Trends im Badezimmer Edel wohnen im Designerbad
Wie hat sich eigentlich das Bad von der Nasszelle zum wohnlichen Vorzeigeraum mit Hightech entwickelt? Und warum kostet ein neues Bad mindestens 20.000 Euro?
Wie hat sich eigentlich das Bad von der Nasszelle zum wohnlichen Vorzeigeraum mit Hightech entwickelt? Und warum kostet ein neues Bad mindestens 20.000 Euro?
Stuttgart - Das Wasser dampft, der Aromamix Pinie, Rose und Tanne duftet, Kerzenlicht schummert, Loungemusik dudelt. Rosenblätter? Warum nicht.
Doch dass der Mensch sich nach einem nervtötenden Arbeitstag ein Bad einlässt, um Stress von Leib und Seele zu waschen, das ist in der Kulturgeschichte der Hygiene nicht selbstverständlich. Es galt lange Zeit als anrüchig, sich in einem Trog voller Wasser zu wälzen und dabei Entspannung zu suchen.
Der balneator und die balneatrix, wie die Bader im Mittelalter lateinisch genannt wurden, betrieb damals eine sogenannte Badestube, wo der Kunde im Holzzuber saß. Der Besuch im Badehaus war – wie schon im orientalischen Hammam oder der römischen Therme – ein Event der Woche. Man traf sich, badete, aß und trank. Und manchmal gab es auch Sex.
Die Badestuben galten als Orte der Prostitution. Vom Klerus verteufelt, im 16. Jahrhundert geschlossen, weil sich immer mehr Menschen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis holten. „Pest und Cholera kamen der Kirche zugute“, sagt Jörg Reiff, stellvertretender Leiter des Schulungszentrums Aquademie der Firma Hansgrohe, die in Schiltach im Schwarzwald seit 1901 Armaturen herstellt und zum Thema Wasser forscht. „Man behauptete, das Wasser sei ein Krankheitsüberträger.“ Aber auch viele Ärzte hielten das Baden für schädlich und ungesund.
Wasser galt als gefährlich. In Schlössern gab es trotzdem Baderäume, und der Bürger verzichtete bei der Morgentoilette auch nicht aufs Waschen. Mit der Aufklärung setzte sich die Wissenschaft in Sachen Hygiene durch und rehabilitierte das Wasser. Auf der Seine in Paris und dem Main in Frankfurt schipperten Badeschiffe für Besserverdiener. In den Elendsquartieren der im Zuge der Industrialisierung wuchernden Städte war es aber nicht weit her mit der Hygiene.
„Die unreinliche Bevölkerung verwildert“, befand der Londoner Ingenieur William Lindley. In England und Deutschland wurden für dicht auf dicht lebende Arbeiter öffentliche Bäder errichtet. Man setzte Baden und Hygiene mit gesellschaftlicher, moralischer Vorbildlichkeit gleich. „Die Reinlichkeit eines Volkes hält gleichen Schritt mit der Entwicklung seiner Bildung“, heißt es 1862 in „Westermanns Jahrbuch der Illustrierten Deutschen Monatshefte“.
Der Seifenverbrauch wird zum Gradmesser der Kultur. Daran hat sich kaum etwas geändert. Wer auf sich hält, verwendet Produkte, die in irgendwie medizinisch wertvoll aussehende, dunkel gefärbte Behältnisse abgefüllt wurden. Als Distinktionsmerkmal gilt auch Hardware, also Wannen, Fliesen, Armaturen.
Bis nach dem Zweiten Weltkrieg besaß aber nicht mal jeder Haushalt ein eigenes Bad; eine Toilette war im Zwischengeschoss untergebracht, mehrere Mietparteien mussten sie sich teilen. Wer heute zeigt, dass er es zu etwas gebracht hat, präsentiert Gästen nicht nur die Küche mit Induktionskochfeld und Kücheninsel, sondern auch die großzügige Badeoase. Keine bloße Nasszelle, sondern ein sauberer Ort des schöneren Wohnens.
