Tennis-Routinier Udo Riglewski Einst gegen die Weltelite, nun Weissenhof-Trainer

Ein Bild von füher: Als Doppelpartner von Michael Stich gewann Udo Riglewski (rechts) mehrere große Turniere. Foto: imago/Claus Bergmann

Udo Riglewski feierte an der Seite von Wimbledon-Sieger Michael Stich Erfolge. Mittlerweile ist er Cheftrainer des TC Weissenhof und hat im Verein ein neues Konzept implementiert.

Er ist einer der traditionsreichsten Stuttgarter Tennisvereine mit seiner langen Geschichte von internationalen Turnieren. Seit 1914 besteht die Anlage des TC Weissenhof auf dem Killesberg. Nun haben die aktuellen Verantwortlichen ihr sportliches Gesamtkonzept neu ausgerichtet. Seit Anfang des Jahres fungiert Udo Riglewski als Cheftrainer. Der 59-Jährige hat selbst eine Profikarriere als Spieler hinter sich. Unter anderem war er von 1983 bis 1996 auf der ATP-Tour aktiv. Seine größten Erfolge erzielte er im Doppel an der Seite von Wimbledon-Sieger Michael Stich. Eben in der Doppelweltrangliste schaffte er es einst bis auf Platz sechs. Im Einzel war sein Bestwert Rang 82.

 

Mit dem jetzigen Engagement schließt sich für Riglewski ein Kreis, der sich schon einmal geschlossen hat. Seine Profi-Laufbahn begann und endete nämlich seinerzeit bei den Stuttgart Open, sprich beim Weissenhof-Turnier, später als Mercedes Open und mittlerweile als Boss Open bekannt. Los ging es 1983 mit einer Wild Card. „Da habe ich mich sogar bis ins Viertelfinale gespielt und konnte zum Beispiel mit Ivan Lendl trainieren“, erinnert sich Riglewski. 13 Jahre später bestritt er dann an selber Stätte sein letztes Profispiel. Für ihn bestehe also „eine sehr emotionale Bindung zum Verein“.

Beim TC Weissenhof sieht Udo Riglewski optimale Bedingungen für die Umsetzung seiner Ideen. Foto: Tom Bloch

Nach seiner Profikarriere verbrachte der langjährige Bundesligaspieler (unter anderem beim TEC Waldau) und spätere Trainer 16 Jahre in München und anschließend 14 Jahre in Hamburg, wo er heute seine Lebensgefährtin und auch noch einen Wohnsitz hat. Dann aber wurde der gebürtige Lauffener im vergangenen Jahr auf die Stellenausschreibung aus der alten württembergischen Heimat aufmerksam, jene des TC Weissenhof. Und er musste nicht lange überlegen.„Es war vom ersten Tag an wie nach Hause kommen“, sagt Riglewski.

Der Verein setzt mit seiner neu ausgerichteten Tennis-Akademie voll auf den eigenen Nachwuchs und investiert dafür viel Geld. Auf der im Dezember 2024 erworbenen Anlage der Tennisschule in Botnang, die derzeit umgebaut wird, entsteht der Weissenhof-Tennis-Campus. Dieser soll nach der Fertigstellung von September an von einem weiteren klangvollen Namen geleitet werden: dem Ex-Profispieler Peter Mayer-Tischer. Das Konzept dafür steht. „Ich habe im Prinzip alles umgekrempelt, alles einmal um 180 Grad gedreht“, sagt Riglewski.

Drei feste und zwei freie Trainer sorgen für die sportartspezifische Ausbildung. „Wir wollen ein nachhaltig gutes Training anbieten, das sehr früh Wert auf die korrekte Technik legt“, erläutert Riglewski. Zusätzlich kümmern sich zwei Vollzeit-Athletiktrainer um alle Alters- und Leistungsklassen. Und schon spricht es sich herum. Bei den U-9-Juniorinnen und -Junioren werden bereits 70 Kinder ausgebildet.

In der vergangenen Saison hat der Verein 36 Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet. Die erste Damenmannschaft spielt in der Oberliga, die Herren eins greifen in der Verbandsliga zum Schläger. Mitte Mai beginnt die neue Runde. „Die Ligazugehörigkeit ist für uns nicht entscheidend. Unsere Intention ist, dass wir die Mannschaften irgendwann mit Eigengewächsen bestücken können“, sagt Riglewski.

Fest steht für den Trainer: Es soll keine Wochenend-Profis geben, die zu den Spielen einfliegen. Stattdessen lautet der Plan: „Wir wollen, dass alle Spielerinnen und Spieler der ersten Mannschaft hier auch trainieren, und irgendwann wollen wir in allen Altersklassen Topmannschaften stellen.“ Die Bedingungen dafür seien optimal. „Wir haben hier Rasen, Sand, Hartplatz und Halle. Ich glaube, ein besseres Umfeld gibt es nirgends in Deutschland“, sagt Riglewski – und ergänzt: „Mir fällt kein Club ein, in dem man sich so umfangreich für die Jugendarbeit einsetzt.“

Aber es geht ihm nicht nur um Leistungssport. „Die Afterwork-Spieler, die Hobbyspieler, sind für unseren Verein genauso wichtig. Auch für diese müssen wir ein Angebot haben“, ist dem Coach bewusst. Ein Lob hat er dabei auch für die Chefetage seines neuen Arbeitgebers: „So eine Entwicklung und Ausrichtung steht und fällt mit der Vereinsführung. Beim TC Weissenhof ist die nötige Weitsicht vorhanden und man denkt in die richtigen Dimensionen.“ Das habe er anderswo schon ganz anders erlebt.

Und an Erfahrungswerten fehlt es Riglewski ja wahrlich nicht. Siehe Karrierestationen oben. 20-mal stand er in ATP-Doppelendspielen, achtmal mit Stich als Nebenmann. Die Turniere in Basel, Wien, München und Memphis gewannen die beiden zusammen.

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