Nicht funktionierende und geschlossene Toiletten in Nahverkehrszügen im Land sind ein anhaltendes Ärgernis für Matthias Lieb. Er kümmert sich seit Oktober 2023 im Auftrag des Landes bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) als Qualitätsanwalt um die Belange der Fahrgäste. Das Thema Toiletten in den Zügen beschäftigt ihn seit dem ersten Tag im Amt.
Trauriger neuer Tiefpunkt in der langen Leidensgeschichte: am Montagabend stand eine Frau in einem Regionalzug von Karlsruhe nach Stuttgart vor verschlossenen Toilettentüren und schickte sich schließlich an, ihre Notdurft in der 1. Klasse zu verrichten. Matthias Lieb weiß von dem Vorgang. „Wenn die Toiletten einfach nicht zur Verfügung stehen, kann es schon mal zu solchen Eskalationen kommen“, sagt er ohne das Verhalten der Frau verteidigen zu wollen, die nach dem Vorfall laut Polizei aufgrund ihres Zustandes in eine Klink gebracht wurde.
Vom besonders krassen Einzelfall abgesehen, neigt sich Liebs Geduld mit den verschiedenen Bahnunternehmen, die im Auftrag des Landes die Regionalzüge in Baden-Württemberg betreiben, dem Ende zu. „Ich habe langsam kein Verständnis mehr“, sagt er. Er fühle sich an der Nase herumgeführt. Seit seinem Amtsantritt vor rund zweieinhalb Jahren begegnet ihm das Problem mit geschlossenen Zugtoiletten immer wieder. In seinem Jahresbericht für 2024 widmet Lieb dem Thema ein eigenes Kapitel. In dem berichtet er von einem eigens eingerichteten regelmäßigen Gesprächsformat mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Bei diesem als Toilettengipfel apostrophierten Gesprächen wurden die Ver- und Entsorgungseinrichtungen als Schwachpunkt identifiziert. Daran habe man gearbeitet, so Lieb und nennt als Beispiel neue Anlagen in Heilbronn.
Lieb kritisiert, dass nach seinen Beobachtungen die Bahngesellschaften zum Teil keinen Überblick über die Funktionsfähigkeit der Toiletten in den einzelnen Zügen hätten. Das würde zum einen eine gegebenenfalls notwendige Reparatur verzögern. „Und zum anderen fehlen dann entsprechende Hinweise in den Fahrplanmedien, dass Toiletten aktuell nicht oder nur eingeschränkt zu Verfügung stehen“. Eine solche Information sei aber für Reisende unerlässlich – um gegebenfalls noch vor Fahrtantritt am Bahnhof eine Toilette aufsuchen zu können. In seinem Jahresbericht empfiehlt Lieb das Thema Ver- und Entsorgung der Toiletten bei künftigen Ausschreibungen von Verkehrsverträgen stärker zu berücksichtigen.