Eingefahrene Strukturen, Mängel und Potenziale im Unternehmen zu erkennen, darum geht es bei der von bwcon begleiteten „Open Innovation Challenge“. Die Mitarbeiter der EnBW Tochter „TransnetBW“ haben sich auf die Challenge eingelassen. Mit Erfolg. 

Stuttgart – „Uns ging es darum, unsere Innensicht zu erweitern. Wenn man lange in einem Unternehmen arbeitet, helfen externe Impulse den Blick zu weiten und Dinge zu hinterfragen“, stellt Fatma Karatay fest und beschreibt damit ein Phänomen, das sowohl Unternehmen aber auch die Mitarbeitenden nur allzu gut kennen. Prozesse werden fortgeführt, „weil man es schon immer so gemacht hat“, und Mängel, aber auch Potenziale werden übersehen. Diese sogenannte Betriebsblindheit ist Karatay mit ihrem Projekt-Team bewusst angegangen – die Lösung brachte ein „Open Innovation“-Prozess.

Bei der Open Innovation Challenge Transnext der TransnetBW ging es darum, auf eine betriebsinterne Fragestellung eine externe, frische Perspektive zu erhalten. Nachdem die Ausgangslage und das Ziel festgelegt wurden, ließen verschiedene Teams ihrer Kreativität freien Lauf. Sie entwickelten dabei unterschiedlichste Lösungsansätze, die vor einer Jury präsentiert wurden. Begleitet wurde der gesamte Prozess von bwcon im Herbst 2021.

Drei Monate nach Abschluss der Open Innovation Challenge blickt Fatma Karatay auf den Prozess zurück.

Frau Karatay, bitte stellen Sie sich und die TransnetBW kurz vor

TransnetBW ist Übertragungsnetzbetreiberin in Baden-Württemberg und eine hundertprozentige Tochter der EnBW. Wir sorgen für Betrieb, Instandhaltung, Planung und den bedarfsgerechten Ausbau des Stromtransportnetzes. Einfach formuliert: Unser Netz ist die Autobahn für Strom und stellt damit die Energieversorgung im Land sicher.

Zu meiner Person: Ich bin jetzt seit drei Jahren im Bereich Technologie und Unternehmensentwicklung bei TransnetBW tätig und verantwortlich für das Innovationsmanagement, unter anderem auch für unseren Innovationsprozess, den wir Transnext nennen.

Im vergangenen Jahr hat die TransnetBW mit Transnext eine Open Innovation Challenge durchgeführt. Was war der Anlass dafür?

Wir verstehen uns als modernen Arbeitgeber und innovative Übertragungsnetzbetreiberin. Wir haben mit der Energiewende eine der größten Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Da sehen wir es als unsere Pflicht, uns stetig zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Uns ging es darum, unsere Innensicht zu erweitern. Wenn man lange in einem Unternehmen arbeitet, helfen externe Impulse den Blick zu weiten und Dinge zu hinterfragen. Auf Dinge, von denen wir sagen, sie gehen nicht, schauen externe Personen aus einer anderen Perspektive hin und sagen vielleicht, es geht doch!

Bei einem Innovationsprozess ist die Bandbreite an Themenfeldern sehr groß. Es können komplett neue Geschäftsfelder exploriert werden oder die Ideenentwicklung findet im bestehenden Geschäftsfeld statt. Welchen Fokus haben Sie für den Prozess festgelegt?

Wir haben das Themenfeld bewusst eingeschränkt, um die Wahrscheinlichkeit der nachfolgenden Umsetzung zu erhöhen. Das heißt, wir haben die Ideen nicht auf der komplett grünen Wiese entwickeln lassen. Wichtig war uns auch, dass wir nahe am Kerngeschäft bleiben. So sind wir zu der Fragestellung gekommen, wie wir die Systemsicherheit und -stabilität auch über das Jahr 2050 sicherstellen können.

Wenn Sie auf den gesamten Prozess zurückblicken, was waren für Sie die besonderen Erlebnisse und vielleicht auch persönlichen Lernmomente?

Ich hatte im Vorfeld einige offenen Fragen, wie etwa, ob sich die Teams überhaupt finden werden, da wir bei der Auswahl der Teilnehmenden festgelegt hatten, dass es um die Motivation geht und nicht um die Expertise der Bewerbenden. Das Gute: Diese Befürchtungen hatten sich direkt beim ersten Workshop-Tag in Luft aufgelöst, weil die Teilnehmenden sehr schnell zueinander gefunden haben. Die Atmosphäre war super und spätestens beim zweiten Workshop-Tag war gar nicht mehr ersichtlich, wer von extern und wer von TransnetBW war.

Wie endete die Open Innovation Challenge und was ist seit dem Pitch Day am 12. November 2021 passiert?

Der Plan war eigentlich, dass der Open Innovation-Prozess mit der Auslobung eines Gewinner-Teams endet und dass im Anschluss alle Ideen auf die Umsetzbarkeit untersucht werden. Letztendlich war es aber so, dass die Jury-Mitglieder von einer Idee, der „StromWaage“, so begeistert waren, dass schon klar war, dass dieses Thema auf jeden Fall umgesetzt werden wird. Gesagt, getan – das StromWaage-Team überführt im Moment das entwickelte Konzept in eine testfähige Demo-Version. Wir sind alle sehr gespannt, wie es hier weitergeht.

Was ist Ihr persönliches Fazit?

Wir haben die Teilnehmenden sehr gut kennengelernt und sie haben uns rundum überzeugt und begeistert. Anders herum hoffen wir, dass auch wir als TransnetBW die Teilnehmenden mit unserer Challenge begeistern konnten. Eine externe Teilnehmerin des Sieger-Teams wird voraussichtlich sogar bei uns über das Thema promovieren. Und genau das war ja auch Sinn und Zweck der Challenge, dass die externen Teilnehmenden ein Angebot bekommen, bei uns einzusteigen. Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass wir wirklich sehr gutes internes als auch externes Feedback zu dem Prozess und tolle Unterstützung vom Team der bwcon bekommen haben. Das war ein erfolgreicher Prozess und wir können es kaum erwarten, an den Erfolg wieder anzuknüpfen.

Info: Eine „Open Innovation Challenge“ ist ein offener Ideenwettbewerb. Ziel des Wettbewerbs ist, in interdisziplinären Teams innovative Lösungen mit Blick auf ein ausgewähltes Schwerpunkt-Thema zu entwickeln, um möglichst viele verschiedene Perspektiven und Lösungsansätze zur Problemstellung zu finden.