Die Straßenverkehrsgenossenschaft SÜD (SVG) will sprichwörtlich hoch hinaus. Als einer der größten Dienstleister in der Transport- und Logistikbranche plant sie einen Neubau auf dem Gelände des Autohofs in Stuttgart-Wangen. Anstatt der Parkplätze soll ein fünfstöckiger Neubau für einen Mobilty Hub entstehen. Mit der nun vom Gemeinderat beschlossenen Änderung des Flächennutzungsplans sind die rechtlichen Vorgaben erfüllt.
Seit Jahren investiert das Unternehmen in seinen Stuttgarter Standort. Neben den beiden Tankstellen wurden das Hotel, die Gaststätte sowie das Tagungs- und Verwaltungszentrum sukzessive neu gebaut. Das war aber nur die erste Etappe. Bereits vor drei Jahren präsentierte die SVG eine Machbarkeitsstudie des Hedelfinger Büros larob.studio für architektur für einen 191 Meter langen und 139 Meter breiten, 20 Meter hohen Neubau vor. Geplant ist, den gesamten bisherigen Parkplatz zwischen B10, den Otto-Konz-Brücken und Hedelfinger Straße zu überbauen.
12.000 Quadratmeter Gewerbe-Fläche und ein Pausenhof für die Schule
Dabei wurde die SVG zunächst ausgebremst. Anstatt wie ursprünglich erhofft, die selbst in Auftrag gegebenen Planungen weiter voran treiben zu können, musste ein Umweg genommen werden. Denn der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik im Gemeinderat hatte einen – wie bei einem Projekt in dieser Größenordnung üblich – städtebaulichen Wettbewerb beschlossen. Schließlich übertrifft das neue Logistikzentrum in seinen Ausmaßen selbst das Gerber in der Innenstadt.
Der Siegerentwurf von Harris + Kurrle Architekten und Koeber Landschaftsarchitektur ist kaum kleiner dimensioniert. Kernstück sollen die knapp 90 Stellplätze für Lastwagen bleiben. Aber nicht mehr im Freien, sondern auf einer Fläche von rund 10.000 Quadratmetern im Erdgeschoss des neuen Gebäudes. Auf weiteren 8500 Quadratmetern sollen Logistikflächen, unter anderem ein Hochregallager, sowie Pkw-Stellplätze entstehen. Zusätzlich sollen auf rund 12.000 Quadratmeter Fläche weitere gewerbliche Nutzungen angesiedelt werden – Handel, Handwerk oder auch Start-Ups.
Neben der rein baulichen Nachverdichtung sind auf dem Autohof-Gelände auch Frei- und Spielflächen für die dringend benötigte Pausenhoferweiterung der benachbarten Wilhelmschule sowie öffentliche Sportanlagen vorgesehen. Zudem soll ein parallel zur Hedelfinger Straße verlaufender Fuß- und Radweg entstehen. Die Zufahrt zum AWS-Betriebshof bleibt erhalten. Durch die im Erdgeschoss offene Bauweise soll die Frischluftschneise für Wangen erhalten bleiben, zudem wird das Dach des Gebäudes teilweise begrünt.
Pilotprojekt in Stuttgart: Autohof als Urban Sandwich
Es ist ein Pilotprojekt für Stuttgart. Bereits 2018 hatte die Stadtverwaltung das Zauberwort Urban Sandwich kreiert. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, die Flächeneffizienz einzelner Projekte zu steigern, indem Bereiche für verschiedene Nutzungen übereinander gestapelt werden. Ziel der Verwaltung ist es, neue Flächen für Gewerbe, Mobilität, Handel, Freizeit und Wohnen zu generieren, ohne bislang offene Bereiche neu versiegeln zu müssen. Aus den vormals fünf Interessenten für das Program ist aber einzig die SVG übrig geblieben.
Der Logistikdienstleister erhofft sich durch den erhöhten Warenumschlag an dem direkt an der B10 gelegenen Ort eine mögliche Einsparung von Verkehrswegen im von Hause aus stark belasteten Stuttgarter Kessel. Die Güter könnten zum Beispiel vom neuen Logistikzentrum möglichst CO2-neutral an die Empfänger geliefert werden – keine acht Kilometer von der Innenstadt entfernt.
Autohof Wangen
Geschichte
Die Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG) ist seit mehr als 100 Jahren einer der führenden Dienstleister in der Transport- und Logistikbranche. Der Ableger für Süddeutschland existiert ebenfalls seit mehr als 70 Jahren als einer der 15 regionalen Standorte. Neben München und Nürnberg ist einer größten Sitze seit mehr als 60 Jahren auf dem Autohof in Stuttgart-Wangen.
Funktion
Eine der Hauptaufgaben liegt im Versicherungs- und Arbeitsschutz für die Logistikbetriebe. Zudem schulen die 150 Mitarbeiter der SVG Süd – rund 70 davon in Stuttgart – etwa 10.000 Fernfahrer pro Jahr. Nicht zuletzt dient der Autohof als zentrale Anlaufstelle in der Region für Lkw-Fahrer und Energieversorger.