Action am Boden und in der Luft: Rund 380 historische Flugzeuge aus ganz Europa werden am Wochenende zum Oldtimer-Fliegertreffen in Kirchheim (Kreis Esslingen) erwartet.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Messerschmitt, Junkers, Bücker, Piper: Die Legenden der Lüfte kehren auf die Hahnweide zurück. Vom 12. bis zum 14. September werden gut 380 historische Flugzeuge zum Oldtimer-Fliegertreffen (OTT) in Kirchheim erwartet – sie machen die 20. Auflage dieser Veranstaltung zu einer der größten ihrer Art in Europa. Organisiert wird das alles von einem kleinen ortsansässigen Luftsportverein: der Fliegergruppe Wolf Hirth.

 

„Die Besucher haben die einzigartige Gelegenheit, einen Querschnitt aus der gesamten Entwicklung der Luftfahrt von 1910 bis heute zu erleben – nicht in einem Museum, sondern in der Luft“, verspricht Jan Denzel vom Organisationsteam des Veranstalters. Es sei schon etwas Besonderes, etwa eine Bleriot XI zu hören und zu riechen, fügt er hinzu. Das Flugzeug, Baujahr 1918, wird die älteste Maschine dieses Treffens sein, ihr Besitzer stammt aus Schweden. Die jüngste ist eine Junkers A50 Heritage Replica aus dem Jahr 2024.

Vielen Piloten ist kein Weg zu weit nach Kirchheim. Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Österreich, Dänemark, Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden und der Schweiz zum Fachsimpeln, Fliegen und Feiern auf die Hahnweide. Insgesamt sind 382 Flugzeuge angemeldet. Erwartet werden bis zu 25 000 Zuschauer.

Die Bleriot XI ist das älteste Flugzeug, das beim Fliegertreffen zu sehen sein wird. Foto: Veranstalter

Voller Stolz präsentieren die Piloten entlang der gut einen Kilometer langen „Flightline“ ihre fliegenden Schätzchen, die sie, wie Denzel weiß, „oft mit sehr großem, zeitlichem und finanziellem Aufwand liebevoll pflegen“. Zahlreiche Raritäten sind dabei, etwa die Mustang P-51, die britische Spitfire oder die weltweit einzige flugfähige Bf 109E von Messerschmitt. Und mit der Spartan 7W Executive wird ein Klassiker erwartet, der noch nie auf der Hahnweide gelandet ist, verkünden die Organisatoren.

Von Militärflugzeug bis Segelflieger ist alles dabei

Militärflugzeuge, Doppeldecker, Exoten, Segelflugzeuge – das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt. „Wir wollen den Besuchern für drei Tage einen Luftzirkus bieten, welcher sich durch Vielfalt und Abwechslung auszeichnet“, betont Denzel, der mit Stefan Kessler und Tim Sigel zum Kern des Orga-Teams gehört. Die Schwierigkeit dabei: „Wir haben im Vorfeld um die 800 Anfragen von Interessenten erhalten.“ Doch eine solch große Anzahl ließe sich auf dem Flugfeld bei Kirchheim nicht umsetzen. „Deshalb haben wir vielen Piloten leider absagen müssen.“

Nicht nur am Boden können Technikbegeisterte die Maschinen aus nächster Nähe bestaunen, es sind auch diverse Flugvorführungen geplant. Vor allem am Samstag und Sonntag werden zahlreiche Oldtimer über der Hahnweide knatternd ihre Runden drehen. Für diejenigen, die es lieber lautlos mögen, gibt es beeindruckende Kunstflüge vor der malerischen Kulisse der Burg Teck: Segelflieger werden Loopings, Turns und andere spektakuläre Figuren in den Himmel zaubern. „Von morgens bis abends 9 Uhr an bis in den Abend ist am laufenden Band etwas geboten“, verspricht Denzel.

Baujahr 2024: die Junkers A50 Heritage Replica kommt ebenfalls nach Kirchheim. Foto: Veranstalter

Die Vorfreude auf das kommende Wochenende steigt beim Veranstalter von Tag zu Tag. Immerhin hat der Verein eine unerwartet lange Pause einlegen müssen: Das bislang letzte Veteranentreffen auf der Hahnweide, sonst im Zwei- bis Dreijahresrhythmus veranstaltet, hatte 2019 stattgefunden. Erst, berichtet Denzel, machten die Beschränkungen der Corona-Pandemie den Veranstaltern einen Strich durch die Planungen, dann die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Krieges. „Und wir brauchen auch eine gewisse Vorlaufzeit, um ein solches Großevent auf die Beine zu stellen.“

Der organisatorische Aufwand des Oldtimer-Treffens ist enorm

Das 20. Oldtimertreffen bereitet die gerade mal 150 Mitglieder zählende Fliegergruppe seit anderthalb Jahren vor, sagt Denzel. Unter anderem müssen Parkflächen, Absperrungen, Toiletten, Eintrittsbändel, der Shuttleservice und eine Stromversorgung organisiert werden. Zudem sind viele behördliche Auflagen in punkto Sicherheit zu erfüllen – die Genehmigung der Veranstaltung hat das Stuttgarter Regierungspräsidium am vergangenen Freitag erteilt.

„Und ohne die tatkräftige Unterstützung vieler Freiwilliger wäre das alles gar nicht zu bewältigen“, sagt Denzel dankbar. So sind rund 200 Helfer aus den auf der Hahnweide ansässigen Vereinen im Einsatz, ebenso die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei aus Kirchheim und Umgebung. Dadurch, dass die Veranstaltung ehrenamtlich durchgeführt wird, kann die Fliegergruppe Wolf Hirth Kosten sparen und die Ticketpreise günstig anbieten. Das, betont Denzel, sei ihnen wichtig: „Wir wollen eine Veranstaltung für die ganze Familie bieten.“

Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Laut Denzel ist es seit dem ersten Fliegertreffen 1981 aber noch nie vorgekommen, dass es witterungsbedingt abgesagt werden musste. „Wir hoffen auf Sonnenschein.“

Oldtimer-Fliegertreffen

Anreise
Empfohlen wird die Anreise mit S-Bahn-Linie S1. Vom Bahnhof Kirchheim/Teck aus verkehrt ein kostenloser Shuttle-Bus direkt zum Veranstaltungsgelände und zurück. Er fährt am Freitag von 11 bis 22 Uhr, am Samstag von 8 bis 24 Uhr und am Sonntag von 8 bis 20 Uhr. Für Autos stehen genügend Parkplätze beim Segelfluggelände Hahnweide zur Verfügung. Die Anfahrtswege sind ausgeschildert.

Eintritt
Das Tagesticket für Erwachsene kostet am Freitag 18 Euro, am Samstag und Sonntag jeweils 25 Euro. Ein Ticket für alle drei Tage ist für 48 Euro zu haben. Für Kinder bis 14 Jahre ist der Eintritt frei. Die Hauptkasse öffnet am Freitag um 7.30 Uhr, am Samstag und Sonntag ab 6 Uhr. Eintrittskarten sind nur vor Ort erhältlich, es gibt keinen Vorverkauf.