Tanzschulen in Stuttgart Mal wieder tanzen gehen? Welche Trends gerade angesagt sind

Andreas Schubert in seiner Schule Joydance bei einem Tanzkursabend Foto: Marta Popowska

Von Walzer bis Bachata: Das Tanzschulangebot in Stuttgart wandelt sich. Während einige auf Klassiker setzen, eröffnen andere moderne Schulen mit Salsa und Hip-Hop. Das bieten Tanzschulen in Stuttgart an.

„Eins, zwei, drei, seit, vorbei und Abschlussschritt“, diktiert Andreas Schubert, und gut 20 Fußpaare versuchen zu folgen. Es ist ein Tango, den der Tanzlehrer anstimmt, erst ohne Musik, dann drückt Schubert an der Musikanlage auf Play und ein passender Rhythmus erklingt. Die klassische Tanzstunde scheint hier auf jeden Fall noch gefragt zu sein. Doch Tanzschulen sind längst im Wandel und auch in Stuttgart findet man so manche, die gar keine Standardtänze mehr anbieten.

 

Auf manche wirken sie angestaubt, doch andere haben eine riesige Freude daran. Andreas Schubert glaubt an die Klassiker und legt darauf den Fokus in seiner neu eröffneten Tanzschule Joydance in Zuffenhausen. Paare zwischen Anfang 20 und dem Rentenalter lernen bei ihm Standardtänze wie Tango und Wiener Walzer, aber auch Lateintänze wie Rumba und Cha-Cha-Cha. „Mit dem ganz Klassischen hebe ich mich ab“, sagt der 38-Jährige, der als Teenager mit dem Tanzen begonnen hat.

„Der Gesellschaftstanz als Social Dance wird beliebter“

Die Motivation seiner Schülerinnen und Schüler sei unterschiedlich. „Die meisten machen das, um zusammen zu tanzen und ihre Freizeit zu genießen“, sagt er. Aber auch Hochzeitspaare wollen auf ihrem großen Fest souverän übers Parkett schweben. So wie Meike Göricke und Maximilian Kirsch. „Wir wollten für die Hochzeit erst nur einen Crash-Kurs machen“, sagt Meike Göricke. Nun tanzen sie regelmäßig bei Joydance. „Ich hatte erst Bedenken, aber wenn man richtig drin ist, macht es Spaß. Es ist auch ein Hobby, das man wirklich gemeinsam macht“, sagt Maximilian Kirsch.

Trends kommen und gehen, auch im Tanzen. Zwar gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen leichten Rückgang bei der Zahl der klassischen Tanzschulen. Doch es haben sich viele neue Trends entwickelt. Tanzschulen teilen sich nicht mehr wie im Tanzsport üblich in zwei Sektionen wie Standard und Latein auf. Denn die Menschen tanzen heute zum eigenen Vergnügen und aus Geselligkeit. „Die Gesellschaftstänze in sportlicher Form rücken in den Hintergrund, der Gesellschaftstanz als Social Dance wird beliebter. Der Trend geht zu Social Dances wie Salsa, Bachata, Tango Argentino und West Coast Swing“, erklärt Heidi Schumacher vom Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV). Die Anforderungen des freien Marktes hätten Tanzschulen vielerorts zu modernen Freizeitdienstleistern gemacht und seien oft nicht mehr mit Tanzschulen wie vor 20 Jahren zu vergleichen. „Es gilt, den Spagat zwischen Tradition und Moderne zu schaffen“, sagt Heidi Schumacher.

Bachata kommt aus der Dominikanischen Republik

In Naida Andrea Bleiles Tanzschule sucht man Standardtänze vergebens. Im November 2023 hat sie mit Indeependance eine moderne Schule eröffnet, in der Bachata, Salsa Cubana und Kizomba, aber auch Hip-Hop für Kinder und Jugendliche gelehrt wird. „Vor allem Bachata ist aktuell sehr nachgefragt“, sagt Bleile. Der Tanz stammt aus der Dominikanischen Republik und wird in der traditionellen Form und dem jüngeren, sinnlicheren Bachata Sensual getanzt. Bleile hat beides im Programm. „Ich denke, er ist so beliebt, weil es ästhetisch aussieht und Frauen sich auch sinnlich zeigen können. Die gesellschaftlichen Rollen haben sich so stark verändert. In den Kursen stelle ich fest, dass Männer Schwierigkeiten beim Führen haben und Frauen Probleme beim Folgen“, sagt sie. Beim Tanzen könne man sich darauf einlassen. Gleichzeitig habe man beim Bachata aber auch viel Freiheit in den Bewegungen verglichen mit gängigen Standardtänzen. In Kursen für Frauen- beziehungsweise Männerbewegung kann man das trainieren.

Die Altersspanne ihrer Schülerinnen ist groß. „Die Jüngsten in den Hip-Hop-Kursen sind fünf Jahre alt, aber es gibt auch Menschen über 70, die Bachata Sensual tanzen“, sagt sie. Für letzteren gibt es eigens Seniorenkurse. Und wer seine Hochzeitsfeier statt mit einem Walzer lieber mit einer Salsaeinlage eröffnen möchte, findet auch dafür einen Schnellkurs.

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