Die vielen Brückensanierungen – vor allem im Bereich des Neckars – nehmen kein Ende. Jetzt steht der Voltasteg auf der Agenda des Tiefbauamts. Die Brücke, die 1957 eröffnet wurde, liegt zwischen dem Eisenbahnviadukt und dem Mühlsteg. Er ist knapp 100 Meter lang und verbindet die Stadtbezirke Münster und Bad Cannstatt. Doch Fußgänger und Radfahrer müssen fast ein Jahr lang auf die bequeme Überquerungsmöglichkeit des Neckars verzichten.
Viele Kabel und Leitungen
„Am Voltasteg sind Korrosionsschutzmaßnahmen sowie der Austausch einiger korrodierter Gitterroste im Bereich der verlegten Kabel erforderlich“, sagt Laura Orlik von der Presseabteilung der Stadt Stuttgart. Denn was viele nicht wissen: Über die Brücke verlaufen mehrere Mittelspannungs- und Signalkabel sowie ein 110-kV-Kabel. Zudem liegen auf der Brücke auch noch die zwei markanten, silberfarbenen Fernwärmeleitungen der EnBW, die von den Maßnahmen auf der Brücke jedoch nicht tangiert werden.
Doch diese Kabel und Leitungen machen die erforderliche Erneuerung des Korrosionsschutzes so aufwendig. „Bevor diese Arbeiten beginnen können, müssen alle Stromkabel zunächst aus dem Brückenkörper entfernt und provisorisch auf der Brücke verlegt werden“, erklärt die Stadtsprecherin. Zu diesem Zweck werde ein Holztrog errichtet. Erst wenn die Kabel umverlegt wurden, kann die eigentliche Sanierung starten.
Neuer Zustieg geplant
Neben einem frischen Korrosionsschutz für die Stahlkonstruktion und die Seilaufhängung werden auch die Treppenaufgänge teilweise erneuert. Neben dem Austausch vereinzelter Gitterroste wird im Brückenquerschnitt eine geordnete Leerrohrtrasse hergestellt und anschließend die Kabel neu verlegt. Zudem erhält die Brücke neue Zustiege für die Bauwerksprüfung.
Kosten müssen noch ermittelt werden
„Die Maßnahme wird insgesamt rund ein Jahr in Anspruch nehmen und sollte im vierten Quartal 2025 abgeschlossen sein“, sagt Laura Orlik. Die Kabelverlegungen finanziert die Stuttgart Netze, für die restlichen Kosten gibt es einen definierten Kostenteilungsschlüssel zwischen Tiefbauamt, EnBW und Stuttgart Netze. „Da die Stadt noch keine Bauleistungen vergeben hat, können wir die Baukosten noch nicht konkret beziffern“, so die Stadtsprecherin.
„In Verbindung mit den Maßnahmen auf der Brücke wird auch die Kabeltrasse zwischen dem Voltasteg und der Kreuzung Hofener Straße/Viaduktstraße erneuert“, sagt Moritz Oehl, Pressesprecher der Stuttgart Netze. Dabei werden Mittelspannungs-, Niederspannungs- sowie Signalkabel neu verlegt. Die Baumaßnahmen umfassen eine Strecke von etwa 300 Metern, beginnen im Bereich der Hofener Straße und wandern in Richtung Voltasteg. Am 16. September haben laut Stuttgart Netze diese Arbeiten begonnen. „Mit der Erneuerung der Kabelinfrastruktur trägt die Stuttgart Netze zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und zur Verbesserung der Netzkapazität bei“, so der Unternehmenssprecher.
Umwege für Radler und Passanten
Allerdings lassen sich Beeinträchtigungen im Baustellenbereich nicht vermeiden. „Je nach Baufortschritt sind Rad- und Fußwege teilweise gesperrt – unabhängig von der geplanten Vollsperrung des Voltastegs“, so Moritz Oehl. Den genauen Zeitraum der Vollsperrung der Neckarbrücke stehe noch nicht fest, wird aber rechtzeitig bekannt gegeben. Fakt ist: Radfahrer und Fußgänger müssen gut ein Jahr lang Umleitungen über die Reinhold-Mayer-Brücke oder über den Mühlsteg in Kauf nehmen.
Zahlen und Fakten
Namensgeber
Benannt wurde die Brücke nach dem italienischen Physiker Alessandro Graf Volta (1745 – 1827). Er forschte auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre und erfand unter anderem das Elektrophor und den Kondensator. Nach ihm wurde auch die Maßeinheit der elektrischen Spannung (Volt) benannt.
Baujahr
Der Voltasteg wurde 1957 fertiggestellt und kostete damals 500 000 Mark. Er ist fast 100 Meter lang, die größte Stützweite beträgt 75 Meter.
Bauweise
Beim Voltasteg handelt es sich um eine sogenannte Schrägseilbrücke, deren Fahrbahnträger an schräg von einem oder mehreren Pylonen gespannten Seilen aufgehängt ist. Die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden ist die längste Schrägseilbrücke für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr.