es ätzend und nervig, immer wieder Probleme mit dem Rücken zu haben“, sagt sie über ihr Kreuz mit dem Kreuz, „aber ich muss mich damit arrangieren. Klar wäre ich gerne dauerhaft beschwerdefrei – doch im Leistungssport ist das kaum möglich. Andere zwickt das Knie oder die Schulter, bei mir ist es eben der Rücken. Da darf man sich nicht reinsteigern.“ Nicht mal dann, wenn Dinge besonders schmerzen. Wie in diesem Sommer.

Nicht nur Pia Kästner hat die WM verpasst

Als das deutsche Nationalteam die WM in Thailand spielte, saß Pia Kästner zu Hause und verfolgte die Partien aus der Ferne. Das tat weh und war „nicht so einfach abzuhaken“. Zumal Libera Annie Cesar, ihre frühere Teamkollegin in Stuttgart und beste Freundin, die Titelkämpfe wegen einer Muskelverletzung ebenfalls verpasste. „Manchmal sagt man ja, dass geteiltes Leid halbes Leid ist“, meint Pia Kästner, „doch bei uns war es doppelt bitter. Ich hätte Annie ihre erste WM-Teilnahme so gegönnt.“ Umso motivierter ist die MTV-Zuspielerin, nun die Wende zum Guten zu schaffen.

Pia Kästner war im Januar die erste Stuttgarterin, die ihren Vertrag verlängert hat. In dem Team, das nach dem Abschied von Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Palleres auf der Suche nach einer neuen Identität ist, nimmt die Regisseurin, die bislang erst die Hälfte ihrer Mitspielerinnen kennt, eine Hauptrolle ein. „Ich habe extrem Lust darauf, in dieser Mannschaft eine der Führungsfiguren zu sein“, sagt Pia Kästner, „ich habe viel mit Konstantin Bitter telefoniert. Wir haben gute Typen im Kader. Wenn wir zusammenwachsen und es technisch-taktisch passt, können wir unter den ersten drei der Bundesliga mitmischen.“ Das hört sich nach einem realistischen Ziel an – sofern ab sofort tatsächlich alles nach Plan läuft.

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