Tennis-Bundesliga vor dem Start TEC Waldau kämpft mit French-Open-Siegerin für die nächste Nichtabstiegsparty

Neu dabei auf der Waldau: das Toptalent Eva Bennemann. Foto: Baumann/Julia Rahn

Sechs Spielzeiten in Folge mussten die Degerlocherinnen bis zum letzten Spieltag bangen. Und dieses Mal? Unter den Zugängen ragt eine Akteurin heraus. Heimauftakt ist am Sonntag.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Hält das Gesetz der Serie, dann können sich die Tennis-Bundesligaspielerinnen des TEC Waldau einen Termin im Kalender schon einmal dick anstreichen. Dann wird es diesmal am 7. Juni so weit sein: Endspiel um den Klassenverbleib – und anschließend die große Nichtabstiegsparty. An besagtem Sonntag ist heuer der letzte Spieltag, und in den vergangenen sechs Wettbewerbsjahren war es ohne Ausnahme ein jedes Mal so: Die Degerlocherinnen haben den Nervenkitzel auf die Spitze getrieben. Krimi-Zeit auf der Waldau. Jeweilige Rettung erst ganz am Schluss. Folgt nun der siebte Teil? Bleiben die „Unabsteigbaren“ auch diesmal ihrer Linie treu?

 

Fakt ist: An diesem Freitag beginnt die neue Mannschaftssaison, und einiges deutet darauf hin, dass es abermals eine knifflige Angelegenheit wird. Oder, um es mit Thomas Bürkle zu sagen: „Eine Wundertüte.“ „Sehr schön wäre es, wenn wir einmal etwas früher auf der sicheren Seite wären“, sagt der Teammanager, weiß aber: „Einen Gegner, von dem man sagen könnte, da gewinnt man in jedem Fall, gibt es nicht. Die Liga ist komplett offen und ausgeglichener als bisher.“ Zumindest, wenn man die beiden mutmaßlichen Überteams einmal beiseite lässt: Als Topfavoriten starten erneut der vor Jahresfrist etwas überraschend entthronte Serienmeister TC Bredeney und der Titelverteidiger Blau-Weiß Aachen.

Dahinter aber? Nichts scheint unmöglich – im Guten wie im Schlechten. Vieles wird aus Sicht Bürkles „tagesformabhängig“ sein. Und: ebenso abhängig davon, wer für wen zum Schläger greift. Gemeldete Kaderlisten sind dabei das eine, tatsächlich eingesetzte Akteurinnen etwas anderes. Nicht nur auf der Waldau ist es ein wöchentlicher Abwägungsprozess unter sowohl sportlichen als auch finanziellen Faktoren. Sprich: Den Einsatz welcher Spielerinnen will man sich gegen welchen Gegner leisten? „Das Budget“, sagt Bürkle, „ist da natürlich nicht unbegrenzt.“ Im Geldranking dürften er und die Seinen mit einem Etat von etwa 100 000 Euro erneut zu den Hinterbänklern gehören. Bürkles Schätzung: „Was wir für die ganze Saison haben, gibt Bredeney wahrscheinlich an zwei Spieltagen aus.“

Doch ist die Waldau-Philosophie in puncto Personal eh schon lange eine andere als beim größeren Teil der Konkurrenz: Festhalten will der Club von der Jahnstraße auch in diesem Jahr an seinem „Stuttgarter Weg“. Als eigene Faustformel gilt unverändert ein „3:3“. Will heißen: Im Regelfall sollen pro Begegnung nur drei ausländische Akteurinnen zum Einsatz kommen – und drei Startplätze an einheimische Kräfte gehen. Bevorzugtes Kriterium dabei: jung, aufstrebend, talentiert. Ein Raster, in das auch der interessanteste aktuelle Neuzugang passt.

Eva Bennemann kommt als amtierende French-Open-Gewinnerin im Doppel der Juniorinnen. Die Dortmunderin, Abiturientin mit Traumnote 0,8, gilt als eine der größten Nachwuchshoffnungen des Deutschen Tennis-Bunds. „Wir sind stolz darauf, dass sie sich für uns entschieden hat und nicht für Bredeney, Aachen oder Heidelberg“, sagt Bürkle. Auf der Waldau will Bennemann Erfahrung für den nächsten Schritt ihrer inzwischen eingeschlagenen Profikarriere sammeln, nachdem ihr in der Weltrangliste innerhalb weniger Monate ein raketenähnlicher Aufstieg um 400 Plätze gelungen ist. Aktuell steht sie auf Rang 336.

