Teenager über ihre Bildschirmzeit „Fünf Stunden am Handy sind echt krass lang“

Ohne Smartphone und Tablet ist für viele Jugendliche ihr Leben undenkbar. Foto: KI/Midjourney/Sebastian Ruckaberle

Drei Jugendliche haben dokumentiert, wie lange und wofür sie ihr Smartphone oder Tablet nutzen. Zu welchen Ergebnissen sie gekommen sind und was sie über sich selbst gelernt haben.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

In Deutschland kommen 15-Jährige im Schnitt auf eine Handyzeit von 48 Stunden in der Woche. Fast drei Viertel der 15-Jährigen verbringen pro Schultag mehr als zwei Stunden nur zu Vergnügungszwecken am Bildschirm. Diese Daten stammen aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2025.

 

Sie sind besorgniserregend. Zwar seien die gesundheitlichen Folgen eines hohen Medienkonsums noch nicht hinreichend erforscht, so die Autoren der Studie. Viele Wissenschaftler sehen aber einen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und physischen sowie psychischen Problemen.

„Die Gesamthandyzeit erschreckt einen“

Auch Mika ist mehrere Stunden täglich am Handy – , obwohl er mit Schule und Verein gut beschäftigt ist. Der 16-Jährige besucht die zehnte Klasse eines Gymnasiums. In seiner Freizeit spielt er Handball und trainiert eine Kinder-Mannschaft. Für unsere Zeitung hat er seine Bildschirmzeit an einem Schultag und einem schulfreien Tag dokumentiert.

  • An dem Schultag waren es zwei Stunden und 40 Minuten.
  • An dem schulfreien Tag waren es fünf Stunden und 10 Minuten.

„Die Gesamthandyzeit erschreckt einen“, räumt Mika ein. Doch aus Sicht des Jugendlichen ist es entscheidend, was man mit dem Handy macht. „Wenn ich schaue, wofür ich es genutzt habe, ist es okay für mich.“

An dem schulfreien Tag habe er zweieinhalb Stunden via Whatsapp mit Freunden Mathe gelernt. Zudem spiele Fußball bei ihm eine entscheidende Rolle. An beiden Tagen verfolgte er am Bildschirm jeweils für etwa anderthalb Stunde aktuelle Spiele und die „Sportschau“. Zudem mag er das Strategiespiel Kickbase, bei dem man eine Mannschaft manage. An beiden Tagen zusammen verwendete er dafür 45 Minuten. Es sei ein sinnvolles Spiel, weil man nicht „daddele“, sondern denken müsse. „Diese Nutzungen sehe ich nicht als kritisch an“, sagt Mika.

Der 16-Jährige ist froh, dass er nicht so viel Zeit mit Social Media verbringt. „Meine Eltern sind dem gegenüber sehr negativ eingestellt“, sagt Mika. Seine Instagram-Zeit sei auf 30 Minuten täglich beschränkt. „Wahrscheinlich würde ich es mehr nutzen, wenn ich keine Regelung hätte“, gibt er zu.

Mika denkt darüber nach, seine Bildschirmzeit generell etwas zu senken. „Vielleicht wäre das gut“, überlegt er. Denn am Ende des Tages fühle er sich besser, wenn er ein bisschen aktiv gewesen sei und nicht mehrere Stunden vor einem Gerät zugebracht habe.

Magdalena findet, dass ihr das Tablet „wirklich weiterhilft“. Foto: privat

„Ich habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen ist“

Auch Magdalena wollte genau wissen, wie viel Zeit sie am Bildschirm verbringt. Das Ergebnis: „Extrem viel, ich war wirklich überrascht“, sagt die 17-Jährige.

  • An dem Schultag waren es sieben Stunden und zehn Minuten.
  • An dem schulfreien Tag waren es fünf Stunden und 40 Minuten.

„Doch die meiste Zeit habe ich auf schulische Dinge verwandt“, sagt Magdalena. So habe sie an dem Schultag drei Stunden lang über eine App für die theoretische Führerscheinprüfung gelernt. Erschreckend sei aber: „Ich habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen ist.“

Zudem nutzt Magdalena ihr Tablet im Unterricht. Sie ist in der elften Klasse, da sind digitale Aufschriebe an den meisten Schulen erlaubt. Zweieinhalb Stunden lang arbeitete Magdalena mit dem Programm Good Notes. „Das ist wie ein digitaler Block“, erklärt die Gymnasiastin. „Bei mir sind es pro Kurs vielleicht drei bis fünf Mädchen und Jungen, die in der Schule noch mit Papier arbeiten. Ich finde, man ist benachteiligt, wenn man kein Tablet hat, etwa beim Präsentieren der Hausaufgaben.“ Auch Power Point nutzte Magdalena an jenem Tag etwa 30 Minuten lang für schulische Zwecke.

