Tischtennis-Geschäftsführer klagt vor Arbeitsgericht Thomas Walter wehrt sich gegen seine Entmachtung

Es geht um die Bezahlung ausstehender Gehälter: Thomas Walter. Foto: Imago//Michael Sigl

Tischtennis ist sein Leben. Doch nun klagt Thomas Walter, seit fast 25 Jahren Geschäftsführer des Verbandes, gegen Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW). Er fordert von seinem Arbeitgeber ausstehende Gehälter. Wie ist es soweit gekommen?

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Der Schreiber, der sich hinter dem Pseudonym „TT-Star“ verbirgt, ist ziemlich fleißig. Rund 900 Beiträge hat der Tischtennis-Experte, der in der Szene bestens vernetzt zu sein scheint, bereits im Forum der Internetseite TT-News verfasst. Einer ist besonders interessant: Der Post vom 18. Juni beschäftigt sich mit Streitereien an der Spitze des baden-württembergischen Landesverbandes. „Man hat den langjährigen Geschäftsführer Thomas Walter aus seiner Position geekelt. Glückwunsch – wieder eine Person mit Sachverstand weniger“, heißt es. Und weiter: Walter sei „sozusagen ersetzt“ worden „durch eine Person, die unserem Sport kaum fremder sein könnte“.

 

Ob die Formulierung „aus der Position geekelt“ zutreffend ist, dürfte schon bald bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Stuttgart zur Sprache kommen. Dort wird nach Informationen unserer Zeitung am 10. Oktober in Saal 001 unter dem Aktenzeichen 2Ca 4415/24 eine Klage von Thomas Walter (57) gegen seinen Arbeitgeber Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) verhandelt. Beide Parteien wollten sich auf Nachfrage zum Fall nicht äußern, die Pressestelle des Arbeitsgerichts bestätigte das Datum.

Thomas Walter hat den Tischtennis-Sport geprägt

Unsere Recherchen ergaben, dass Walter, obwohl er weiterhin Angestellter des Verbandes ist, von diesem offenbar schon seit Monaten nicht mehr bezahlt wird. Demnach fordert er nun ausstehende Gehälter in fünfstelliger Höhe ein. Gut möglich also, dass in Kürze eine Geschichte, die vor nahezu einem Vierteljahrhundert begonnen hat, auf ziemlich unschöne Art und Weise zu Ende geht.

Im Jahr 2000 hat Thomas Walter seine Arbeit als Geschäftsführer des Tischtennis-Verbandes Württemberg-Hohenzollern (der 2020 mit dem Südbadischen Tischtennis-Verband fusionierte) aufgenommen – und seinen Sport fortan geprägt. Walter, der sich in seiner Freizeit für den DJK Sportbund Stuttgart engagiert, war der Motor hinter vielen Aktivitäten und Entwicklungen im baden-württembergischen Tischtennis, ein echter Netz-Werker. „Dieser Sport“, sagte er einmal, „ist mein Leben.“ Was langjährige Weggefährten wie Rainer Franke bestätigen.

Es wird nur noch über Anwälte kommuniziert

Der Leonberger war von 2013 bis Mitte 2023 Präsident des Verbandes, und er ist voll des Lobes für den Mann, der in dieser Zeit sein wichtigster hauptamtlicher Mitarbeiter war. „Thomas Walter ist ein leidenschaftlicher Tischtennisspieler, Trainer und Funktionär – und ein akribischer Arbeiter. Er hat viele Ideen umgesetzt, tolle Veranstaltungen organisiert, Kinder begeistert und die Geschäftsstelle mit viel Empathie geführt, ohne auf die Arbeitszeit zu achten“, sagt Rainer Franke, „er genießt deutschlandweit ein sehr hohes Ansehen. Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass in der Führung des Verbandes mittlerweile nur noch über Anwälte kommuniziert wird, und ich kann erst recht nicht verstehen, dass man einen solchen Mann loswerden will. Das würde einen großen Verlust für den Tischtennissport bedeuten.“

Ausgangspunkt für die Querelen, um die es vor Gericht geht, war nach Recherchen unserer Zeitung eine Kündigung. Im Sommer 2022 verließ Markus Senft nach zehn Jahren als Stellvertreter von Thomas Walter den TTBW, um Leiter der Landessportschule in Albstadt zu werden. Der Versuch, einen Nachfolger zu finden, misslang: Es bewarb sich niemand mit einem geeigneten Profil, der bezahlbar gewesen wäre. Parallel dazu soll es im ehrenamtlichen Präsidium des Verbandes, in dem damals der im Februar 2024 verstorbene Frank Tartsch als Vizepräsident für die Finanzen zuständig war, Stimmen gegeben haben, die sich eine straffere hauptamtliche Führung wünschten.

