Trauer um Radiolegende „Unsagbar schlau und witzig“: Weggefährten erinnern sich an Matthias Holtmann

Matthias Holtmann im jahr 2018 bei „Pop & Poesie“ auf dem Schlossplatz. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Tod von Matthias Holtmann löst tiefe Trauer und unzählige Reaktionen aus. Die Radiolegende starb am Sonntag mit 75 Jahren daheim in Esslingen. Die Todesursache ist nun bekannt.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die deutsche Radiowelt trauert um eine ihrer markantesten Stimmen: Der Tod von Matthias Holtmann am vergangenen Sonntag daheim in Esslingen, wo er zuletzt lebte, sorgt für zahlreiche Reaktionen, große Bestürzung und erweckt zugleich schöne Erinnerungen an einen ganz Großen seiner Branche.

 

Für unzählige Menschen war Holtmann über Jahrzehnte hinweg ein vertrauter Begleiter durch den Alltag – mit seiner schnoddrigen Art, seinem frechen Witz und seiner großen Leidenschaft für Musik. 2015 hatte er zum letzten Mal bei SWR 1 moderiert, war mit 65 Rente gegangen, aber auch danach vielfach in der Öffentlichkeit aufgetreten, ob mit dem Format „Pop & Poesie“, das er erfunden hat, oder als Aufklärer über die Krankheit Parkinson, an der er litt und offen damit umging.

Seine Familie hat unserer Redaktion nun mitgeteilt, woran Matthias Holtmann gestorben ist. Auch wenn er aufgrund seiner Erkrankungen eingeschränkt leben musste, kam der Tod für seine Angehörigen überraschend. Am vergangenen Freitag war er nach einem Krankenhausaufenthalt in sein Zuhause zurückgekehrt und guter Dinge. Erneut war ihm ein Stent eingesetzt worden. Am Sonntag ist er an Herzversagen gestorben, wie ein Arzt festgestellt hat.

„Für viele Boomer war er ein Fixpunkt“

Weggefährten, Kolleginnen und Kollegen sowie Hörerinnen und Hörer äußern in den sozialen Medien oder in Mails an unsere Redaktion ihre Anteilnahme. Sie würdigen einen Mann, der die Radiolandschaft geprägt hat. Der Anwalt Jörg Richardi sagt, Holtmann sei für „viele Boomer ein Fixpunkt“ gewesen. Er danke ihm sehr – „leider nun posthum“. Jürgen Schlensog, Promoter der Jazz Open, erklärt, „Matze“ solle nun „fliegen“. Er dankte ihm für seine „Liebe zur Musik und seinen unbesiegbaren Optimismus.

SWR-1-Moderatorin Stefanie Anhalt mit Matthias Holtmann. Foto: SWR

Radiokollege Rainer Nitschke erinnert daran, dass er und Holtmann gut befreundet gewesen seien. Als dieser beim damaligen SDR angefangen habe, hätten sie als Musikredakteure längere Zeit ein gemeinsames Büro geteilt. „Es war eine tolle Zeit“ schreibt der 78-jährige Nitschke, „ich habe viele schöne Erinnerungen an ihn und bin sehr traurig, dass er so früh gehen musste.“

„Wir verlieren mit Matthias Holtmann eine echte Radiolegende. Mit der früheren Popwelle SDR 3 hat er das Lebensgefühl des ,Wilden Süden’ repräsentiert und gleichzeitig geprägt“, sagt SWR-Intendant Kai Gniffke zum Tode Holtmanns. „So wurde er nicht nur zu einem der beliebtesten SWR Moderatoren, sondern auch zum Vorbild vieler junger Journalistinnen und Journalisten.“ Matthias Holtmann habe es auf einzigartige Weise verstanden, auf seine Gäste und seine Hörer mit der ihm eigenen Schlagfertigkeit einzugehen. „Seine Kreativität, seinen Humor und seine Leichtigkeit im Umgang mit seiner Krankheit, habe ich immer bewundert. Wir werden ihn nicht vergessen.“

Sängerin Melissa Kross plante eine gemeinsame Show mit „Matze“

Auch Künstlerinnen aus der Musikszene zeigen sich tief betroffen. Die Sängerin Melissa Kross etwa erklärt, es sei ein großes Musikerherz weniger auf dieser Welt. Sie sei schockiert und traurig, denn sie und Holtmann hätten zuletzt gemeinsam eine Show mit dem Titel „Lieder und Geschichten“ vorbereitet. Es sei für sie unfassbar, dass der Abend, auf den sich beide so gefreut hätten, nun nicht mehr stattfinden könne.

Viele Hörerinnen und Hörer erinnern an die Stimme, die sie über Jahrzehnte begleitet habe. So postet beispielsweise Michael Schütze, er sei mit „Matze“ am Radio groß geworden. Holtmann sei einer seiner Lieblingsmoderatoren beim SDR und zuletzt beim SWR gewesen. Er danke ihm für die vielen schönen Stunden am Radio.

Von Harry Belafonte bis zu den Spice Girls – bei ihm waren „einfach alle“

Die Anteilnahme ist groß – unzählige Kommentare zeugen von der Zuneigung und dem Respekt, den Holtmann sich in vielen Jahren erworben hat. Seine Kollegin Stefanie Anhalt schreibt: „Wenn er anrief, wussten die meisten nicht, ob sie sich freuen oder Angst haben sollten. Seiner Schlagfertigkeit etwas entgegenzusetzen – kaum möglich. Politisch korrekt – eher nicht. Beleidigend – auch nicht! Einfach nur unsagbar schlau und witzig.“

In seinen „Treff“ seien „die Stars einfach alle“ gekommen, so Anhalt – von von Harry Belafonte bis zu den Spice Girls. Auch „SWR1 Leute“ habe Matthias Holtmann moderiert, in der Sendung etwa mit Mike Krüger geblödelt und in Gotthilf Fischer einen „ebenbürtigen rhetorischen Gesprächspartner“ gefunden. Und so beschreibt Anhalt ihrer Förderer: „Große Klappe - viel dahinter.“

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