Auch an dem schulfreien Tag nutzte Magdalena ihr Tablet mehr als vier Stunden, um zu lernen. Sie schaute Aufschriebe durch, machte Hausaufgaben und bereitete sich auf eine Mathearbeit vor. Dafür nutzte sie Knowunity, eine Plattform, die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet, und schaute über den Browser Safari Lernvideos. In Sozialen Netzwerken ist Magdalena selten unterwegs. An beiden Tagen zusammen waren es 45 Minuten für Instagram, 25 Minuten für Whatsapp. Hinzu kommen 45 Minuten für die Video-Plattform Youtube und 30 Minuten für die Second-Hand-Plattform Vinted.

Magdalena findet nicht, dass sie bezüglich ihrer Medienzeit etwas ändern muss. Sie nutze das Tablet gern für die Schule – „weil es mir da wirklich weiterhilft“. Aber natürlich surfe sie manchmal auch im Internet – einfach nur, um sich zu entspannen.

„Manchmal habe ich das Gefühl, nicht auf dem neuesten Stand zu sein“

Louisa nutzt ihr Handy bisher nur in der Freizeit. Foto: privat

Louisa ist erst 13 Jahre alt. Seit der fünften Klasse hat sie ein eigenes Handy, das sie bisher nur in der Freizeit nutzt. Auch sie hat dokumentiert, wie lange sie am Bildschirm ist.

  • Am Schultag: knapp zwei Stunden.
  • Am schulfreien Tag: drei Stunden.

Die meiste Zeit verwendet Louisa für Whatsapp. An den beiden Tagen waren es zusammen zweieinhalb Stunden. Auf dem Handy schaut sie auch Netflix. An dem schulfreien Tag waren es 90 Minuten. Sie schaut eine Familienserie, auf Englisch. „Da ist dann schon ein kleiner Lerneffekt dabei“, findet sie. Auch auf der Videoplattform Youtube ist Louisa gerne mal für zehn bis 15 Minuten unterwegs.

„Es gibt auch Tage, an denen ich länger am Handy bin“, erzählt die Schülerin. Im Grunde sei sie ganz zufrieden damit, wie lange und wofür sie das Gerät nutze. „Aber klar, wenn ich an einem Tag mal fünf Stunden am Handy war, dann ist das echt krass lang.“ Louisas Eltern beschränken die Nutzungsdauer mancher Apps. „Doch wenn ich nachfrage, bekomme ich meist noch ein bisschen Zeit dazu.“ Am häufigsten frage sie nach mehr Zeit für Whatsapp. In den Sozialen Netzwerken ist Louisa noch nicht unterwegs – weil ihre Eltern das nicht wollen. „Snapchat hätte ich gerne. Viele meiner Freunde nutzen es. Manchmal habe ich das Gefühl, nicht auf dem neuesten Stand zu sein.“ Aber irgendwie sei sie auch dankbar, dass „meine Eltern beim Thema Handy ein bisschen strenger mit mir sind“.

Die Bildschirmzeit der drei Jugendlichen im Überblick

Mika
Der 16-Jährige hatte an dem Schultag eine Bildschirmzeit von zwei Stunden und 40 Minuten. Eine Stunde lang schaute er Fußball und 30 Minuten lang die „Sportschau“, 25 Minuten nutzte er für Instagram, 20 Minuten für Whatsapp, 15 Minuten für das Spiel Kickbase und zehn Minuten für weitere Online-Spiele. An dem schulfreien Tag betrug die Bildschirmzeit fünf Stunden und zehn Minuten. Auch an diesem Tag schaute Mika eine Stunde lang Fußball und 20 Minuten lang die „Sportschau“. Zweieinhalb Stunden war er auf Whatsapp, je 30 Minuten nutzte er für Kickbase und Instagram, weitere 20 Minuten für verschiedene Kleinigkeiten.

Magdalena
Die 17-Jährige hatte an dem Schultag eine Bildschirmzeit von sieben Stunden und zehn Minuten. Drei Stunden lang nutzte sie eine Fahrschul-App, zweieinhalb Stunden lang den digitalen Block Good Notes und eine halbe Stunde lang Power Point. 45 Minuten lang war sie auf Instagram, 15 Minuten lang auf Whatsapp. An dem schulfreien Tag hatte Magdalena eine Bildschirmzeit von fünf Stunden und 40 Minuten. 90 Minuten lang nutzte sie Good Notes, 80 Minuten den Browser Safari und 75 Minuten Knowunity. Zudem war sie 45 Minuten bei Youtube, 30 Minuten bei Vinted und zehn Minuten bei Whatsapp. Hinzu kamen an beiden Tagen noch Kleinigkeiten.

Louisa Die 16-Jährige hatte an dem Schultag eine Bildschirmzeit von knapp zwei Stunden. Davon verwendete sie anderthalb Stunden für Whatsapp und zehn Minuten für Youtube. An dem schulfreien Tag hatte Louisa eine Bildschirmzeit von drei Stunden. Anderthalb Stunden lang schaute sie Netflix, eine Stunde lang war sie auf Whatsapp und 15 Minuten auf Youtube. Hinzu kamen an beiden Tagen kleinere Nutzungen.

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