Wolfgang Grupp jun. sieht es als Verpflichtung an, den Standort Burladingen zu halten. Foto: Michael Sautter
Nach dem Generationenwechsel an der Spitze von Trigema sagt Wolfgang Grupp jun., wie er das Unternehmen nach vorne bringen will. Auch der Vater ist wieder im Büro.
Gespräche mit Journalisten führt Wolfgang Grupp junior, der Sohn des Burladinger Patriarchen Wolfgang Grupp (83), im Großraumbüro in der Burladinger Firmenzentrale. Keine Einzelbüros, keine Geheimnisse. Der Betrieb und das Familienleben wirken wie eine Einheit. Womit kaum ein Außenstehender rechnet: auch der Senior ist wieder im Büro. Er diktiert Briefe, regt sich dann und wann auch einmal auf, aber er überlässt seinem Sohn die Bühne. Fast täglich kommt er ins Büro, meist zwei Stunden am Vormittag und dann noch mal am Nachmittag.
Dass er heute wieder im Betrieb sein kann, ist alles andere als selbstverständlich. Am 07. Juli hat Wolfgang Grupp versucht, sich das Leben zu nehmen. Ende Juli wandte er sich mit einem Brief an die Öffentlichkeit. Er machte bekannt, dass er unter Altersdepression leidet. Die Transparenz war hilfreich. Die Erkrankung rückte ein Stück aus der gesellschaftlichen Tabuzone. So sieht es heute auch der Sohn. „Die Anteilnahme war groß“, wird er später sagen. „Aber natürlich wünsche ich so ein Ereignis niemandem.“
Wolfgang Grupp in der Firmenzentrale Foto: StZN
Das Vermächtnis des Patriarchen ist gewaltig. Für den 34-jährigen Sohn ist das die größte Aufgabe: das Erbe des Vaters sicher in die Zukunft zu tragen und gleichzeitig auch eine eigene Identität als Unternehmer zu entwickeln. „Wie schaffen wir die Weiterentwicklung von einer Marke, die seit über 50 Jahren geprägt ist von Wolfgang Grupp in die neue Generation.“ Auf die Frage gibt es keine einfache Antwort. „Es ist vielmehr eine Aufgabe, an der wir immer noch arbeiten.“ Für den Sohn ist klar: „Ich kann und möchte keine Kopie von meinem Vater sein, jedoch die Werte von Trigema bewahren.“
Seit Januar 2024 führen Bonita und Wolfgang zusammen mit ihrer Mutter Elisabeth die Geschicke des Burladinger Textilunternehmens. Bonita Grupp leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal. Wolfgang Grupp junior verantwortet die Geschäftskunden, die IT-Projekte, die Produktion und die Finanzen, zudem trägt er die Haftung in der Kommanditgesellschaft.
Trigema produziert komplett in Deutschland Foto: StZN
Die Geschwister verpassen der Marke mit modernen Kollektionen und mehr Präsenz auf Social Media einen frischeren Anstrich. „Wir wollen für alle Generationen Angebote machen“, sagt Grupp. Doch durch die Öffentlichkeit kommen auch die negativen Kommentare. Dass die Jungen an der Qualität sparen beispielsweise oder dass man sich nicht beweisen muss, wenn man von Beruf Sohn ist. „Ich musste zwar kein Bewerbungsgespräch führen, keinen Eignungstest absolvieren, aber wenn das Geschäft nicht laufen würde, wäre ich nicht lange an der Unternehmensspitze“, sagt Grupp.
Bislang navigieren Bonita, Wolfgang und Mutter Elisabeth Grupp das Unternehmen solide durch die Phase der Wirtschaftsschwäche. „Ende September lagen wir beim Umsatz auf Vorjahresniveau“, sagt Wolfgang Grupp Junior. Er geht davon aus, dass die Erlöse stabil bleiben. In den Jahren 2023 und 2024 lag der Umsatz bei über 120 Millionen Euro. Zum Gewinn schweigt der Familienbetrieb.
Stellenstreichungen stehen bei Trigema nicht auf dem Plan
Dennoch bereitet die Entlassungswelle bei vielen baden-württembergischen Unternehmen auch den Grupps Sorgen. „Eine hohe Arbeitslosenquote hilft uns nicht weiter“, sagt Wolfgang Grupp. „Wir brauchen Konsumfreude.“ Die Notwendigkeit eines gezielten Sparprogramms sieht er bei Trigema nicht. „Die Kunst besteht darin, in guten Zeiten Effizienzmaßnahmen zu ergreifen“, sagt er. „Wir arbeiten permanent an unserer Produktivität.“ Anders könne man am Standort Deutschland nicht produzieren. Im Vergangenen Jahr haben die Grupps beispielsweise ein neues Logistiksystem eingeführt. „Dadurch konnten wir die Effizienz um das doppelte steigern.“
Wolfgang Grupp ist auch offen für Automatisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). „Uns geht es dabei nicht darum, Personal abzubauen“, sagt Grupp. „Wir hoffen, dass wir durch Automatisierung und KI Menschen ersetzen können, die in Rente gehen und für die wir keinen Ersatz finden.“ Bei Trigema sind rund 1200 Menschen beschäftigt. „Ich gehe davon aus, dass unser Beschäftigungsniveau in den nächsten Jahren stabil bleiben wird“, sagt Grupp.
Den Standort zu bewahren, sieht die ganze Familie als ihre große Aufgabe an, an der sie sich messen lassen will. „Wir wollen eine ehrliche Marke bleiben, die in Familienhand ist und in Baden-Württemberg produziert“, sagt Wolfgang Grupp und fügt hinzu: „Das wäre mein Traum.“
Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/