Im Trend liegt hier Gesundheit, also bodengleiche Duschen, die man auch als alter Mensch benützen kann. Und das Bad als Fitnessraum, wie Jens Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft, weiß: „Moderne Spiegel mit TV-Funktion oder wasserfeste Videowände zeigen Fitnesstipps, TV-Programme mit Gymnastikübungen oder Videos mit schönen Naturbildern zur Entspannung. Das sind nicht mehr nur Gimmicks, sondern dank der Weiterentwicklung der Technik erschwingliche Komfort.“
Luft nach oben gibt’s bei den Dusch-WCs. Sie kommen, so Jens Wischmann, erst in ein bis zwei Prozent der Bäder zum Einsatz. „Im arabischen Raum und in Asien ist die Reinigung mit Wasser schon viel länger ein Thema als hier, demgemäß sind Dusch WCs dort sehr viel verbreiteter als in Deutschland. Durchgesetzt haben sich bei uns bisher eher spülrandlose WCs, die das Wasser verwirbeln und so das WC selbst besser reinigen. Die Sauberkeit des Bades ist den Menschen offenbar immer noch wichtiger als die eigene Hygiene. Aber das Bewusstsein hierfür nimmt zu, der Markt wächst!“
Nachhaltigkeit haben die ums Klima besorgten Menschen im Blick, sie schätzen geringere Spülmengen beim WC, Wasser sparende Duschköpfe. Und, Stichwort Lärmverschmutzung, leise rieselnde Brausen.
Nachhaltig ist es natürlich auch, in Qualität zu investieren. Hochwertige Armaturen und Waschtische halten und gefallen womöglich länger als das Schnäppchen aus dem Baumarkt. Firmen wie Hansgrohe entwerfen fürs günstige Sortiment Produkte, die auch Designpreise erhalten.
Jörg Reiff: „Klaus Grohe hat sich schon 1968 um die gute und funktionelle Form eines Sanitärproduktes gekümmert, als das außer Braun noch kaum eine Firma getan hat. Unser Unternehmen hat sich um die Demokratisierung des Designs bemüht. Und mit Designern wie Philippe Starck verbindet Hansgrohe eine lange Partnerschaft.“
Der Mensch mit Geld will aber nicht unbedingt mit denselben Dingen angeben wie Otto Normalverbraucher. Das Unternehmen jedenfalls bietet seit 1992 mit der Designmarke Axor auch hochpreisige Kollektionen für eine „designorientierte Klientel“. Diese Klientel schätzt auch Premiumware etwa der deutschen Firma Dornbracht, von Fantini aus Italien oder Vola aus Dänemark. Die sind mindestens in Gästetoiletten beliebt, da werden Fliesen und schnörkellose Armaturen in Messing, Mattweiß und Mattschwarz verbaut.
Zwar sieht man in Immobilienanzeigen immer noch viele Bäder in glänzendem Curry, Grasgrün und Himmelblau aus den 70ern, doch seit der Coronapandemie hat die Sanitärwirtschaft besonders gut zu tun. Wer nicht ausgehen und verreisen sollte, gönnte sich ein schöneres Daheim mit neuem Bad.
Das kann Jens Wischmann bestätigen: „2020 verzeichnete die Sanitärbranche von Industrie, Handel, Handwerk in Deutschland einen Gesamtumsatz von 21 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 6,5 Prozent. Zwar gibt es dieses Jahr einige Kapazitätsprobleme wegen der hohen Nachfrage, aber das Badgeschäft wird auch dies Jahr wachsen.“
Kostenpunkt pro Bad – nach oben offen, wenn es etwa eine begehbare Dusche, eine große Whirlwanne sein soll, und je nach Laune und Tageszeit einstellbares Licht vom Lichtplaner. Im Durchschnitt aber ist eine Badsanierung günstiger als ein neues Auto. „Ein normales Bad mit Demontage des alten Bades und mit kompletter Badinstallation mit vernünftiger Fliese und Heizung kostet ab 20 000 Euro“, sagt Jens Wischmann.
