Torhüter des VfB Stuttgart Vorgänger von Dennis Seimen - welche Eigengewächse landeten im VfB-Tor?
Dennis Seimen ist nicht das erste Torwart-Toptalent beim VfB Stuttgart. Doch nicht alle haben den Sprung ins VfB-Tor geschafft. Ein Überblick.
Dennis Seimen ist nicht das erste Torwart-Toptalent beim VfB Stuttgart. Doch nicht alle haben den Sprung ins VfB-Tor geschafft. Ein Überblick.
Beim VfB Stuttgart ist die Entscheidung gefallen: Dennis Seimen wird zur kommenden Saison die neue Nummer eins im Tor. Zuvor hatte es noch einmal einige interne Diskussionen gegeben, ob man dem 20-Jährigen, der zuletzt auf Leihbasis Stammkeeper beim SC Paderborn in der zweiten Liga war, die Aufgabe in der Bundesliga und in der Champions League zutraut.
Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass über Torwarttalente beim VfB Stuttgart diskutiert wird. Schon viele wurden hoch gehandelt, manchen standen dann auch in der heutigen MHP-Arena im Kasten. Aber nicht jede Karriere fand nach der Juniorenzeit in Stuttgart ihre Fortsetzung. Wir blicken auf die eine oder andere Laufbahn eines Eigengewächses der VfB-Torwartschule zurück.
Helmut Roleder Als 15-Jähriger wechselte der heute 72-Jährige einst vom SV Ebersbach zum VfB. 1972 rückte er zur ersten Mannschaft auf, schon kurz darauf bestritt er sein erstes Bundesligaspiel. Stammkeeper wurde er nach dem Abstieg des VfB 1975 - und blieb es bis zum Ende der Spielzeit 1985/1986. 280-mal stand Roleder in der Bundesliga im VfB-Tor.
Eberhard Trautner In der Zeit von Helmut Roleder als Stammkeeper des VfB wechselte das Torwarttalent Eberhard Trautner nach Stuttgart. Er hatte bis 1981 in der Jugend der SpVgg Ludwigsburg und des FSV Oßweil gespielt. Auch „Ebbo“ Trautner wurde Profi beim VfB (1986) - aber nie zur Nummer eins befördert. Erst war er Ersatzmann hinter Eike Immel, später hinter Marc Ziegler und Franz Wohlfahrt. Dennoch verließ Trautner den VfB als Spieler nie, wurde nach seiner Karriere Torwarttrainer.
Marc Ziegler Als 18-Jähriger kam der heute 49-Jährige vom 1. FC Saarbrücken zum VfB. 1995 wurde er zur Nummer eins - allerdings nur für eine Saison, dann entzog man dem Schlussmann das Vertrauen und holte den Österreicher Franz Wohlfahrt. 1999 verließ Ziegler den VfB. Beim FC Tirol und Hannover 96 war er je eine Zeit lang die Nummer eins, ansonsten war er meist Ersatzkeeper - auch, als er später noch einmal zum VfB zurückkehrte. Im Februar 2011 sollte er eigentlich Sven Ulreich im VfB-Tor ablösen, zog sich aber gleich im ersten Spiel eine Gehirnerschütterung zu. Damit war der Torwarttausch nach 52 Minuten wieder beendet.
Markus Miller Als Jugendlicher kam Markus Miller 1997 zum VfB, für den er nach der Zeit bei den Junioren in der Regionalliga zum Einsatz kam. Nummer eins in Stuttgart war damals Timo Hildebrand. Miller ging 2002 zum FC Augsburg und ein Jahr später zum Karlsruher SC, bei dem er bis 2010 blieb und die Nummer eins war. Es folgte eine weitere Station bei Hannover 96. 123 Zweitliga- und 61 Bundesligaspiele hat Miller bestritten.
