Tod dreier Arbeiter in Horb Baukonzern Porr immer wieder in der Kritik
Die neue Neckartalbrücke sorgte wegen Verzögerungen und höheren Kosten für Kritik. Nun starben drei Menschen auf der Baustelle von Porr. Wie der Konzern sich dazu äußert.
Die neue Neckartalbrücke sorgte wegen Verzögerungen und höheren Kosten für Kritik. Nun starben drei Menschen auf der Baustelle von Porr. Wie der Konzern sich dazu äußert.
Nach dem tödlichen Arbeitsunfall in Horb am Neckar (Landkreis Freudenstadt), bei dem drei Männer im Alter zwischen 40 und 46 Jahren starben, stellt sich nicht nur für die Ermittlungsbehörden die Frage, wie es zu dem Unfall kommen konnten. Nachdem sich in den vergangenen Monaten immer wieder kritische Stimmen zu Wort gemeldet hatten, stellt sich nun auch die breite Öffentlichkeit der Frage: Was ist los auf dieser Baustelle? Ersten Erkenntnissen zufolge war die Gondel mit den drei Arbeitern wegen eines gerissenen Stahlseils in die Tiefe gestürzt. Die Männer starben noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte.
In Horb entsteht derzeit eine große Hochbrücke über dem Neckartal, die den Ort künftig vom Verkehr der A81 entlasten soll. Das Projekt ist seit Jahren geplant, doch die Fertigstellung wurde mehrfach verschoben – und die Kosten stiegen erheblich, wie unsere Zeitung berichtete. Vor einem halben Jahr teilte das Regierungspräsidium Karlsruhe mit, dass die Brücke nicht wie ursprünglich vorgesehen 2026, sondern erst im Jahr 2030 fertiggestellt werde. Grund dafür sei die aufwendige Herstellung des Überbaus, wie der zuständige Baukonzern Porr damals erklärte.
Immer wieder geriet das Bauunternehmen in der Vergangenheit in die Kritik. Dabei stand auch der Vorwurf im Raum, die Baufirma habe den Auftrag bewusst zu einem niedrigen Preis ergattert, um dann nachträglich die Kosten zu erhöhen. Fassungslos zeigten sich gegenüber unserer Zeitung damals sowohl Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU) als auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). „Das konnte ich kaum glauben“, sagte er damals über die Verzögerung.
Doch inzwischen geht es in Horb neben steigenden Kosten und fehlender Termintreue um den Tod dreier Arbeiter. Wie der Konzern damit umgeht? In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion zeigt sich das Unternehmen betroffen: „Wir sind zutiefst bestürzt über dieses tragische Ereignis. Unsere Gedanken sind bei den Verstorbenen sowie ihren Angehörigen, Freunden und Kollegen.“
Die Arbeiten auf der Baustelle seien bis auf Weiteres eingestellt – mindestens für die Dauer der laufenden Ermittlungen, voraussichtlich für eine Woche. Psychologen stünden vor Ort dem Team zur Verfügung. Man werde die Ermittlungsbehörden in vollem Umfang bei der Aufklärung des Vorfalls unterstützen, hieß es weiter.