Mit Schockanrufen oder als falsche Polizeibeamte wollen Betrüger ans Vermögen älterer Personen kommen. Dabei können sie inzwischen auch mit Künstlicher Intelligenz arbeiten.
Künstliche Intelligenz wird in vielen Lebensbereichen als große Hilfe und Unterstützung gefeiert. Doch immer häufiger werden auch die Schattenseiten der digitalen – vermeintlich – intelligenten Helferlein bekannt. So auch dieser Aspekt: Es soll inzwischen Betrügern schon gelungen sein, Künstliche Intelligenz (KI) zur Sprachsimulation für Anrufe mit kriminellen Absichten einzusetzen.
Das funktioniert so: Wie bei den klassischen Fällen hört der oder die angerufene eine Stimme einer Person, die vorgaukelt, jemand Bekanntes oder Verwandtes zu sein. Mit einem Unterschied: Nutzen die Tatpersonen digitale Unterstützung aus dem KI-Bereich, dann können sie aufgrund kleiner Sprachaufnahmen Stimmen täuschend echt nachmachen. Es bedarf lediglich der Aufnahme weniger gesprochener Wörter, auf deren Grundlage dann der sogenannte Deepfake – die Nachahmung – errechnet wird. Die Kriminellen, die sich dieser Technik bedienen, lassen dann die Computerstimme zum Beispiel die Geschichte vom schweren Autounfall des Enkelkinds erzählen, mit der sie dann den überwiegend lebensälteren Opfern Geld entlocken wollen.
Keine KI-Fälle in Baden-Württemberg: Enkeltrick und Co. im Fokus
Die Sicherheitsbehörden sind zwar alarmiert ob aller Entwicklungen beim Anrufbetrug. Aber in einem Punkt können sie noch entwarnen: „In Baden-Württemberg ist kein Fall aktenkundig geworden, bei dem Nachweislich durch die Telefonbetrüger KI zur Tatbegehung eingesetzt worden ist“, teilt die Pressesprecherin Nadine Hell vom Landeskriminalamt mit. Zu den Betrugsformen gehören die Maschen Schockanruf, falscher Polizeibeamter oder Enkeltrick.
Eine Entwarnung bei den genannten Delikten bedeutet das jedoch keinesfalls. Es wird – nach einem Rückgang im vergangenen Jahr – wieder schlimmer: Genaue Fallzahlen kann das LKA noch nicht veröffentlichen, da die Statistik erst nach dem Ende des Jahres erstellt werden darf. Jedoch gibt die Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung einen Trend preis: „Gegenüber dem Vorjahr erwarten wir mit heutigem Stand einen deutlichen Fallzahlen- und Schadensanstieg“, sagt sie. 2024 war die Zahl gegenüber 2023 um circa 17 Prozent auf 8780 Fälle. Dabei wurde jedoch ein Schaden von mehr als 18 Millionen Euro verursacht. Das steht im Sicherheitsbericht des Innenministeriums Baden-Württemberg für 2024.
Diesen Tipp gibt die Polizei potenziellen Opfern von Trickbetrügern
Das LKA hat auch Tipps für potenzielle Opfer. Man solle sich zum Beispiel ein Kennwort überlegen, dass man nur durch eine in der Familie bekannte Frage herausbekommen kann. Damit könne man echte Familienmitglieder identifizieren – denn das kann die beste KI nicht imitieren. Und wenn die – vermeintliche – Schreckensnachricht noch so schockierend und schlimm ist, so solle man sich immer bei Verwandten rückversichern, ob die erzählte Geschichte sein kann.
Der Anzeige auf dem Telefon-Display dürfe man niemals trauen: Die Betrüger können am Computer die Anzeige steuern. Auch solle man niemals die Rückruftaste drücken, wenn man beim Verdacht auf einen falschen Polizeibeamten die echte Polizei rufen will. Auf jeden Fall solle man auflegen und erst danach frisch die Notrufnummer 110 eingeben. Niemals solle man am Telefon über persönliche Vermögensverhältnisse sprechen.
Auf gar keinen Fall soll man Menschen, die man nicht kennt, Geld oder Wertsachen übergeben. Grundsätzlich sei es immer verdächtig, wenn jemand am Telefon nach Geld fragt. Im Zweifelsfall ist die beste Methode immer noch das Auflegen. Die echte Polizei nimmt zudem niemals Wertsachen entgegen. Im Fall einer Überweisung, die man auf Veranlassung von Betrügern eventuell getätigt haben könnte, solle man sofort beim geringsten Zweifel die Bank kontaktieren. Denn: „Ob die Bank das Geld noch zurückholen kann, ist oft eine Frage von wenigen Minuten“, informiert das Landeskriminalamt.