Insgesamt zwölf Millionen Euro lässt sich die Stadt Stuttgart selbstreinigende Toiletten kosten. Ein TikTok-Video zeigt jetzt eine verschmutze Anlage. Was sagt die Stadt dazu?

Familienfreundlich, kostenlos und vor allem sauber: Mit diesem Anspruch sind einige neue selbstreinigende Toilettenanlagen in Stuttgart im vergangenen Jahr in Betrieb gegangen. Ein kurzer Clip auf der Plattform TikTok zeigt jetzt jedoch ein anderes Bild. Der Nutzer „Nosaa.oj“ filmt darin eine der Anlagen am Züblin-Parkhaus in der Pfarrstraße. Der Boden wirkt verschmutzt, von automatischer Reinigung ist in diesem Moment wenig zu erkennen. Funktionieren die selbstreinigenden Toiletten etwa nicht?

 

Die Stadt Stuttgart setzt bei ihren öffentlichen Toiletten seit einiger Zeit auf ein automatisiertes System. Nach jeder Nutzung soll sich die Kabine selbst reinigen, Böden und Sitzflächen werden mit Wasser gespült. Die Investitionen sind entsprechend hoch. Bis zu 600.000 Euro kann eine einzelne Anlage kosten. Rund 200 Liter Wasser kommen pro Reinigungsvorgang zum Einsatz. Allerdings wird das Wasser „gefiltert und bis zu 70 Mal wiederverwendet“, heißt es dazu auf dem städtischen Instagram-Account.

Stadt äußert sich zur Ursache

In den Reaktionen auf das Video wird neben der Technik auch der Umgang mit den Anlagen thematisiert. „Manche sind übel, manche sind echt ok, die Leute schätzen sowas halt nicht wert, Idee ist aber top“, schreibt ein Nutzer. Der Kommentar verweist auf einen Aspekt, der sich technisch kaum lösen lässt: den Einfluss des Nutzerverhaltens auf den Zustand der Anlagen.

600 000 Euro kostet diese neue öffentliche Toilette in Stuttgart an der Egelseer Heide. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart

Nun hat sich die Stadt Stuttgart auf Anfrage zu dem Vorfall geäußert und widerspricht dem Eindruck eines technischen Defekts. „Die Anlage war nicht defekt, sondern verschmutzt, genauer gesagt verstopft“, teilt Pressesprecher Sven Matis mit. Ursache sei eine zerfetzte Plastikflasche gewesen, die im System festgesteckt habe. „Dadurch konnte der automatische Reinigungs- und Spülvorgang nicht ablaufen.“

Anlage wieder vollständig in Betrieb

Ein Techniker habe die Verstopfung inzwischen entfernt, die Anlage sei wieder vollständig in Betrieb. Der Fall zeige jedoch eine Schwachstelle. „Da es sich um ein ungewöhnliches Störungsbild handelte, wurde der Servicemodus nicht automatisch ausgelöst.“ Derzeit prüfe die Abfallwirtschaft Stuttgart, wie solche Fälle künftig schneller erkannt und automatisch gemeldet werden können.

Grundsätzlich, so betont die Stadt, funktioniere das System wie vorgesehen. „Die Anlagen reinigen sich nach jeder Nutzung selbst. Zusätzlich werden sie täglich durch Personal kontrolliert und bei Bedarf von den Kolleginnen und Kollegen gereinigt“, so Matis. Dennoch könne es gerade an stark frequentierten Standorten „innerhalb kurzer Zeit erneut zu Verschmutzungen kommen, die die Selbstreinigung beeinträchtigen“.

Zurzeit gibt es sieben selbstreinigende Toilettenanlagen im Stuttgarter Stadtgebiet. Insgesamt lässt sich die Landeshauptstadt den Bau von 34 Anlagen – sieben neue und 27 sanierte bestehende Toiletten – zwölf Millionen Euro kosten. Zusammen mit Betriebskosten summiert sich der Betrag auf 13,9 Millionen. Die Toilette am Züblin-Parkhaus ist seit Anfang Februar in Betrieb und wird offenbar intensiv genutzt. Nach Angaben der Stadt wurde sie bereits von mehr als 7600 Menschen verwendet, das entspricht im Schnitt über 100 Nutzungen pro Tag.