Am Abend zog der närrische Zug noch ausgelassen durch Unterbrüden, am nächsten Morgen wurde ein 39-Jähriger tot im Brüdenbach gefunden. Foto: Kevin Lermer/Blaulichtzentrale.de
Noch in der Nacht herrschte ausgelassene Stimmung, wenige Stunden später der Schock. Ein Teilnehmer des Faschings stirbt auf dem Heimweg – das Dorf ringt um Worte.
Besen kratzen über Asphalt, leer getrunkene Dosen klappern in Säcken, der Geruch von kaltem Glühwein hängt noch in der Luft. Es ist Sonntagmittag in Auenwald, Ortsteil Unterbrüden. Wo am Vorabend noch Hexen heulten, Trommeln dröhnten und das Narrentreiben tobte, fegt jetzt ein Trupp Freiwilliger die Spuren der Nacht weg. Ein Mann, der anonym bleiben möchte, zieht sich die Kapuze über den Kopf. „Wir haben gar nichts mitbekommen“, murmelt er. Jetzt trifft die Nachricht alle wie ein Faustschlag.
Wie das Polizeipräsidium Aalen mitteilt, wurde am Sonntag gegen 9 Uhr morgens ein lebloser Mann im Brüdenbach entdeckt – direkt bei der Auenwaldhalle, wo der nächtliche Brauchtumsabend geendet hatte. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des 39-Jährigen feststellen. Hinweise auf ein Verbrechen? Fehlanzeige. Die Kripo geht von einem tragischen Unglücksfall aus.
Tragischer Sturz: Faschingsteilnehmer ertrinkt im Brüdenbach
Die Ermittlungen zeichnen ein düsteres Bild: Der Mann war, so die Polizei, Teil des nächtlichen Faschingstreibens – der Umzug mit seinen über 70 Gruppen, düsteren Masken, flackernden Fackeln und donnernden Guggenklängen – hatte ihn noch am Abend durch das halbe Dorf begleitet. Offenbar war er auf dem Heimweg, als er nahe der Halle eine Böschung hinabstürzte. Drei Meter tief. Direkt in den eiskalten Bach.
Die Rettungskräfte konnten einen 39-Jährigen nur noch tot aus dem Brüdenbach bergen. Foto: Blaulichtzentrale/Kevin Lermer
In den sozialen Netzwerken ist die Botschaft noch gar nicht angekommen. Die Narrenzunft Auenwald hatte das Event mit viel Herzblut vorbereite. „Die Stimmung war überwältigend“, berichten Besucher. „Ein echtes Erlebnis.“ Dass sich das nächtliche Spektakel jetzt mit einer Tragödie paart, lässt viele sprachlos zurück.
Fasching mit bitterem Nachgeschmack
Noch am Samstagabend waren die Schbiallomba-Schlotzer durch Unterbrüden gezogen, begleitet von flackerndem Licht, Maskentanz und ausgelassener Fröhlichkeit. Der Brauchtumsabend im Partyzelt neben der Auenwaldhalle, DJ Stippy an den Reglern, „die längste Theke Auenwalds“ – alles schien perfekt. Und dann das.
Jetzt ist es still geworden in Unterbrüden. Zwischen dem letzten Konfetti und dem Rauschen des Bachs hallt die Erkenntnis nach: Das Leben ist ein fragiles Spiel – auch in der fünften Jahreszeit.