InterviewStZ Magazin: Richy Müller und Lisa Bitter Eine Ermittlung in Sachen Mode

Von Gordon Detels 

Er ist der TV-Kommissar der Landeshauptstadt, sie hat mehrere Jahre in Stuttgart Theater gespielt und ist Teil des Ludwigshafener „Tatort“-Teams. Für das Stuttgarter Zeitung Magazin haben sich Richy Müller und Lisa Bitter nun auf eine modische Ermittlung begeben.

Lisa Bitter und Richy Müller im Einsatz für die Mode. Foto: StZ Magazin 5 Bilder
Lisa Bitter und Richy Müller im Einsatz für die Mode. Foto: StZ Magazin

Stuttgart - Es ist sonnig, aber kalt und windig an diesem Apriltag. Richy Müller und Lisa Bitter stört es nicht. Sie haben genug Außendrehs hinter sich. Und posieren lässig bei 10 Grad über null. Das Gespräch findet aber im Van statt – auf Wunsch des Interviewers.

 

War das heute sozusagen Ihr erstes Mal, modisch betrachtet?

Lisa Bitter: Ich erinnere mich grau, schon mal ein Modeshooting gehabt zu haben, aber nicht in dem Umfang.

Richy Müller: Ich habe früher viele Nacktfotos gemacht. Da musste man sich auf jeden Fall nicht so oft umziehen. Aber im Ernst: auch mein erstes Mal.

Aber verkleiden gehört bei Ihnen zum Job.

RM: Andauernd. Ich gehe morgens nur angezogen aus dem Haus, damit ich die Kleidung zehn Minuten wieder runterreiße, um mich umzuziehen.

LM: Aus- und anziehen, das können wir.

Dürfen Sie bei Ihren TV-Charakteren eigentlich mitentscheiden, was die Kleidung angeht?

LM: Ich versuche das beim „Tatort“ und sage immer laut und deutlich meine Meinung. Ob der Versuch aber was bringt, hängt ganz von der Person ab, die für die Kostüme zuständig ist.

Herr Müller, sind Sie ein bisschen neidisch, dass Ihr „Tatort“-Partner Felix Klare cooler angezogen ist als Ihr zerknautschter Kommissar Lannert?

RM: Nö, ich bin da ja nicht Richy Müller, sondern Thorsten Lannert. Und der sieht halt so aus. Man darf nie den Fehler machen, dass man den Privatgeschmack in die Arbeit einbringt, finde ich. Sonst dürfte ich ja nur noch Charaktere spielen, die mir vom Stil her gefallen. Das wäre langweilig.

Wie ist der denn, Ihr Stil?

RM: Ich bin wie erwähnt meistens nackt.

Wo uns gerade ein echter Polizist mit unserem Produktions-Van verscheucht hat, kommen wir doch zur TV-Polizei. Hier in der Nähe, in Baden-Baden, gibt es ja dieses „Tatort“-Haus, in dem die Büroszenen von drei verschiedenen „Tatort“-Regionen gedreht werden …

RM: … im obersten Stock sind die Stuttgarter Ermittler, im mittleren ist der Schwarzwald-„Tatort“, und im Erdgeschoss seid ihr ja, Lisa, Ludwigshafen.

Da läuft man sich doch bestimmt mal über den Weg, oder?

LB: Eben genau nicht, weil die Dreharbeiten nie parallel sind. Wir teilen uns ein Produktionsteam, und das kann nicht zwei „Tatorte“ auf einmal umsetzen.

Das heißt, vor heute kannten Sie sich nicht?

RM: Wir haben uns letzte Woche zufällig getroffen, aber das hatte nichts mit dem „Tatort“ zu tun. Da gibt es doch diesen Gag: „Warst du letztes Jahr in Tokio?“ „Nee, wieso?“ „Na dann müsstest du meinen Bruder kennen, der war auch nicht da.“

Vor ein paar Monaten gab es die Diskussion, der Dortmunder „Tatort“ bilde die Stadt nicht ab, sie komme viel zu kaputt und düster rüber. Ihre Meinung als Ex-Stuttgarterin zu Richy Müllers „Tatort“, Frau Bitter?