Gabi Wendel ist im Stuttgarter Sport keine Unbekannte

Folglich wurde irgendwann kein stellvertretender Geschäftsführer mehr gesucht, sondern eine Person, die sich die Geschäftsführung mit dem für seine ruhige, verständnisvolle Art bekannten Thomas Walter teilt und bereit ist, die Geschicke des Verbandes mit härterer Hand zu lenken. Diesmal wurde der TTBW, der rund 85 000 Mitglieder hat, fündig: Am 1. März 2023 begann Gabi Wendel als Geschäftsführerin für Personal und Organisation.

Gabi Wendel ist im Stuttgarter Sport keine Unbekannte. Die Diplom-Verwaltungswirtin arbeitete lange für den SV Sillenbuch und war beratendes Mitglied des Sportausschusses im Stuttgarter Gemeinderat. Vor eineinhalb Jahren kehrte sie aus Hamburg zurück, dort hatte sie vier Jahre lang als Centermanagerin und Bereichsleiterin Abteilungssport im größten Breitensportverein der Stadt, dem Großflottbeker Tennis-, Hockey- und Golf Club (GTHGC), gearbeitet. Sie war gut drei Monate im Amt, als es beim TTBW zum Machtkampf kam.

Knapper Ausgang der Präsidenten-Wahl

Frank Tartsch, der zwischen 1993 und 2013 schon einmal Präsident war, wollte in dieses Amt zurück und trat gegen seinen Nachfolger Rainer Franke an. In einer Kampfabstimmung setzte sich Tartsch, der Manager des damaligen Frauen-Bundesligisten SV Böblingen, beim Verbandstag im Juni 2023 in Villingen-Schwenningen mit 103:89 gegen den Amtsinhaber durch.

Das hatte dem Vernehmen nach sehr schnell Folgen, denn Tartsch soll umgehend damit begonnen haben, seine Vorstellungen von Führung umzusetzen und einzufordern: Der Ton auf der Geschäftsstelle soll anschließend um einiges rauer und die Führung immer kompromissloser – manche Befragte sprechen von „erheblich autoritärer“ – geworden sein. Und die Entmachtung von Thomas Walter ging weiter.

In einer von Präsident Frank Tartsch unterzeichneten Pressemitteilung wurde am 10. Januar 2024 bekanntgegeben, dass Gabi Wendel zur Hauptgeschäftsführerin ernannt worden sei. Die neue Hierarchie wurde ein paar Wochen später dann auch unübersehbar zementiert: Besucher der Geschäftsstelle trafen Thomas Walter, als Vize-Geschäftsführer nur noch für Sportentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, nun nicht mehr im gemeinsamen Büro mit Gabi Wendel an. Sein ihm zugewiesener Arbeitsplatz befindet sich jetzt im Eingangsbereich.

Keine Auskunft zu Personalangelegenheiten

Aktuell scheint er dort allerdings nicht am Schreibtisch zu sitzen. Auf eine Gesprächsanfrage per E-Mail an Thomas Walter folgte prompt die Antwort, dass er „bis auf Weiteres“ nicht im Büro sein werde – ohne Terminangabe, wann mit seiner Rückkehr zu rechnen sei. E-Mails mit dem selben Inhalt gingen auch an Gabi Wendel und Horst Haferkamp, der seit dem Tod von Frank Tartsch das TTBW-Präsidium führt. Zunächst stellten die beiden ein Gespräch in Aussicht, später folgte die Bitte, Fragen schriftlich einzureichen. Beantwortet wurden diese nicht. Gabi Wendel schrieb lediglich: „Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass wir uns zu Personalangelegenheiten nicht äußern.“

Auch Thomas Walter wollte zu den Geschehnissen auf der Geschäftsstelle und zum bevorstehenden Gütetermin auf telefonische Nachfrage nichts sagen. Am 10. Oktober werden beide Parteien deutlich auskunftsfreudiger sein müssen – beim Wiedersehen vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht.

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