Teure Lebensmittel Wann haben die Preissteigerungen endlich ein Ende?

Olivenöl ist mehr als doppelt so teuer als vor vier Jahren. Foto: imago images/Panthermedia/Jan Pietruszka

Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen vier Jahren massiv gestiegen, auch jetzt nehmen sie noch zu. Welche Lebensmittel sind besonders teuer geworden? Und können die Preise auch wieder sinken?

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Wer auf ein Ende der Preissteigerungen beim Einkauf in den Supermärkten und Discountern hoffte, wurde gerade wieder von Amts wegen enttäuscht. Im September stiegen die Preise für Lebensmittel Getränke im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent, teilt das Statistische Bundesamt gerade mit. Während die Energiepreise deutlich sanken, scheint die Teuerung in den Einkaufswägen kein Ende zu nehmen. Um knapp 33 Prozent haben sich Lebensmittel im Vergleich zu September 2020 verteuert. Doch was sind die Gründe dahinter? Und findet der Anstieg ein Ende? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Wo sind die Preise besonders stark gestiegen?

Im Internet kursieren bereits Witze über den teuren Ölwechsel in der Küche – das ganze Jahr über ging der Preis für Olivenöl nach oben. Im Vergleich vor vier Jahren ist die Flasche mehr als doppelt so teuer, wie eine aktuelle Sonderauswertung des Bundesamts ergibt. Der Preis für Zucker blieb dieses Jahr stabil, liegt aber noch immer mehr als 80 Prozent über dem Preis von 2020. Quark und Kekse verteuerten sich binnen vier Jahren um fast 80 Prozent, Zwieback um knapp 70 Prozent. Für Margarine, Zwiebeln und Tomatenketchup muss man im Vierjahresvergleich rund 60 Prozent mehr zahlen.

Warum sind gerade diese Produkte so teuer?

Der Preis von Olivenöl stieg stark, weil im Haupterzeugerland Spanien vor gut einem Jahr die Produktion einbrach. Auch aktuell gibt es durch die Dürre schlechte Ernten. Der geringe Zuckeranteil bei den Zuckerrüben infolge des nassen Wetters ließ den Zuckerpreis steigen – dazu kommt die hohe Nachfrage auf dem globalen Zuckerrübenmarkt. Der hohe Zuckerpreis macht sich auch beim Kekspreis bemerkbar, wobei hier vor allem der hohe Weizenmehlpreis nach der schlechten Ernte in Deutschland und dem Krieg in der Ukraine – einem der wichtigsten Getreideexporteure weltweit – eine Rolle spielte.

Sind Preise auch gesunken?

Hier muss man lange in den Listen des Statistischen Bundesamtes suchen. Nur Tomaten, Pfirsiche und Kirschen waren zuletzt geringfügig günstiger als vor vier Jahren. Immerhin hat sich in den vergangenen zwölf Monaten der Preisanstieg im Schnitt stark verlangsamt. Für einige Lebensmittel mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher weniger zahlen als im Jahr zuvor. So verbilligten sich Mehl, Zwieback, Zwiebeln und Knoblauch um rund zehn Prozent – sie sind aber dennoch viel teurer als noch vor vier Jahren.

Die Wetterextreme nehmen zu. Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Preise aus?

Punktuell sind schon jetzt die Auswirkungen groß: Die Dürren in Spanien und anderen Mittelmeerländern werden die Preise für Olivenöl wohl auf lange Zeit verteuern. Da sich die Kakaoproduktion auf Ghana und die Elfenbeinküste konzentriert, wirken sich dort die zuletzt starken Wetterschwankungen besonders auf den Schokoladenpreis aus. Laut einer Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung und der Europäischen Zentralbank könnten die Folgen der Erderwärmung die Lebensmittelpreise in Europa bis 2035 um bis zu 3,2 Prozent jährlich erhöhen.

Was sind aktuell die Hauptgründe für die teuren Lebensmittel?

Aktuell spielen der Ukraine-Krieg, steigende Personalkosten infolge von Tariferhöhungen und noch immer hohe Preise für Rohstoffe und Energie eine Rolle. Mit manchen Rohstoffen wird auch an den Finanzmärkten spekuliert, was zu extremen Preisausschlägen führen kann. Preissteigerungen infolge des Klimawandels hängen auch davon ab, ob sich die Art des Anbaus verändert – etwa ob er resilienter wird oder andere Sorten angepflanzt werden.

Auch Zucker ist viel teurer als vor vier Jahren. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Wie stark treiben Supermärkte und Discounter die Preise nach oben?

Dass die Lebensmittelhändler für Preiserhöhungen viele Gründe angeben können, liegt auf der Hand – ebenso das eigene Interesse, mehr auf die Waren aufzuschlagen, als sie eigentlich müssten. Schließlich klagt der Handel seit vielen Jahren, dass durch den hohen Wettbewerb die Verkaufspreise für Lebensmittel in Deutschland oft viel niedriger sind als in Ländern. Die Erzeuger wiederum mahnen eine höhere Wertschätzung und damit auch höhere Preise für Lebensmittel an. Hier stoßen sie aber nicht nur bei Verbrauchern, sondern auch bei den Händlern oft auf Widerstand.

Wer verdient eigentlich wie viel an den Preisen?

Die Antwort dazu interessiert nicht nur Kundinnen und Kunden, sondern auch Verbraucherschützer. Sie dringen schon lange auf eine Beobachtungsstelle, die die Preise bei der Herstellung und im Verkauf von Lebensmittel transparent macht. „Wir merken, dass Preissteigerungen zu oft unerklärlich sind. Die Preise gleichen einer Blackbox“, sagt Ramona Pop, Vorständin der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Um unberechtigte Preissteigerungen aufzudecken, schlägt sie eine Beobachtungsstelle bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vor, um Preise und Kosten in den Produktions- und Verkaufsstufen zu analysieren. Der Hintergedanke: Schon das könnte den Handel vor überzogenen Preisen abhalten.

Könnten die Lebensmittelpreise wieder sinken?

Hier gibt es viele Unbekannte, unter anderem, wie sich die Ernten entwickeln oder ob Lieferketten und Produktionsbedingungen infolge der weltweiten Kriege und Krisen erschwert werden. Die sinkenden Energiepreise könnten für eine Entlastung sorgen. Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte aber zeigt: Der Handel ist sicherlich nicht an Preissenkungen interessiert, zumal sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher an höhere Preise gewöhnt haben. Preissenkungen wird es wohl deshalb eher aus Marketinggründen bei ausgewählten Produkten geben als auf breiter Front.

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