LM: Ich erkenne Stuttgart gut wieder. Aber ich finde auch, dass man durchaus mal dunkle Ecken zeigen kann und solche, die nicht so schön sind. Hey, es ist ein Krimi.

Wieso sind Sie eigentlich nach München gezogen?

LM: Das hatte private Gründe, an Stuttgart lag es nicht. Ich fahre immer noch sehr gerne hierhin und merke auch, dass mir die Stadt fehlt, wenn ich länger nicht dort war. Ich habe viele Freunde in Stuttgart, gehe gerne ins Theater.

Stichwort Theater: Fehlt Ihnen das als Fernsehschauspieler?

LM: Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Festengagement nicht so vermisse. Ensemblemitglied zu sein ist schon eine Aufgabe, auch eine körperliche. Jetzt, wo ich frei arbeite, kann ich mir auch Pausen gönnen.

RM: Ich spiele ja parallel Theater.

Ohne ginge nicht?

RM: Mit genug Geld auf der hohen Kante ginge es auch ganz ohne Arbeit. Scherz beiseite, ich mache das gerne, weil es eine ganz andere Art ist, den Beruf auszuüben. Theater ist gut für den Kopf. Da reicht es nicht wie beim Fernsehen, die abgedrehte Szene einfach zu vergessen.

Wenn ich richtig gerechnet habe, spielen Sie jetzt seit zehn Jahren den Kommissar Lannert, Herr Müller. Reicht es nicht irgendwann?

RM: Die erste Folge wurde schon 2007 gedreht, mittlerweile sind es 24. Aber ich fühle mich immer noch so, als hätte ich gerade erst angefangen. Es macht viel Spaß, auch weil die Stoffe so abwechslungsreich sind. Und, das darf man nicht vergessen, zwei feste Drehs pro Jahr sind eine Bank, finanziell. Ich habe 30 Jahre freiberuflich gearbeitet, und das war teilweise schon anstrengend, vor allem wenn man auch noch seine Kinder satt kriegen muss.

LB: Ich habe letztens zufällig festgestellt, dass ich auch schon ein kleines „Tatort“-Jubiläum habe: Ich habe gerade den zehnten Film gedreht. Und freue mich darauf, möglichst lange mit Ulrike Folkerts und den anderen im Team weiterzumachen.

RM: Irgendwann übernimmst du einfach ihre Rolle.

Ulrike Folkerts’ Rolle, ist schon wirklich lange dabei, dass sie sicher bald mal in Rente geht.

RM: Wobei Ulrike nicht die meisten „Tatort“-Folgen gedreht hat, das waren die Münchner Kollegen mit 84 Folgen seit 1991.

LM: Ulrike ist jetzt bei 70, aber sie ermittelt schon seit 1989. Darum ist ihr Charakter die dienstälteste Kommissarin.

Hand aufs Herz, Sonntag 20:15 Uhr: „Tatort“ oder Netflix und Co.?

LB: Ich komme aus einer Familie, wo „Tatort“ am Sonntag Tradition war, und die führe ich fort. Ich sitze pünktlich 20:15 Uhr vor dem Fernseher, Essen ist fertig, das Telefon wird anderthalb Stunden ignoriert.

RM: In Berlin gibt es ja sogar Public Viewing, wo sich junge Leute zum „Tatort“-Gucken treffen. Das ist unglaublich.

Und Sie, Herr Müller?

RM: Ich gucke ja kein Fernsehen.

 

Mit dem Gutscheincode „stzmagazin“ können Sie am Freitag, den 17. Mai, in der StZ ePaper App oder unter www.stuttgarter-zeitung.de/epaper die StZ samt Magazin kostenlos digital lesen.




Unsere Empfehlung für Sie