Helga Trunk und Hans Heubach aus dem Vorstand freuen sich: Der Unverpacktladen Tante Filda hat sich finanziell wieder etwas gefangen. Foto: Caroline Holowiecki
Vor einigen Monaten stand Tante Filda in Bernhausen kurz vor der Schließung, doch der Unverpackt-Laden hat sich berappelt. Sind die schwierigen Zeiten überwunden?
Caroline Holowiecki
24.03.2026 - 16:00 Uhr
Nein, es sah nicht danach aus, doch Tante Filda hat die Kurve gekriegt. Vor etwa neun Monaten hat der Unverpacktladen aus Bernhausen Alarm geschlagen. 2024 hatte Tante Filda mit einem Minus im niedrigen fünfstelligen Bereich abgeschlossen. Zu wenig Umsatz und gestiegene Betriebskosten hatten den genossenschaftlich organisierte Unverpacktladen in eine „sehr kritische Lage“ gebracht, wie es seinerzeit hieß. Sollte man nicht neue Einnahmequellen erschließen und die Kundenbasis deutlich erweitern, müsse man wohl Ende des Jahres die Reißleine ziehen – und zumachen.
Doch Tante Filda ist noch da. Seit Ende 2021 werden an der Fußgängerzone regionale und fair gehandelte Waren in Bioqualität aus Spendern und Gläsern verkauft, und die große Krise ist nun erst mal abgewendet. „Wir haben es übers Ehrenamt abgefangen“, erklärt Hans Heubach aus dem Vorstand. Schon immer läuft das meiste im Laden auf ehrenamtlicher Basis, und das Engagement wurde weiter hochgefahren. Gleichzeitig wurde einer von zwei geringfügig beschäftigten Personen gekündigt, um die Fixkosten zu drücken. Und auch die Stammkundschaft habe nach der Nachricht, dass der Laden auf der Kippe steht, „ziemlich mobilisiert“, sagt Hans Heubach, zuletzt habe man dadurch etwa zehn Prozent mehr Kundschaft begrüßen können und etwas mehr als 12 Prozent mehr Umsatz gemacht. 2025 lag dadurch das Minus laut Hans Heubach am Jahresende bei nur noch 450 Euro. „Wir hatten ein Plus von fast 10 000 Euro, wenn man den Warenbestand einrechnet“, sagt er. Der Rohertrag gehe langsam, aber stetig nach oben.
Der Filderstädter Laden ist einer der letzten verbliebenen
Faktisch ist der Filderstädter Unverpacktladen neben den Pendants in Nürtingen und Stuttgart-West einer der letzten verbliebenen weit und breit. Nach dem Boom in den Jahren vor der Pandemie haben viele Geschäfte mittlerweile wieder geschlossen, ob Sillenbuch, Plieningen, Ludwigsburg oder Reutlingen. Die Zahl ist bundesweit auf etwa 170 geschrumpft – 136 Mitgliedsläden zählt der Unverpackt-Verband, hinzu kommen Läden ohne Mitgliedschaft –, im Jahr 2022 waren es noch 343 Mitgliedsläden gewesen. Bei Tante Filda sieht man diese Entwicklung mit Unbehagen. Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Plastikvermeidung, diese Themen seien deutlich in den Hintergrund geraten. „Die Politik interessiert sich nicht mehr dafür, auf breiter Ebene spielt es keine Rolle mehr, was echt schlimm ist“, sagt Hans Heubach. „Die wirtschaftliche Situation trägt allgemein dazu bei“, fügt seine Vorstandskollegin Helga Trunk hinzu.
Unverpacktladen in Filderstadt braucht mehr Kunden und Ehrenamtliche
Bei Tante Filda versucht man, sich nicht von den verschlechterten Rahmenbedingungen beirren zu lassen. Immer wieder neue regionale Produkte sollen die Menschen begeistern. „Wir sind da und wollen dabei bleiben“, betont Hans Heubach. Das Team – etwa 220 Genossenschaftsmitglieder sind es – hoffe auf mehr Menschen, die zum Einkaufen kommen, außerdem auf weitere Ehrenamtliche, die sich einbringen wollen. Da zuletzt einige tatkräftige Personen weggebrochen sind, ist aktuell wieder eine feste 20-Stunden-Stelle ausgeschrieben. Das heißt, dass perspektivisch auch die Personalkosten wieder steigen werden. Hans Heubach resümiert: „Aus dem Gröbsten sind wir nicht raus. Wir brauchen mehr Kundschaft.“