Diego Benaglio Der Schweizer war 18 Jahre alt, als er 2002 vom Grashopper Club Zürich zum VfB kam. Er absolvierte beim VfB zunächst 37 Spiele für die zweite Mannschaft in der Regionalliga. Zudem war er Ersatzmann bei den Profis hinter Timo Hildebrand. 2005 verließ Benaglio den VfB, ging für drei Jahre nach Portugal, ehe er Stammkeeper beim VfL Wolfsburg wurde. 2009 feierte er dort sensationell die deutsche Meisterschaft. Auch in der Schweizer Nationalmannschaft war er lange die Nummer eins.
Timo Hildebrand 1994 wechselte der spätere Meister-Keeper vom FV Hofheim in die U 17 des VfB Stuttgart. Im November 1999 debütierte er in der Bundesliga. Ab der Saison 2000/2001 war er Stammkeeper als Nachfolger von Franz Wohlfahrt. Das blieb er bis zu seinem Abschied nach der Meisterschaft 2007 zum FC Valencia. Bundesligaspiele bestritt Hildebrand später auch noch für die TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und den FC Schalke 04. Zudem war er die deutsche Nummer drei bei der WM 2006.
Sven Ulreich Bereits als Zehnjähriger wechselte Sven Ulreich vom TSV Schornbach in die VfB-Jugend. Nach dem Abschied von Timo Hildebrand wurde 2007 zunächst Raphael Schäfer neue Nummer eins, aber schon in jener Saison kam Ulreich auf elf Bundesligaeinsätze. Danach setzte der VfB auf Jens Lehmann, ehe Ulreich 2010 Stammtorhüter wurde - und es bis 2015 blieb. Als Ersatzmann von Manuel Neuer steht der heute 37-Jährige seitdem beim FC Bayern unter Vertrag und feierte zahlreiche Titel. 243 Bundesligaspiele hat er bisher bestritten.
Bernd Leno Er war gerade einmal elf Jahre alt, als der spätere Nationaltorhüter von Germania Bietigheim zum VfB kam. Für die Stuttgarter spielte er 57-mal in der dritten Liga - dann war die Frage: Sven Ulreich oder Bernd Leno? Beim VfB entschied man sich für den vier Jahre älteren Ulreich und verlieh Leno zunächst zu Bayer Leverkusen, das den damals 19-Jährigen zur Nummer eins machte. Wenig später wurde Leno - auch unter finanziellem Druck - nach Leverkusen verkauft. Nach 233 Bundesligaspielen wechselte Leno 2018 in die englische Premier League, wo er bislang 251 Partien für den FC Arsenal und den FC Fulham bestritten hat.
Odisseas Vlachodimos Vom VfL Wangen kommt der gebürtige Stuttgarter als Achtjähriger 2002 zum VfB. Von 2013 bis 2015 ist der Keeper mit den griechischen Wurzeln Stammtorhüter in der dritten Liga. Als Sven Ulreich den VfB verlässt, setzt die sportliche Leistung aber nicht auf Vlachodimos, sondern verpflichtet Przemyslaw Tyton und Mitch Langerak. Ein Jahr später geht Vlachodimos zu Panathinaikos Athen, 2018 zu Benfica Lissabon, wo er bis 2023 bleibt und auch zum griechischen Nationalkeeper wird. In der vergangenen Saison war er von Newcastle United an den FC Sevilla ausgeliehen.
Marius Funk Der heute 30-Jährige kehrt zur kommenden Saison zum VfB zurück, den er 2016 verlassen hatte. Nachdem er in der B- und A-Jugend noch Stammkeeper gewesen war, ging der Weg nach oben nicht weiter. Funk wurde Nummer eins bei der SpVgg Greuther Fürth, beim FC Ingolstadt und bei Energie Cottbus.
Nun also nimmt Dennis Seimen einen Anlauf, sich als Eigengewächs des VfB in der Profimannschaft als Nummer eins zu etablieren. Er kam als Zehnjähriger zum VfB, mittlerweile hat er je ein Jahr in der Regionalliga, in der dritten Liga und in der zweiten Liga samt erfolgreicher Relegation hinter sich. In seinem Windschatten rückt schon das nächste Torwarttalent des VfB nach: Florian Hellstern soll vorerst verliehen werden.