Auch Victoria Pohle gilt als Fixgröße im Stuttgarter Aufgebot. Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Bennemann und die verbliebene zweifache deutsche Junioren-Meisterin Victoria Pohle – es sind dies zwei 18-Jährige, denen die Zukunft gehören soll. Und die Bürkle in der Gegenwart als Fixgrößen seiner Mannschaft sieht. Drumherum ist er fürs anstehende Berlin-Wochenende noch am finalen Tüfteln und Bauen. Zum Auftakt bekommen es die Degerlocherinnen mit den beiden Hauptstadtvereinen der Liga zu tun. Am Freitag auswärts beim LTTC Rot-Weiß, am Sonntag zuhause gegen den Aufsteiger Tennis-Club SCC (jeweils 11 Uhr).

An der Spitzenposition ist für beide Partien die Tschechin Linda Fruhvirtova vorgesehen. Nicht zur Verfügung stehen deren Landsfrau Nikola Bartunkova und die Slowenin Veronika Erjavec. Sie schlagen von Montag an beim Masters in Rom auf – ein vorheriger Stuttgart-Abstecher hätte nicht in ihren Fahrplan gepasst. Bei einer anderen sind die Chancen gering, dass sie überhaupt einmal einfliegen wird: Die Doppel-Weltranglistenzweite Katarina Siniakova steht wie gehabt wohl eher nur pro forma an erster Stelle der Waldau-Liste.

An Bürkles Start-Vorgabe ändert dies indes nichts. Seine Hoffnung lautet: „Mindestens ein Sieg aus den ersten zwei Begegnungen, damit wir nicht gleich erneut mit dem Rücken zur Wand stehen.“ Und auf dass sich nicht jetzt schon wieder Altbekanntes abzeichnet. Stichwort 7. Juni. Was Bürkle generell zuversichtlich stimmt: „Wir haben einen super Vibe in der Mannschaft, einen tollen Teamgeist. Und, ja, nicht zuletzt und nicht zu vergessen: „Wir können Abstiegskampf.“

In diesem Punkt dürfte ihm wahrlich niemand widersprechen. Siehe vergangene sechs Spieljahre.

Weitere Infos

Zugänge
Eva Bennemann (TC Deuten), Oana Georgeta Simion (TC Luitpoldpark München), Nina Vargova (Slowakei).

Abgänge
Jana Fett (Sperre wegen positiven Dopingtests), Justina Mikulskyte (LTTC Rot-Weiß Berlin), Carolina Kuhl (TC Blau-Weiß Homburg).

Aufgebot
1. Katerina Siniakova, 2. Nikola Bartunkova, 3. Veronika Erjavec, 4. Linda Fruhvirtova, 5. Susan Bandecchi, 6. Brenda Fruhvirtova, 7. Eva Bennemann, 8. Dalila Jakupovic, 9. Oana Georgeta Simion, 10. Alexandra Vecic, 11. Nina Vargova, 12. Victoria Pohle, 13. Nika Radisic, 14. Anna Gabric, 15. Kirsten Flipkens, 16. Anna Zaja, 17. Laura Schaeder, 18. Katarzyna Piter.

Trainer
Jasmin Wöhr und Daniel Krajnovic.

Spielstätte
Jahnstraße 88, 70597 Stuttgart.

Saisonziel
Klassenverbleib (Platzierung in der vergangenen Saison: 6.).

Meistertipp
TC Bredeney, TK Blau-Weiß Aachen.

Termine
LTTC Rot-Weiß Berlin (A, 1. Mai), TC SCC Berlin (H, 3. Mai), Heidelberger TC (A, 10. Mai), TK Blau-Weiß Aachen (A, 14. Mai), Club an der Alster Hamburg (H, 16. Mai), TC Bredeney (A, 31. Mai), TC Blau-Weiß Dresden-Blasewitz (H, 7. Juni).

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