Theater in Pulverdingen Die Bedrohung lässt sich nicht ignorieren

Das Theater unter der Dauseck gibt Einblicke in sein nächstes Stück. Foto: Simon Granville

Im nächsten Sommer lädt das Oberriexinger Theater unter der Dauseck in Pulverdingen (Kreis Ludwigsburg) zum Stück „Die Mutprobe“ ein. Es werden noch Mitwirkende gesucht.

Das ist eine originelle Idee: ein kleiner Weiler als Schauplatz für einen Theaterspaziergang. Ausgedacht hat sich das eine Amateurbühne, das Theater unter der Dauseck. Ausgewählt wurde der Pulverdinger Hof, der zu Vaihingen an der Enz gehört, idyllisch östlich von Enzweihingen gelegen. Eine ungewöhnliche Bühne für das nächste Projekt der Schauspieltruppe.

 

Zum Kick-Off für das Stück „Die Mutprobe“, das im nächsten Sommer aufgeführt werden wird, lud das Theater unter der Dauseck in eine Scheune auf dem Hof der Familie Linckh ein. Das von Walter Menzlaw geschriebene Stück nimmt die Perspektive eines beschaulichen Dörfchens ein, das sich mit einer bedrohlichen Außenwelt konfrontiert sieht: In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges versuchen die verbliebenen Bewohner von Pulverdingen – vor allem Frauen, alte Männer und Kinder – ihre kleine heile Welt so weit wie möglich zu bewahren.

Die Gemeinschaft wehrt sich

Dafür haben die Theaterfreunde Interviews und Recherchen durchgeführt, überlieferten Ereignissen und Erinnerungen nachgespürt. „Die Mutprobe“ ist gleichwohl eine fiktive Geschichte, aber sie soll eine Situation lebendig werden lassen, die vielleicht mehr mit der Gegenwart zu tun hat als man zunächst annehmen möchte – das noch funktionierende Gefüge einer Gemeinschaft schottet sich ab von der zusammenbrechenden Welt draußen.

Diese Welt kann das Dorf aber doch nicht ganz draußen halten, wie zwei angespielte Szenen beim Kick-Off deutlich machten. Da ist die Rede von den „Aktivitäten am Sachsenheimer Flugfeld“, vom Lager mit Gefangenen, von einem Granateneinschlag in Unterriexingen, bei dem zwei Menschen starben – es war ein deutsches, kein französisches Geschoss.

Walter Menzlaw, Autor und Regisseur der „Mutprobe“, der schon öfter mit dem Theater unter der Dauseck zusammengearbeitet hat, gab eine Übersicht. 13 verschiedene Schauplätze werden in dem Dorf, das gerade einmal 60 Einwohner zählt, bespielt. Die Mütter wollen verhindern, dass Pulverdingen Kriegsschauplatz wird, mit dem Verbot, den Ort zu verlassen. Doch einige Mädchen wetten, dass sie sich unbemerkt nach draußen schleichen können. „Draußen machen sie eine schreckliche Entdeckung,“ sagte Menzlaw, doch er versprach auch: „Es gibt ein friedliches Ende“, und auch leichtere und komische Elemente im Stück.

Es sollen keine „typischen Nazis“ auftreten, vielmehr ginge es um die Frage: Sich heraushalten können – funktioniert das? An die Zuschauer wird sich dann die Frage richten, zu welchen sie gehören – denen, die nur zusehen, oder denen, die etwas wahrnehmen, etwas tun. „Was wir sind, das wird sich zeigen.“

Premiere im nächsten Sommer

Die Premiere der „Mutprobe“ ist für den 3. Juli geplant. Vorher wird fleißig geübt und geprobt. Das Theater sucht noch Mitwirkende, nicht nur für kleinere Rollen, sondern auch zur Unterstützung. Vorzugsweise Männer „bis 50 Jahre“. Bis zum 5. November kann man sich anmelden, dann wird das Ensemble zusammengestellt.

Beim Kick-Off saß auch Vaihingens Oberbürgermeister Uwe Skrzypek mit in der Scheune. Er war angetan vom Vorhaben des Theaters unter der Dauseck. „Danke, dass Sie die Aufmerksamkeit auf unseren zehnten Ortsteil lenken“, meinte der Schultes.

Informationen über info@theater-dauseck.de

Weitere Themen