Da kann sich Deutschlands Tischtennis-Legende Timo Boll eine Scheibe abschneiden. Zweifelsohne hat Boll mehr Titel und Medaillen errungen als Joachim Hartmann aus Zuffenhausen. Aber „Joe“, wie ihn alle in der Stuttgarter Szene nennen, ist 68 Jahre alt, und absolviert immer noch Punktspiele – derzeit für die dritte Mannschaft des TTC im TV Zuffenhausen in der Kreisliga A im Bezirk Stuttgart. Boll hat seine erfolgreiche Karriere im Juni vergangenen Jahres nach dem Playoff-Finale in Frankfurt beendet. Als der siebenfache Olympiateilnehmer und langjährige Weltranglistenerste geboren wurde, hat Joe Hartmann seine bereits achte Saison absolviert und feierte gerade mit seinem Team die Meisterschaft samt Aufstieg in die Bezirksklasse.
Joe Hartmann mit 373 Punktespiele hintereinander
Und so ging es weiter: 373 Punktspiele hintereinander ohne Unterbrechung hat Hartmann von 1973 bis 1993 absolviert. Doch dann riss am Ende der Vorrunde der Saison 93/94 die Serie plötzlich, denn eine andere Liebe war stärker: Hochzeit und Flitterwochen in Neuseeland. „Es war halt die erste große Reise nach dem Studium. Aber dadurch hab ich nur fünf Spiele verpasst“, sagt Hartmann und grinst. Kennengelernt hat er seine Frau Cornelia zwar auch beim Sport, aber nicht beim Tischtennis. „Ich hab seinerzeit bei der Tanzschule Schicki Rock’n’Roll getanzt, sie Standard und Latein. Bei einem Turnier, bei dem wir beide Zuschauer waren, hat es dann gefunkt.“
Doch auch durch die Zweisamkeit hat sich nichts geändert. Hartmann bleibt dem Mannschaftssport verschrieben. „Da gab es auch nie irgendwelche Diskussionen.“ Regelmäßiges Training und Spieltage sind Ehrensache, findet Hartmann, und lebt es vor. „Und so plane ich meine Urlaube eben nach der Tischtennis-Saison, logisch.“ Und auch da hat er oft einen Schläger in der Hand, denn einst bei den Flitterwochen hat das Ehepaar Hartmann die Sportart Golf entdeckt und Joe (Handicap 18) zeigt auch dabei den entsprechenden Ehrgeiz. „Wettkampf reizt mich einfach nach wie vor. Und wenn man dann ein Erfolgserlebnis hat, das gibt einem schon so ein erhabenes Gefühl“.
Vereinswechsel war für Joe Hartmann nie ein Thema
Auch nachdem die Serie einmal gerissen war, hat er nur wenige Spiele verpasst. Der 68-jährige Versorgungstechnik-Ingenieur gehört zum Inventar des Vereins und spielt derzeit seine 53. Saison am Stück, was mehr als 1000 Pflichtspieleinsätze bedeutet. Und es ist kein Ende in Sicht. „Für mich ist das ein schöner Ausgleich zum Bürojob. Und der Zusammenhalt und die Geselligkeit sind mir wichtig.“ Aber er vermisst die alten Zeiten schon ein bisschen. Früher ging es nach den Spielen immer noch gemeinsam fort – meistens in die jugoslawische Gaststätte Kirchtal in der Markgröninger Straße. „Wenn freitags der Spielabend länger dauerte, haben wir einfach angerufen, damit die Küche noch länger offen bleibt. So etwas gibt es ja heute nicht mehr“, sagt Hartmann. Was es heute auch immer weniger gebe, ist die Hingabe zum Mannschaftssport. „Da sind Geburtstage oder Partys wichtiger. Und manchmal muss ich den Jüngeren im Training sagen, dass Tischtennis ein Bewegungssport ist“, sagt Hartmann und lacht. Ein Vereinswechsel kam ihm in all den Jahren nie in den Sinn. „Einmal Zuffenhausen, immer Zuffenhausen. Ich war ja auch nie der Überflieger. Der TTC ist eben meine sportliche Heimat.“ Seinen alten Spielerpass hat er auch noch. Von 1971. Unterschrieben von Gerd Raff, der die Abteilung am 13. Mai 1967 als 13-jähriger gründete und 1972 in den TV 89 Zuffenhausen integrierte. Spielort war seinerzeit die Garage der Malerwerkstatt von Papa Raff. Nächstes Jahr wird Gerd Raff 60 Jahre lang ohne Unterbrechung Abteilungsleiter sein. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.