Topspiel der Fußball-Landesliga SKV Rutesheim: Marcel Held – der heimliche Trumpf gegen Löchgau

Auf und davon: Marcel Held (re.) enteilt im Derby gegen den SV Leonberg/Eltingen seinen Gegenspielern Fabian Kern (li.) und Finley Strahl. Foto: Andreas Gorr

Gipfelduell zwischen Liga-Primus SKV Rutesheim und dem Zweiten FV Löchgau: Marcel Held hat für beide Clubs gespielt – er erhielt die Attribute „Königstransfer“ und „unkaputtbar“.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

„Der Mann ist gefühlt unkaputtbar.“ Das sagt Pascal Haug, der Sportdirektor der SKV Rutesheim, über Marcel Held. Unabsteigbar, das war vor Jahrzehnten der VfL Bochum in der Fußball-Bundesliga, unkaputtbar ist der Mittelfeldmann heute in der Landesliga, weil „ich selten verletzt bin, weil ich auf die Zähne beißen kann und immer bereit bin, den letzten Schritt zu gehen, auch wenn er weh tut“, beschreibt Marcel Held seinen Fußball-Charakter.

 

Den Ruf des Durchbeißers, des unaufhaltsamen Kämpfers, hatte sich der 21-Jährige erworben, als er als A-Junior bereits bei den Aktiven des FV Löchgau spielte, wo Pascal Haug Co-Trainer war. Held plagten eine halbe Saison heftige Hüftschmerzen, weil bei Hüftkopf und Gelenkpfanne Knochen auf Knochen schliffen, sodass der Kerl einen Sponsorenvertrag mit Ibuprofen hätte abschließen können. „Ich hatte große Schmerzen, habe aber die Saison durchgezogen und mich danach operieren lassen“, erzählt er.

Marcel Held trifft auf Ex-Verein FV Löchgau

Der eine oder andere aus dem Kader des FV Löchgau dürfte sich daran erinnern, Marcel Held spielte bis Sommer 2024 bei dem Club nahe des Erlebnisparks Tripsdrill, bevor er gen SKV Rutesheim zog – an diesem Freitag (19 Uhr) steht das Spitzenspiel auf dem Kunstrasenplatz an, der den einprägsamen, aber wenig pittoresken Namen Artinger-Stahlrohr-Stadion trägt. Der Zweite Löchgau empfängt den Primus Rutesheim. „Flutlicht, Freitagabend, Topspiel – für diese Dinge liebt man Fußball“, freut sich Marcel Held auf das Gipfeltreffen und sagt: „Die Hälfte des Teams kenne ich noch. Aber im Grunde habe ich kaum noch Kontakt zum FV.“

Ende 2023 kämpfte der junge Marcel Held (re.) mit seinem heutigen Teamkollegen Joshua Schneider (Mi.) um den Ball – im folgenden Sommer wechselte er zur SKV. Foto: Pressefoto Baumann

Die SKV lockte den Kicker, der in Renningen wohnt und arbeitet, erstmals 2023 zum Sportpark Bühl, doch Held sagte ab; Versuch Nummer zwei ein Jahr später wollte er sich nicht mehr widersetzen, weil er die Tage des Kilometer-Fressens von Renningen nach Löchgau satt hatte – und weil die SKV ihm eine rosige Zukunft aufzeichnete. „Es gab viele gute Gründe“, erzählt der 21-Jährige. Als der Wechsel eingetütet war, nannte Marcel Dußling ihn in Social Media den „Königstransfer“. „Ich hab’s auch gelesen“, erzählt Marcel Held, „und ich fühlte mich schon geschmeichelt.“ Keine Frage, das Urteil stammt von einem Fachmann. Der Leonberger Dußling, vor einem Vierteljahrhundert Fußball-Chef beim damaligen Regionalligisten TSF Ditzingen, ist ein profunder Kenner des Fußballs in der Region.

Von Anfang an Dauerbrenner bei der SKV Rutesheim

Und der so in den Fußball-Hochadel erhobene Kicker enttäuschte das Gefolge im Sportpark Bühl nicht. In der Spielzeit 2024/2025 absolvierte er 28 Partien (2005 Spielminuten), in dieser Saison stand er in jeder Begegnung auf dem Spielfeld (2190 Minuten), nur im Derby gegen den SV Leonberg/Eltingen schickte Trainer Christopher Baake den Mittelfeld-Arbeiter nicht in der Startformation aufs Spielfeld. Dafür erzielte Held hier eines seiner drei Saisontore, woraus aber niemand schlussfolgern sollte, dass der Bursche als Joker tauge. Den Mann auf der Sechser-Position zeichnen andere Eigenschaften aus, wie Sportdirektor Pascal Haug aufzählt: „Bei Marcel bekommt der Ausdruck Fußball zu arbeiten eine personifizierte Bedeutung. Er ist enorm fleißig und giftig in den Zweikämpfen.“

Marcel Held (Mi.) nimmt es gegen den FSV Waiblingen mit vier Gegenspielern auf. Foto: Günter Schmid

Marcel Held trägt die Lust zum Fußball im Blut. Bei der SpVgg Renningen erlernte er das kleine Einmaleins des Balls, in der Jugend trug er die Farben des VfB Stuttgart und des damaligen Zweitligisten SV Sandhausen („ich bin über ein Probetraining zum SVS gekommen, mein Vater hat mich über Jahre drei, vier Mal pro Woche hingefahren“), bevor er zu den A-Junioren des FV Löchgau stieß. Der Mittelfeldmann hat bereits in jungen Jahren bei Proficlubs reingeschnuppert, die Landesliga soll für ihn nicht das Ende der Fahnenstange darstellen. „Ich gebe alles, um mal höherklassig zu spielen“, betont er.

Held tippt einen 2:1-Sieg der SKV

Vielleicht ja schon in der neuen Saison in der Verbandsliga mit der SKV Rutesheim – mit einem Sieg beim FV Löchgau könnte sein Team die Weichen entscheidend auf Richtung Meisterschaft und Aufstieg stellen. „Mein Tipp: Wir gewinnen 2:1“, sagt Marcel Held. Er wird sich am Freitag dafür zerreißen. Oder nur fast: Er ist ja unkaputtbar.

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