Stuttgarts marode Brücken Wie sicher sind Stuttgarts Brücken?

Die marode Rosensteinbrücke wurde zurückgebaut und soll durch eine neue Neckarquerung ersetzt werden. Foto: Uli Nagel

Nach den jüngsten Ereignissen in Dresden betont das städtische Tiefbauamt: Die Instandhaltung von rund 300 Bauwerken genießt in der Landeshauptstadt eine hohe Aufmerksamkeit.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Wer die Bilder der teilweise eingestürzten Carolabrücke in Dresden sieht, über die nur wenige Stunden zuvor noch eine Straßenbahn fuhr, wird unweigerlich an die Rosensteinbrücke erinnert. Die rund 70 Jahre alte Neckarquerung war zwar nicht zusammengebrochen, musste jedoch im Mai 2022 für den Stadtbahn- und Kfz-Verkehr gesperrt werden. Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Stahlbetonkonstruktion statisch nicht mehr tragbar war, sodass das Tiefbauamt umgehend reagieren musste.

 

Auch die Wilhelmsbrücke ist marode

Das Problem: Die Rosensteinbrücke, die mittlerweile abgerissen wurde, ist kein Einzelfall in der Landeshauptstadt. So wurde nur wenige Monate nach der Sperrung der Rosensteinbrücke festgestellt, dass auch die benachbarte Wilhelmsbrücke abgerissen und ersetzt werden muss. Das gleiche Szenario droht auch bei der Aubrücke in Münster. Die Löwentorbrücke auf der Heilbronner Straße soll in einige Jahren ebenfalls erneuert werden und wurde vorerst im vergangenen Sommer generalsaniert.

Technikbürgermeister Dirk Thürnau und sein Tiefbauamts-Leiter Jürgen Mutz haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro in Brückensanierung und -neubau investiert werden muss. „Die Instandhaltung von Brücken ist eine wichtige Zukunftsaufgabe, damit die Mobilität in der Landeshauptstadt sicher und zukunftsfähig bleibt“, sagt Thürnau.

Das Tiefbauamt ist für rund 300 Brücken in der Landeshauptstadt zuständig. Mehr als die Hälfte dieser Bauwerke wurden zwischen 1950 und 1975 errichtet – allerdings mit Blick auf die damaligen Verkehrsbedingungen und Konstruktionsprinzipien. Doch beides hat sich seitdem gravierend verändert.

Lebensdauer von etwa 70 Jahren

Die meisten dieser Brücken wurden für eine Lebensdauer von etwa 70 Jahren entworfen. Das bedeutet, dass viele Bauwerke nun das Ende ihrer ursprünglich geplanten Nutzungsdauer erreicht oder bereits überschritten haben. Das führt laut Tiefbauamt – in Verbindung mit den gestiegenen Verkehrsbelastungen und den veränderten Umweltbedingungen – zu zunehmenden Schäden an den Brücken.

Nach dem Brückeneinsturz in Dresden betonen die Stuttgarter Experten in einer Pressemitteilung, dass bei der Instandhaltung der Bauwerke in Stuttgart nach Plan vorgegangen werde. Mit den regelmäßigen Überprüfungen der Bauwerke, die nach den Vorgaben der einschlägigen Richtlinien geschehen, können der Bauwerkszustand und die Entwicklungen der Schäden erfasst und bewertet werden. In manchen Fällen werden die Bauwerksprüfungen durch vertiefte Untersuchungen wie der Analyse von Materialproben ergänzt. Vor allem bei den älteren Bauwerken ist eine vollständige visuelle Erfassung der statisch relevanten Bauteile allerdings nicht immer möglich. Die Bewertung des Bauwerkszustands unterliegt, so das Tiefbauamt, damit einer gewissen Unschärfe.

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