Trickserei beim Schulessen Pizza ist und bleibt Gemüse

Von Susanne Janssen  

Pommes und Chips als Gemüsebeilage - beim Schulessen wird in den USA ganz schön getrickst. Und das wird auch weiterhin so bleiben.

 Foto: dapd (Symbolfoto)
Foto: dapd (Symbolfoto)

Washington - Der Kampf gegen das grassierende Übergewicht ist für Präsident Barack Obama, selbst rank und schlank, ein Herzensanliegen. Und so sollte das Schulessen gesünder werden: weniger Zucker, weniger Fett, mehr frische Früchte und Salat. Um staatlich gefördert zu werden, muss schon heute das Mittagessen einen gewissen Anteil an Obst und Gemüse aufweisen, Obamas Regierung wollte die Zusammensetzung der Mahlzeiten verbessern.

Das Agrarministerium wagte einen Vorstoß: Kartoffeln - meist als Pommes Frites oder Chips serviert - sollten auf dem Menüplan eingeschränkt werden. Weniger Salz ins Essen, dafür mehr Vollkornprodukte, um die Kleinen auf einen anderen Geschmack zu bringen. Und Pizza sollte endlich nicht mehr als Gemüse gelten. Was wie ein guter Witz klingt, ist Wirklichkeit: Da ein durchschnittliches Pizzastück mit etwas Tomatenpaste bestrichen ist, wird es deshalb als Gemüse bewertet. Das Agrarministerium betonte, es habe nichts gegen Pizza an sich - die könne durchaus gesund sein, aber bitteschön mit extra Gemüse drauf und weniger fettigem Käse. Oder mit einer Salatbeilage.

Die Lobby malt düstere Szenarien aus

Der Gesetzesvorstoß scheiterte mit Pauken und Trompeten - dank der Lobby der Hersteller. Die malten düstere Szenarien aus. "Es wird unmöglich, mit dem neuen Gesetz noch Pizza in Schulen zu servieren", sagt ein Sprecher der Tiefkühlkosthersteller. Der Leiter des Nationalen Kartoffelrates stieß ins gleiche Horn: "Kartoffeln sind ein exzellenter Beitrag zur gesunden Ernährung", sagte er - und hatte die Unterstützung aller Staaten, die Erdäpfel produzieren, sicher.

Der Kongress lehnte also das Gesetz für gesünderes Schulessen ab: Pommes, Chips und Pizza dürfen weiterhin den Gemüseanteil der Schulmahlzeit stellen. Ein Republikaner war ehrlich: "Es geht doch nur ums Geld - bei den Herstellern von Tiefkühlpizzen und Fritten, und bei den Schulen, die nicht mehr für das Essen ausgeben wollen." Schon bisher scheiterten alle Pläne am Geld: Ein Mittagessen mit mehr Obst und Salat kostet rund 16 Cent mehr pro Kopf. Das summiert sich für das ganze Land zu Millionen. Aus dem gleichen Grund versuchte schon die Reagan-Regierung vor drei Jahrzehnten, einen Löffel Ketchup als Gemüseanteil zu deklarieren - kam damit aber nicht durch.