Sollten Eltern das Wochenende nutzen, um mit ihren Viertklässlern für die Kompass-4-Tests zu lernen? Foto: IMAGO/Zoonar
Kompass 4 steht an. Im vergangenen Jahr sind die Tests für Viertklässler denkbar schlecht ausgefallen. Was diesmal anders wird und was sonst noch wichtig ist.
Kaum ein Thema hat Familien mit Viertklässlern im vergangenen Jahr so sehr beschäftigt wie Kompass 4. Das Kultusministerium hatte die Tests im Zuge der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium eingeführt – und viel Kritik dafür geerntet. Dennoch hält das Ministerium an dem Prozedere fest.
In der kommenden Woche schreiben die diesjährigen Viertklässler Kompass 4. Am Mittwoch, 19. November, steht Deutsch auf dem Stundenplan, am Donnerstag, 20. November, folgt Mathe. Alles, was Eltern darüber wissen müssen.
Was ist Kompass 4?
Kompass 4 ist eine sogenannte Kompetenzmessung und besteht aus einem Test in Mathe und einem in Deutsch. Alle Viertklässler müssen daran teilnehmen. Die Ergebnisse sind Teil der neuen Grundschulempfehlung Navi 4. Diese umfasst zwei weitere Komponenten, nämlich:
die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz, insbesondere auf Grundlage der Noten sowie der überfachlichen Kompetenzen
den Elternwillen
Nur wenn zwei dieser drei Komponenten in dieselbe Richtung zeigen, bekommt das Kind eine Empfehlung fürs Gymnasium.
Nach dem Desaster im vergangenen Jahr versprach die Kultusministerin „viel Zeit in die Analyse der Kompass-4-Ergebnisse zu investieren“. Maßgeblich sollte es um den Umfang sowie die Punkte- und Bewertungsmaßstäbe gehen. Auch sprachliche Verbesserungen waren vorgesehen. Denn bei den Test im vergangenen Jahr hatten wohl manche Kinder – insbesondere wenn Deutsch nicht ihre Muttersprache war – manche Aufgabe schlicht nicht verstanden und konnten sie deshalb nicht lösen.
Theresa Schopper kündigte aber ebenso an, dass sich das Ministerium „stark mit dem Mathematikunterricht selbst auseinandersetzen“ werde. Schließlich schneiden deutsche Schülerinnen und Schüler auch in anderen Vergleichstests wie zum Beispiel der internationalen Pisa-Studie schlecht ab.
Was wird in den Tests abgefragt?
Die Tests in Mathe und Deutsch basieren auf dem Bildungsplan für die Grundschule in Baden-Württemberg und beinhalten Aufgaben aus folgenden Bereichen:
Mathematik: Zahlen und Operationen, Raum und Form, Größen und Messen, Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit
Das Kultusministerium beziehungsweise das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), das für die Kompetenzmessungen verantwortlich zeichnet, hat die Aufgaben aus dem vergangenen Jahr im Internet veröffentlicht.
Sollten Eltern mit ihren Kindern für die Tests lernen?
Das Kultusministerium schreibt auf seiner Homepage, dass ein gezieltes inhaltliches Üben oder eine Vorbereitung nicht sinnvoll sei, da die Leistungsstände der Schülerinnen und Schüler objektiv ermittelt werden sollen. Vielmehr sollen Eltern ihre Kinder darin unterstützen, die Aufgaben motiviert und sorgfältig zu bearbeiten.
Was passiert, wenn das Kind in den Tests schlecht abschneidet?
Das Kultusministerium argumentiert, dass Kompass 4 lediglich einen zusätzlichen Weg in Richtung Gymnasium ebnen kann. Wenn sich die Klassenkonferenz für das Gymnasium ausspricht, und auch die Eltern diese Schulart für ihr Kind wollen, ist das Testergebnis irrelevant.
Spricht sich die Klassenkonferenz gegen das Gymnasium aus und wollen Eltern dennoch, dass ihr Kind auf diese Schulart geht, kann Kompass 4 entscheidend sein. Ist das Kind laut Testergebnis nicht fürs Gymnasium geeignet, kann es den sogenannten Potenzialtest, eine Art Aufnahmeprüfung am Gymnasium, absolvieren.
Was ist mit Kindern, die krank werden?
Es gibt landesweit einheitliche Nachschreibetermine. Diese sind in diesem Jahr am Mittwoch, 26. November, (Deutsch) und am Donnerstag, 27. November, (Mathe). Weitere Nachschreibetermine gibt es nicht. Verpasst ein Kind sowohl den Haupt- als auch den Nachschreibetermin, ist der Sprung aufs Gymnasium nur über die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz oder den Potenzialtest möglich.
Wie werden Eltern über die Ergebnisse informiert?
Im Dezember und Januar informieren und beraten die Klassenlehrer die Eltern zur Wahl der weiterführenden Schule. In diesen Gesprächen werden auch die Kompass-4-Ergebnisse des Kindes thematisiert und auf einem Formblatt vermerkt. Die Arbeiten selbst verbleiben in der Schule, allerdings können die Eltern eine kostenpflichtige Kopie erhalten oder selber ein Foto davon machen.