Frau Enssle, wie viele offene Stellen hat Zeiss derzeit? Wie viele Bewerbungen gehen bei Ihnen ein?
Wir haben derzeit über 1000 Stellen in Deutschland offen. Davon allein 700 bei der Halbleitertochter SMT in Oberkochen.
Die Bewerbungen dürften ausschließlich online eingehen. Wird da bereits gesiebt?
Nein, wir sieben nicht automatisch. Sowohl wir im Recruiting als auch die Fachbereiche sehen sich die Bewerbungen an und prüfen sie in einem ersten Schritt auf ihre grundsätzliche Eignung. Wenn wir doch mal eine Bewerbung in Papierform erhalten, schicken wir sie zurück mit der Bitte, sich aus datenschutzrechtlichen Gründen online auf ausgeschriebene Stellen zu bewerben.
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Was ist für Zeiss ein interessanter Bewerber?
Bewerberinnen und Bewerber, die im Interview ihre Persönlichkeit zeigen, sich nicht verstellen, offen und ehrlich sind und auch ihre Motivation zum Ausdruck bringen, heben sich ab und bleiben im Gedächtnis. Wir suchen echte Persönlichkeiten, die den Willen haben Dinge gemeinsam mit uns zu gestalten und voranzutreiben, das sind für uns interessante Bewerbungen, die zu unserem Unternehmen passen.
Welche Bedeutung haben die Benotungen in Schule und Studium?
Grundsätzlich geht es um die Persönlichkeiten und Kompetenzen. Es gibt bestimmt Einheiten und Funktionen, die schauen für bestimmte Einstiege etwas mehr auf Noten und andere etwas weniger. Das ist auch abhängig von der jeweiligen Aufgabe.
Haben frühere Praktikanten bessere Chancen, weil Zeiss diese bereits kennt?
Zunächst kommt es darauf an, dass das gesuchte Stellenprofil auf die Kandidatinnen und Kandidaten passt. Bei gleichem Profil und Erfahrungen helfen positive Vorerfahrungen im Unternehmen selbstverständlich weiter. Wir stehen ja hinter unseren jungen Talenten, die wir langfristig weiterentwickeln und binden wollen. Aber ein Praktikum ist kein automatischer „Freifahrtschein“.
Welche fachliche Qualifizierung ist besonders gefragt?
Wir haben bei Zeiss eine breite Vielfalt an Jobs, zum Beispiel für Produktions- und Facharbeiter im Bereich Mechatronik, Montage und Feinoptik. Wir suchen Techniker, Mitarbeiter in IT und Digitalisierung sowie Forschung & Entwicklung und in dem Bereich Logistik. Vom Ausbildungsgrad haben wir die Spannweite vom Auszubildenden bis zum Doktoranden und höher – je nach Fachbereich und Stelle. Aber auch hier gilt – durch Leidenschaft und Motivation prägen die Kandidaten entscheidend ihre eigene Erfolgsgeschichte. Nicht selten entscheiden wir uns für Quereinsteiger und Kandidatinnen und Kandidaten mit ungewöhnlichem Lebenslauf.
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Welche Eigenschaften sollte der Bewerber idealerweise mitbringen?
Wir möchten im Bewerbungsprozess spüren, dass die Bewerberin, der Bewerber den Job, um den es geht, wirklich möchte und Leidenschaft dafür zeigt. Genauso wichtig sind Authentizität, Engagement und Persönlichkeit. Darüber hinaus zählt auch der menschliche Aspekt: Wir fragen uns: Passt die Bewerberin, der Bewerber zu Zeiss, und passt sie oder er auch ins entsprechende Team? Für eine Zusage zählt dann die Summe aus fachlicher, persönlicher und kultureller Eignung.
Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab?
Die Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich in der Regel online auf eine ausgeschriebene Stelle. Das dauert nicht länger als zehn Minuten. Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse werden benötigt. Die eingegangenen Bewerbungen werden anschließend sowohl von uns im Recruiting als auch dem entsprechenden Fachbereich auf eine erste Eignung geprüft. Wenn es bis hierhin passt, laden wir den Bewerber im nächsten Schritt zu einem Telefoninterview oder direkt einem persönlichen Gespräch ein. Die Entscheidung zur Zu- oder Absage fällt immer in Abstimmung zwischen Recruitern und dem Fachbereich sowie anhand klar definierter Auswahlkriterien. Sie fällt nie auf Basis der Entscheidung einer Einzelperson.
Wie kann sich der Bewerber auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten?
Hilfreich ist, dass Bewerberinnen und Bewerber sich bewusst sind, welchen Weg sie einschlagen wollen und was sie mitbringen. Das ist keine mündliche Prüfung zu Zeiss, aber wir merken schnell, wenn sich jemand so gar nicht mit dem Unternehmen beschäftigt hat.
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Was sollte ein Bewerber während eines Bewerbungsgesprächs vermeiden?
Wir haben da keine direkten Empfehlungen als die gängigen Umgangsformen. Allerdings merken wir schnell, wenn sich jemand sehr verstellt und nicht authentisch wirkt. Wir machen da keine negativen Erfahrungen.
Erhöhen Aktivitäten und Hobbys jenseits von Schule und Studium die Chancen auf eine Einstellung?
Aktivität und Engagement ist immer einen Blick wert, vor allem in der Zeit nach der Schule. Das Leben besteht aber nicht nur aus Arbeit, und so ist auch der Austausch über Hobbys interessant. Es ist immer wieder interessant, wofür Bewerberinnen und Bewerber eine Leidenschaft haben, sich begeistern. Das sagt viel über sie aus.
Lässt sich die spätere Karriere im Unternehmen planen?
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Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Natürlich gibt es viele junge Menschen, die konkrete Ambitionen haben. Das ist auch gut so. Uns ist der feedbackorientierte Dialog zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden sehr wichtig. So lernt man und kann in bestimmten Lebensabschnitten unterschiedliche Entwicklungswege aufzeigen. Als Führungskraft sollten sie unter anderem auch eine sehr gute Teamfähigkeit haben und auch über das eigene Team hinaus das ganze Unternehmen im Blick haben. Karriere ist zudem nicht gleichgesetzt mit personeller Führung, bei Zeiss gibt es beispielsweise auch eine wissenschaftliche Fachlaufbahn. Jede Stelle ist wichtig, und jeder soll sich in seiner Rolle entwickeln können. Wir begleiten die Mitarbeiter auf ihrem persönlichen Weg, und wenn es in die Führung geht, dann unterstützen wir auch das.
Katharina Enssle
Karriere
Nach dem Studium hat die Diplom-Kauffrau Katharina Enssle ihre Karriere 2009 bei dem Lebensmitteldiscounter Lidl als Verkaufsleiterin gestartet. Zwei Jahre später wechselte sie zu BMW, sie hatte dort verschiedene Führungspositionen im Bereich Personal inne. Seit Anfang 2018 ist sie bei Zeiss und verantwortet dort den Bereich Employer Branding. Dieser Begriff stammt aus dem Marketing. Er umfasst alle Maßnahmen, die ein Unternehmen ergreifen kann, um die eigene Marke zu stärken und sich gegenüber potenziellen Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber darzustellen.