Trickfilm Festival Stuttgart Minions, Monster und ein Mega-Publikum
Auf dem Schlossplatz genossen beim 33. Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart 40.000 Filmfans fünf Tage lang das grenzenlose Leinwandvergnügen.
Auf dem Schlossplatz genossen beim 33. Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart 40.000 Filmfans fünf Tage lang das grenzenlose Leinwandvergnügen.
Die Herren kennen sich. Aber nur vom Sehen. Auf eine Großleinwand. Denn Georg und Sven, beide 60 Jahre alt, sind Stammgäste beim Internationalen Trickfilm Festival. „Ich komme seit zehn Jahren zu diesem Festival“, erzählt Georg. Immer am Wochenende? „Nein, von Mittwoch bis Sonntag, von 14 Uhr bis zum Schluss, das ganze Programm.“ Seine Favoriten in diesem Jahr waren „Drachenreiter“ und Disneys „Zoomania 2“. Er wolle alles sehen, sagt Georg, aber nie in den geschlossenen Kinosälen, nur in frischer Luft, sogar bei Regen wie am Mittwoch: „Hier riecht es nicht nach Bier und Popcorn und hier sitzt keiner vor mir, der mir die Sicht nimmt,“ zählt er die Vorzüge auf. Diese Probleme hat Sven nicht: Er habe sich zuhause, „gleich um die Ecke, auf der Königstraße“, ein eigenes Kino eingerichtet. Um spontan seiner Vorliebe für Science Fiction- und Fantasy-Filme frönen zu können. Aufs Festival mag er trotzdem nicht verzichten. „So treue Fans brauchen und lieben wir“, freut sich Lena Demmer, Sprecherin der Film- und Medienfestival GmbH.
„Life’s better animated“, verspricht das Motto des Festivals, das in etwa 150 Veranstaltungen das Beste an Animation von mehr als 300 internationalen Filmschaffenden zeigt und das Versprechen mit dem kostenlosen Open-Air-Programm einlöst. Animiert, angeregt, erwartungsvoll und gut gelaunt, sind sie alle, die sich hier bei schönstem Maiwetter im Grünen niedergelassen haben. Ausgerüstet mit Decken, kleinen Sonnenschirmen, versorgt mit einem Picknick. Die jungen Familien mit den Kindern, die nicht besser bespaßt werden können als mit Minions und Monstern, die Pärchen, deren Aufmerksamkeit nicht nur dem Programm gilt, die Teenies, die sich amüsieren wollen und auch ältere Herrschaften wie Brigitte aus Leinfelden und ihre Freundin, die in Liegestühlen im Schatten neben dem Programm vor allem die Atmosphäre genießen.
Ute Heimann ist mit fachlichem Interesse eigens aus Weimar angereist: „Ich mache selbst Puppen-Trickfilme“, erzählt die 63-Jährige. „In Stop-Motion-Technik, wie das Sandmännchen“, hilft sie der Vorstellung mit der Gute-Nacht-Lieblingsfigur noch aus dem DDR-Fernsehen auf die Sprünge. Dem Programm hat sie sich ausgiebig gewidmet und findet es großartig, einen Eindruck vom internationalen Schaffen zu bekommen: „Hier sieht man auch die feineren Produktionen.“ Dann entdeckt sie, dass am Sonntag „Oink“ über die Rettung eines Schweinchens gezeigt wird: „Mein Lieblingsfilm.“
„Seid Ihr bereit für Monster?“, kündigt Anja Lange von Antenne 1 den Film „Alles voller Monster“ an, und auf der Liegewiese ist kaum mehr ein freies Plätzchen. Geleert hat sich dafür das Zelt, in dem Kinder hingebungsvoll Monstermasken gebastelt haben. „Wir haben die Angebote zum Selbermachen für Kinder und Familien noch stärker in den Fokus gerückt“, sagt Lena Demmer. Die Workshops für Kita und Schulgruppen, zum Beispiel im Silhouettenschneiden nach dem Vorbild der großen Lotte Reiniger, seien im Nu ausgebucht gewesen.
Ehe später das Däumelinchen aus der Hand von Lotte Reiniger über die Leinwand tänzelt, überbrückt eine Comic Battle die Pause. Acht Künstler, darunter Janina Wolff und Isabel Ospina Jimenez von der Merz-Akademie, oder der Zeichner und Filmemacher Jon Frickey aus Hamburg treten gegeneinander an: Wer wirft in 90 Sekunden den besten Europa-Comic aufs Blatt? Frickey, am Festival mit dem Film „Ploo“ beteiligt ist, wird als Sieger gekürt und gewinnt ein Europa-Puzzle. Gleich muss er zur Preisverleihung ins Gloria-Filmtheater. Er hat 2018 den großen Preis für seinen Film „Cats Days“ gewonnen. „Aber dieses Mal wird das Puzzle mein einziger Preis bleiben“, ahnt er.
Und hat Recht: Der Grand Prix der ITFS International Competition, der für die Academy Awards qualifiziert, ging in diesem Jahr für den Kurzfilm „White Tapes and Toasts in The Car“ an die Stuttgarterin und Absolventin der Filmakademie Kiana Naghshineh, die auch den Publikumspreis „Audiance Award“ gewann.