Bargeld gegen Gutscheine: Im Ludwigsburger Demoz startet eine Tauschaktion für Geflüchtete. Die Initiatoren stellen sich damit gegen die Bezahlkarte und ihr Bargeld-Limit.
Am Samstagvormittag zerschneiden im Demokratischen Zentrum (Demoz) in der Wilhelmstraße in Ludwigsburg mehrere Ventilatoren die warme Luft. Es gibt Kuchen, an kleinen Tischen sitzen Leute und unterhalten sich. Auf einem großen Banner, der vor dem Fenster hängt, steht: „Gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Repression“.
Es ist die erste Tauschaktion für Bezahlkarten-Besitzer. Wohl wissend, dass im Kreis Ludwigsburg bis Anfang August erst etwas mehr als 400 Bezahlkarten ausgegeben wurden, haben sich mehrere Einzelpersonen zusammengefunden. Sie wollen Geflüchteten die Möglichkeit verschaffen, an mehr Bargeld zu kommen – und ihnen damit ein Stück finanzielle Selbstbestimmung zurückgeben.
„Im besten Fall entsteht darüber hinaus ein Kontakt“
Die Ampel-Koalition hat im April 2024 die Einführung einer Bezahlkarte beschlossen. Ausgegeben werden sollen die guthabenbasierten Debitkarten an alle volljährigen Menschen, die gemäß Asylbewerberleistungsgesetz staatliche Hilfe bekommen. „Den Behörden spart die Karte Bürokratie. Und sie verhindert, dass Geld an Schleuser geht“, sagte die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Wollen die Geflüchteten Geld überweisen oder ein Lastschriftmandat einrichten, müssen sie die Zahlungsempfänger freigegeben lassen. In den meisten Bundesländern – so auch in Baden-Württemberg – können sie mit der Karte maximal 50 Euro Bargeld im Monat abheben. Flüchtlingsinitiativen und Privatpersonen rufen deshalb in vielen Bundesländern zu Tauschaktionen auf, um das Bargeldlimit zu umgehen.
Diese laufen folgendermaßen ab: Geflüchtete kaufen mit ihrer Bezahlkarte Gutscheine in Geschäften beispielsweise in Supermärkten und tauschen diese gegen Bargeld ein. In Ludwigsburg kommt das Bargeld bislang über Spenden zusammen – die Ideallösung wäre aber, dass sich bei den Tauschaktionen Menschen finden, die dann untereinander privat Gutscheine gegen Bargeld eintauschen. „Im besten Fall entsteht darüber hinaus ein Kontakt und sie können auch über andere Themen sprechen“, erklärt ein Ehrenamtlicher in Ludwigsburg.
Kritik: Bezahlkarte sei stigmatisierend
Auch wenn die Veranstalter versuchen, mit der Tauschaktion die Situation für Geflüchtete zu verbessern – in ihren Augen gehört die Bezahlkarte wieder abgeschafft. „Sie ist bevormundend“, sagt Lisa, die nur mit Vornamen genannt werden will. „Das sind erwachsene Menschen, die selbst über ihr Geld verfügen sollten.“
„Ein Ziel der Bezahlkarte ist es, dass sie kein Geld nach Hause schicken, in der Annahme, dass dort schon drei Söhne oder Geschwister warten, die damit Schlepper bezahlen“, sagt Monika Schittenhelm, Ehrenamtliche im Arbeitskreis Asyl. Tatsächlich bleibe den Geflüchteten aber wenig Geld, das sie ihren Familien schicken können – und das werde vielmehr für die alltäglichen Dinge genutzt: Lebensmittel, Schulhefte, ein kaputtes Autoteil. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) schicken nur sieben Prozent der Geflüchteten Geld aus Deutschland ins Ausland – Tendenz sinkend.
Bei der ersten Tauschaktion ist es noch ruhig. Zwar kommen einige, die Bargeld spenden oder tauschen wollen – aber nur wenige Geflüchtete finden ihren Weg ins Demoz. „Die Menschen sind teilweise erst wenige Monate hier. Da ist die Hemmschwelle herzukommen hoch“, sagt Monika Schittenhelm. Die Hoffnung: dass sich die monatliche Aktion herumspricht und Vertrauen aufbaut. Am 20. September findet die nächste Tauschaktion statt.