Ein Bad zu bauen, ist einfach viel handwerkliche Arbeit. Eine frühe Klärung der Wünsche – und des Budgets – für die Badplanung empfiehlt sich. Auch weil die Preise zuletzt gestiegen sind. Das ist kein Coronabonus, sondern seit Jahren steigenden Preisen im Rohstoffmarkt geschuldet. Das zeigt sich dann, egal ob es Messing für die Armatur ist oder Stahl für die Wanne.
Badewannen allerdings sind zeitweise aus der Mode gekommen. Lange Zeit wollte der moderne Mensch einfach nur schnell sauber werden. Das änderte sich in den 90ern, als kluge Marketingleute die Wellness erfanden. Jedes Kleinkleckersdorf warb mit einer Therme. Bald darauf wünschten sich auch Hinz und Kunz Wellnesstempel für daheim, um sich so selbstoptimierend zu entspannen und in der kapitalistischen Arbeitswelt noch besser zu funktionieren. Wenn Badewannen jetzt wieder zum Einsatz kommen, dann als noble Zuber inszeniert und frei stehend.
Allerdings sind Bäder zwar im Schnitt neun Quadratmeter groß, doch in Altbauten deutlich kleiner. Wenn es heißt „entweder oder“, entscheiden sich viele für die praktische Dusche. Dann ist noch Raum für eine Pflanze oder einen Sessel. Wohnlichkeit ist ein Megatrend.
Oder wie es Jens Wischmann formuliert: „Das Bad wird möbeliger.“ Keine Schlachthofästhetik mit bis zur Decke gekachelten Wänden, sondern halbhoch geflieste Räume mit Tapeten oder Farben. „Dabei muss man keine Angst vor Wasser- oder Schimmelschäden haben. Sumpfputzkalk zum Beispiel “, so Jens Wischmann, „hat eine feuchtigkeitsaufnehmende und abgebende Wirkung, die auch gut fürs Raumklima ist.“ Handtücher werden in Sideboards verstaut, die sich auch im Wohnzimmer gut machen, Wannen sind mit Stoff verkleidet. Man geht weg vom rein technisch Funktionalen, hin zum Haptischen, Sinnlichen.
Mit der Entdeckung der Wohligkeit mit Fußbodenheizung im privaten Badetempel schließt sich ein Kreis. Haben doch schon 2700 vor Christus im alten Ägypten Menschen es sich im Bade wohl sein lassen. In der Antike hatten die Griechen und die Römer die Badekultur im öffentlichen Raum und in Privathäusern hochgehalten. Ausgeklügelte Wasseranwendungen lauwarm, kalt, warm, mit Dampf dienten zur Entspannung und Stählung für die Härten des Lebens.
Für die Mischung aus Hygiene, Gesundheit und Wellness sorgt heute moderne Technik: Schubidumusik und bis an die Kitschgrenze romantische Videobilder auf der Duschwand, dank Smartphone-App digital steuerbar – dazu eine pudrige Regendusche oder ein kalter Wasserstrahl (Kneipp lässt grüßen). Via App lässt sich auch die Badewassertemperatur regeln und sicherstellen, dass die schöne Badewanne nicht überläuft.
So absolviert der technikaffine Mensch sein Wellnessprogramm, zum Start in den Tag oder zum Ausklang am Abend. Nur trockenrubbeln muss er sich vorläufig noch selbst.
Weil ein neues Bad ins Geld gehen kann, empfiehlt Jens Wischmann vom VDS, „zunächst den eigenen Bedarf zu formulieren und dann frühzeitig einen Badplaner oder Badplanerin des Handwerks oder aus einer Badausstellung hinzuziehen. Der Fachmann oder die Fachfrau bieten die Gewähr für ein professionelles Aufmaß vor Ort und können nach der Klärung der Budgetfrage die passende, maßgeschneiderte Badplanung für den Kunden erstellen.“ Internettipp für Verbraucher: www.gutesbad.de. Hier gibt es herstellerneutrale Servicetipp, Planungsbeispiele, Bestellmöglichkeit von kostenlosen Broschüren zum Thema Badplanung, Badpflege, altersgerechter Bäder etc.
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