Verdi verschärft in der Tarifrunde die Gangart. Die Gewerkschaft ruft in der zweiten Wochenhälfte insbesondere in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdiensten zu Warnstreiks auf – auch im Großraum Stuttgart.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes mit Bund und Kommunen ruft die Gewerkschaft Verdi in der zweiten Wochenhälfte zu Warnstreiks insbesondere im Gesundheitswesen sowie im Sozial- und Erziehungsdienst auf.

 

Im Rahmen bundesweiter Aktionen in kommunalen Gesundheitseinrichtungen sollen in Baden-Württemberg Arbeitsniederlegungen in 20 Kliniken stattfinden. Konkret ist das Klinikum Stuttgart am Donnerstag und Freitag betroffen – ferner an beiden Tagen der Klinikverbund Südwest (mit Häusern in Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen), zudem die Regionalkliniken Holding Ludwigsburg, Bietigheim und die Orthopädische Klinik Markgröningen. Außerdem sind die Rems-Murr-Kliniken Schorndorf und Winnenden tangiert. Am Freitag wird der Protest auch in den Diakonischen Einrichtungen in Stuttgart sichtbar sein.

In all den Einrichtungen seien Notdienstvereinbarungen abgeschlossen worden, teilt Verdi mit. Die Gewerkschaft rechnet aufgrund der zweitägigen Warnstreiks damit, dass es zu OP- und Bettenschließungen kommt.

Auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes finden diese Woche weitere Warnstreiks statt. Bekannt ist bisher ein Streik im Stuttgarter Sozial- und Erziehungsdienst am Freitag. Mithin sind erneut die Kindertagesstätten und Schülerhäuser der Landeshauptstadt wieder davon betroffen. Weil in den Berufen des Gesundheitswesens sowie des Sozial- und Erziehungsdienstes vor allem Frauen arbeiten, werden auch der Equal-Pay-Day am Freitag sowie – im Vorgriff darauf – der Weltfrauentag am Samstag zum Anlass für diese Streikwelle genommen.

„Komplette Blockade“ der Arbeitgeber am Verhandlungstisch beklagt

Die Tarifverhandlungen gehen vom 14. bis 16. März in Potsdam weiter, dann schon in der dritten Runde. Verdi begründet ihren neuerlichen Streikaufruf auch mit der „kompletten Blockade der Arbeitgeber“ am Verhandlungstisch bei allen Regelungen zu Zeit- und Qualitätsfragen. Verbunden mit dem Wunsch der Gegenseite nach einer Tarifvertragslaufzeit von 36 Monaten wird eine „Fortschreibung der permanenten Überlastung bis Anfang 2028“ befürchtet.

Speziell in Krankenhäusern will Verdi unter anderem bezahlte Pausen in Wechselschicht, wie sie in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes üblich sind, sowie eine bessere Eingruppierung von Hebammen und eine höhere Vergütung von Praxisanleiterinnen durchsetzen. Im kommunalen Rettungsdienst soll die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 auf 42 Stunden reduziert werden. In Baden-Württemberg will die Gewerkschaft wie in allen anderen Ländern die 38,5-Stunden-Woche erreichen.