SWR Symphonieorchester in der Liederhalle Die mit der Geige tanzt

Isabelle Faust bei einem Konzert in Gmunden Foto: imago/Rudolf Gigler/imago stock&people

Isabelle Faust und das SWR Symphonieorchester begeistern im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle.

Sehr leise spielen zu können zählt nicht unbedingt zu den Eigenschaften, die von einem Geigensolisten in erster Linie erwartet werden. Im Gegenteil: hier gilt mehr der sogenannte „große“ Ton, der den Solisten befähigen soll, mit seinem Instrument auch noch innerhalb eines Orchestertuttis deutlich vernehmbar zu bleiben – was mit zunehmender Besetzungsgröße selbstredend immer schwieriger wird. Dass freilich gesteigerte Lautstärke nicht unbedingt mit größerer Expressivität einhergehen muss, im Gegenteil sich mittels dynamischer Zurücknahme eine schier unglaubliche Spannung erzeugen lässt, das konnte man beim Konzert des SWR Symphonieorchesters mit Isabelle Faust als Solistin exemplarisch erleben.

 

Auf dem Programm stand Beethovens Violinkonzert – kennt man, denkt man, auch den zweiten Satz, dieses ätherische, manchmal an ein Gebet erinnernde Larghetto. Was aber Isabelle Faust, in dieser Saison „Artist in Residence“ beim SWR Symphonieorchester, im Einklang mit dem finnischen Dirigenten Hannu Lintu in diesem Satz wagten, war schlicht einzigartig. Als gelte, es sich einer Art klingender Stille anzunähern, nahmen Solistin und Dirigent die Lautstärke immer weiter zurück, bis dann nur noch ein quasi entmaterialisierter Klang übrig blieb, der gleichwohl den gesamten Beethovensaal ausfüllte. Zum Atemanhalten. Und auch die Ecksätze hat man in solcher Ausdifferenzierung noch kaum einmal gehört. Jedes Motiv, jede Phrase war da konzis ausformuliert und mit Ausdruck geladen, kulminierend in einem vor Lebensfreude und Optimismus überbordenden Finale, in dem Isabelle Faust mit ihrer Geige gar zu tanzen schien.

Lintu, der Beethoven-Spezialist

Ansonsten wurden mit Busoni und Sibelius programmatisch zwei Leitlinien der aktuellen Saison weitergeführt. Ferrucio Busoni mit seiner „Berceuse Élegiaque“, einem bitter-melancholischen Epitaph auf seine verstorbene Mutter, von Hannu Lintu und dem bestens disponierten Orchester mit zarten Pastellfarben nachgezeichnet. Nach Erkki Melartins die sinfonischen Backen mächtig aufblasender, vom Orchester fulminant hingelegten Sinfonischen Dichtung „Traumgesicht“ dann die eher selten gespielte dritte Sinfonie von Jean Sibelius. In diesem eher neoklassizistisch geprägten Werk seines Landsmannes bewies Hannu Lintu dann wieder jene Qualitäten, die ihn schon bei Beethoven ausgezeichnet hatten: vor allem eine transparente und plastische, von organischem Atem getragene Durchgestaltung des sinfonischen Gewebes. Ein toller Abend insgesamt!

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