Neues Großkrankenhaus von Flugfeldallee aus Foto: Stefanie Schlecht
Die neue Klinik auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen verteuert sich abermals. Zugleich steht nun der Termin der Fertigstellung: Frühjahr 2028. Geplant war einmal 2025.
Das Großprojekt Flugfeldklinikum wird für den Landkreis Böblingen abermals teurer. Wie Landrat Roland Bernhard am Mittwoch im Planungs- und Bauausschuss mitteilte, steigen die kalkulierten Baukosten um weitere 50 Millionen Euro auf nun rund 800 Millionen Euro. Grund dafür ist unter anderem die Insolvenz eines an der Planung beteiligten Ingenieurbüros. „Für die erste Phase der Leistungserbringung sind wir mit 750 Millionen Euro zu Streich gekommen. Doch der Puffer in Höhe von 30 Millionen Euro ist aufgebraucht“, sagte Landrat Bernhard.
Die neue Summe spiegelt die derzeitige Einschätzung von Chefplaner Harald Schäfer von der Projektgesellschaft wider: „Wir werden rund 800 Millionen Euro Baukosten haben, nach dem, was wir derzeit überschauen können“, sagte er. Die finanziellen Folgen der Insolvenz eines Planungsbüros im Herbst 2024 innerhalb der Arbeitsgemeinschaft für die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) sind nicht unerheblich. Zwar konnte ein Baustopp verhindert werden – ein kooperatives Modell mit externen Experten des Planungsgesellschaft Drees und Sommer, ausführenden Firmen sowie Architekten und Fachplanern wurde etabliert –, doch der zusätzliche Aufwand schlägt sich in den Kosten nieder.
Zwar konnten einzelne Teilbereiche günstiger vergeben werden, wie Schäfer sagt. „Wir spüren gerade im Innenausbau die konjunkturelle Delle durch niedrigere Angebotspreise.“ Doch durch den Ausfall der Planungsfirma in der TGA mussten einzelne Gewerke erneut ausgeschrieben werden – dann zu deutlich höheren Preisen. Konkret waren dies die Schlüsselgewerke Heizung, Sanitär, Lüftung und Klima, von deren Fortschritt und Fertigstellung wiederum andere Unternehmen abhängen.
Neuer Plan für 50-Millionen-Lücke
In toto konnte der zuletzt 2023 aufgestellte Kostenrahmen in Höhe von 750 Millionen nicht gehalten werden. Um die nun fehlenden 50 Millionen Euro aufzubringen, kündigte Bernhard weitere Schritte an: „Unser Kämmerer Björn Hinck legt einen Wirtschaftsplan vor, um die jetzt noch fehlenden 50 Millionen Euro zu finanzieren. Wir werden einen Weg finden müssen, der keiner zustimmungspflichtigen Kreditermächtigung durch das Regierungspräsidium bedarf.“
Er deutete an, dass eine überraschend höhere Landesförderung von 34 Millionen Euro des Verwaltungshochhauses zur Querfinanzierung beitragen könne. Diese Budgets seien „gegenseitig deckungsfähig“, hieß es. Bernhard rechne damit, den jetzt genannten Kostenrahmen tatsächlich halten zu können. Auch hier seien vorsorglich Risikopuffer enthalten. Wenngleich er keine Garantie geben könne: „Bis 2028 sind es noch zweieinhalb Jahre.“ Tatsächlich stünden die Planer von Drees und Sommer aber unter der genauen Kontrolle der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young.
Ursprünglich war der Plan, die neue Großklinik mit einem Generalunternehmer zu bauen, der das Gebäude sowohl aus einem Guss geplant als auch die einzelnen Gewerke selbst vergeben hätte. Doch die Angebote aus dem Markt sprengten seinerzeit jeglichen finanziellen Rahmen, weshalb man sich für den „dornenreichen Weg der Einzelvergabe“ entschied, wie Bernhard es einst formulierte. Während weite Teile des Baus – insbesondere der Rohbau – plan- und kostengerecht umgesetzt wurden, schlug die Insolvenz der TGA-Planer nun heftig ins Kontor. Doch es gibt auch Lichtblicke.
Haupteingang mit Cafeteria Foto: Stefanie Schlecht
Dass einige Bereiche des Klinikums bereits früher fertiggestellt werden, werten Projektverantwortliche als Vorteil: So könnten Arbeitsabläufe im Vorfeld erprobt und optimiert werden. Außerdem sei man nun mit 85 Prozent der Vergaben an die Gewerke durch und könne sich wieder stärker auf das sogenannte Building Information Modeling konzentrieren: Die detaillierte Planung des gesamten Komplexes mithilfe eines digitalen Klons, wodurch sich die gesamte Dokumentation und Ausführungsplanung erheblich erleichtert.
Erste Patienten im Herbst 2028 auf Flugfeld
Trotz der finanziellen Herausforderungen zeigt sich die Verwaltung außerdem zuversichtlich, den jetzt aufgestellten Zeitplan einzuhalten. Ursprünglich hätte das Krankenhaus in diesen Tagen bereits bezugsfertig sein sollen. Die bauliche Fertigstellung ist nun für das erste Quartal 2028 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll bis zum dritten Quartal desselben Jahres abgeschlossen sein. Im vierten Quartal 2028 könnte die Patientenversorgung im neuen Klinikkomplex starten, so der neue Zeitplan.
Während des Jahres 2028 soll der Betrieb in den bestehenden Krankenhäusern in Böblingen und Sindelfingen nach und nach ins neue Domizil umgesiedelt werden. Dies höchst komplizierte Unterfangen werden von einer eigenen Fachfirma geplant.
Kostensteigerungen im Überblick
Frühjahr 2020 Damals gab es bereits Kostensteigerungen, man ging aber von einer Gesamtsumme von 493 Millionen Euro aus – inklusive Risikopuffer.
Frühjahr 2023 Damals stieg der Kostenrahmen auf einen Wert von 621 Millionen Euro – insbesondere wegen teurerer Rohstoffe aufgrund des Ukraine-Konflikts.
September 2023 Nach erneuten Berechnungen musste man auch diesen Wert im Herbst 2023 nach oben korrigieren auf dann 750 Millionen Euro plus 30 Millionen Puffer.
Juli 2025 Jetzt sind die Kosten auf 800 Millionen Euro gestiegen, von denen das Land über Förderungen nach dem letzten Stand mindestens 278 Millionen Euro übernimmt.