Jugendliche tanzen in der interdisziplinären Produktion „Zum Lachen in den Keller“. Mit dem Stück ist das Stuttgarter Theater Labyrinth zum Theatertreffen der Jugend in Berlin eingeladen. Foto: Dominique Brewing
Als einziges Ensemble aus Baden-Württemberg reist das Labyrinth-Theater im Juni zum Theatertreffen der Jugend. Danach ist „Zum Lachen in den Keller“ nochmals im Theaterhaus zu sehen.
Und noch ein Stuttgarter Team fährt nach Berlin: Nach dem Schauspiel Stuttgart darf sich das Labyrinth-Theater über eine Einladung zum renommierten Szenetreffen freuen, nach den „Großen“ im Mai ist im Juni die Jugend gefragt. Am 2. Juni wird Labyrinth die interdisziplinäre Theaterproduktion „Zum Lachen in den Keller“ im Haus der Berliner Festspiele zeigen; diese kreist um eine schwierige Phase im Leben: Es geht ums Erwachsenwerden – kein Kinderspiel, erst recht nicht mit Flucht- und Migrationserfahrung. Erarbeitet wurde das Stück mit Jugendlichen im Alter von 17 bis 21 Jahren.
Der Erfolg der Bewerbung bei den 75. Berliner Festspielen im Bereich „Junge Szene“ freut nicht nur die Verantwortlichen, wie die Theatergründerin Patrizia Birkenberg am Telefon berichtet. Den Jugendlichen musste zwar erst der Stellenwert eines Auftritts beim Theatertreffen erklärt werden. „Doch als sie verstanden haben, dass es eine ganz besondere Auszeichnung ist, haben sie sich riesig gefreut, nach Berlin fahren zu dürfen.“ Zumal darüberhinaus dort eine intensive Workshop-Woche auf sie warte, fügt Patrizia Birkenberg an. Sowohl für die Jugendlichen aus den insgesamt sieben eingeladenen Ensembles als auch für deren Spielleitung gibt es ein vielfältiges Angebot, gefragt ist vor allem der Austausch untereinander. Jeden Abend steht zudem ein anderes Ensemble auf der Bühne.
Themen der Jugendlichen stehen im Vordergrund
Insgesamt waren 104 Produktionen im Rennen des Bundeswettbewerbs. 16 kamen in die Zwischenauswahl, neben dem Labyrinth-Stück auch eine Jugendproduktion des Landestheaters Tübingen. Am Ende lud die Jury im Rahmen des Berliner Jugend-Theatertreffens einzig „Zum Lachen in den Keller“ aus Baden-Württemberg ein. „Wir haben im März in der alten Musikhochschule vor der Jury gespielt, die im Nachgespräch von den Jugendlichen wissen wollte, wie stark sie an der Stückentwicklung beteiligt waren“, sagt Patrizia Birkenberg. Gut angekommen sei zudem, dass die Produktion „wirklich die im Keller verborgenen Themen der Jugendlichen zum Inhalt hat und mit Musik, Tanz, Figurentheater, Schauspiel und Sprechkunst auf eine Vielfalt von Genres setzt“, sagt die Labyrinth-Macherin. Überzeugt hat zudem die Ausgangsidee bei der Entwicklung des Stücks: Es wurde auch vor Polizeischülerinnen und -schülern gespielt, um diese für die Probleme junger Menschen zu sensibilisieren; im zweiten Schritt ist ein gemeinsames Stück mit den angehenden Polizei-Mitarbeitenden geplant.
Patrizia Birkenberg Foto: Labyrinth Theater
Nach der Aufführung im Haus der Berliner Festspiele ist jedes Stück vom nächsten Tag an in der Mediathek der Festspiele abrufbar. Ihre Auswahl zum Treffen der Jungen Szene erklärt die Jury so: „Die allesamt abendfüllenden Arbeiten sind gleichsam kraftvoll und sensibel und zeugen von einer gesellschaftlichen Notwendigkeit, sie auf die Bühne zu bringen. Alle jungen Theaterschaffenden eint ein ausgeprägtes politisches Anliegen und das Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft, das sie durch ihre theatralen Arbeiten zum Ausdruck bringen.“
Wer Theater lieber live mag, hat kurz nach der Berlin-Reise Gelegenheit, das Jugendstück des Labyrinth-Theaters ein letztes Mal zu erleben – und zwar am 10. Juni im Theaterhaus.
Theater mit soziokulturellem Zentrum
Termin Das Labyrinth-Theater zeigt „Zum Lachen in den Keller“ am 2. Juni im Haus der Berliner Festspiele und am 10. Juni um 19.30 Uhr im Stuttgarter Theaterhaus.
Ensemble Gegründet wurde das Labyrinth-Theater 2012 von Patrizia Birkenberg als studentisches Projekt. Mit weiteren Mitstreitenden und getragen von Musiktheater-Produktionen und internationalen Straßenkunstfestivals konnte parallel zum Labyrinth-Theater 2020 ein soziokulturelles Zentrum in der Urbanstraße 64 eröffnet werden.