Trigema, Kärcher und andere Feiertage streichen? Was Bosse aus Baden-Württemberg fordern

Wolfgang Grupp, Ex-Chef von Trigema, hat zu der Idee, Feiertage abzuschaffen, wie viele andere Firmenbosse im Südwesten, eine klare Haltung. Foto: IMAGO/Future Image

Feiertage streichen für die schwächelnde deutsche Konjunktur, so ist das Rezept mancher Wirtschaftsexperten. Wie Unternehmer aus dem Südwesten dazu stehen.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Die Diskussion über die Zahl der Feiertage in Deutschland ist in vollem Gange: Mit der Abschaffung eines Feiertages könne die Wirtschaftsleistung „sehr kurzfristig und effektiv“ erhöht werden, meint der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther.

 

Skeptisch ist dagegen der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher. Der Arbeitskräftemangel werde nicht durch weniger Feiertage gelöst, sondern durch mehr Zuwanderung und den Abbau von Hürden für die Erwerbstätigkeit von Frauen und Geflüchteten, argumentiert er.

Kärcher-Chef prangert an: „Reine Symbolpolitik“

Einen Feiertag opfern für unseren Wohlstand? In den Chefetagen danach befragter Unternehmen in Baden-Württemberg stößt die Idee bisher weitgehend auf Ablehnung. Während viele Südwest-Firmen – darunter Schwergewichte wie Mercedes-Benz, Porsche oder Bosch – die heikle Frage lieber unbeantwortet lassen, beziehen nur wenige Firmenchefs klar Stellung – allen voran Kärcher-Chef Hartmut Jenner.

Kärcher-Chef Hartmut Jenner spricht sich dagegen aus, Feiertage zu streichen. Foto: dpa

„Wir sind davon überzeugt, dass der Schlüssel zur Stärkung unserer Wirtschaft nicht in der Abschaffung von Feiertagen oder längeren Arbeitszeiten liegt. Das wäre reine Symbolpolitik“, sagt der Chef des Reinigungs- und Gartengeräteherstellers aus Winnenden, der 2024 trotz der schwächelnden Weltwirtschaft gewachsen ist.

Dürr-Chef bricht Lanze für Mitarbeiter

Der 59-jährige Manager betont: „Es geht auch nicht darum, dass wir stur mehr arbeiten, sondern dass wir flexibler, intelligenter und effizienter arbeiten.“ Unnötige Berichtspflichten müssten abgeschafft, Genehmigungsverfahren erleichtert werden. Der Firmenlenker prangert „ausufernde bürokratische Prozesse“ an. Jenner fordert „eine Reform der Unternehmensbesteuerung, die Senkung der Energiekosten und eine spürbare Entlastung bei den viel zu hohen Lohnnebenkosten.“

Auch Jochen Weyrauch, Chef des Maschinenbauers Dürr mit Sitz in Bietigheim-Bissingen, will nicht den Rotstift bei Feiertagen ansetzen. „Man kann nicht pauschal sagen, in Deutschland werde zu wenig gearbeitet. Damit wird man vielen Menschen nicht gerecht, die sich im Job engagieren“, sagt Weyrauch. Der Chef des Zulieferers bricht eine Lanze für seine Mitarbeiter, die „eben nicht einfach Dienst nach Vorschrift machen“ und dank derer die Firma Projekte mit engen Zeitplänen abwickeln könne.

Verband: Abschaffung eines Feiertags in Betracht zu ziehen

Weyrauch bringt eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit ins Spiel, die im internationalen Vergleich gering sei. „Das ist für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen problematisch, und dieses Problem wird sich durch die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel noch verschärfen, wenn wir nicht gegensteuern“, warnt der Manager. „Wir brauchen wieder mehr Aufbruchstimmung“, fordert Weyrauch.

Dürr-Chef Jochen Weyrauch bringt eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ins Spiel. Foto: IMAGO/Eibner

Für Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), ergibt es durchaus Sinn, neben weiteren Stellhebeln wie mehr Vollzeitbeschäftigung statt Teilzeit, auch die Abschaffung eines Feiertags ernsthaft in Betracht zu ziehen. „Ein zusätzlicher Arbeitstag würde die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit steigern und wichtige Impulse für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung setzen“, so Barta.

Was ein zusätzlicher Arbeitstag bringen würde

Der Verbandschef betont: „Wir sind uns bewusst, dass Feiertage für viele Menschen eine wichtige gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung haben.“ Dennoch müssen man in der aktuellen Situation Prioritäten setzen: „Deshalb darf auch die Abschaffung eines kirchlichen Feiertags kein Tabu sein.“ Die Antwort auf die schwierige Wirtschaftslage könne nicht sein, „dass wir kürzere Wochenarbeitszeiten, Vier-Tage-Woche, mehr Freizeit und Frühverrentungsanreize diskutieren, also alles in allem weniger arbeiten.“

Kaum irgendwo in Europa und in der gesamten Welt sei die durchschnittliche Zahl der jährlichen Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer so niedrig, dafür aber die Zahl der Urlaubs- und Feiertage so hoch wie hierzulande. Nach IW-Berechnungen würde ein zusätzlicher Arbeitstag das deutsche Bruttoinlandsprodukt rein rechnerisch um bis zu 8,6 Milliarden Euro erhöhen.

dm-Chef: „Brauchen grundlegende Reformen“

Christoph Werner, Chef der Drogeriemarktkette dm aus Karlsruhe, sieht darin trotzdem kein Allheilmittel. „Das kann man machen, es wäre meines Erachtens jedoch eine Maßnahme, die sich vor der eigentlichen Aufgabenstellung drückt“, sagt der 52-jährige Firmenlenker. „Worum es doch eigentlich geht, ist, dass wir grundlegende Reformen im Arbeitsmarkt brauchen“, betont Werner.

dm-Chef Christoph Werner hält die Diskussion um Feiertage für eine „Scheindebatte“. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Im internationalen Wettbewerb gelte: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen fressen die Langsamen“. Werners Schlussfolgerung: „Wenn wir nicht nur groß, sondern auch schnell sind, haben wir gute Voraussetzungen auch international erfolgreich zu bleiben.“

Ex-Trigema-Chef hat eine andere Idee

In der Debatte um Feiertage meldet sich auch Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp zu Wort. Der einstige Textilunternehmer bezieht klar Stellung: „Wir sehen Feiertage derzeit nicht als kritisch an. Natürlich bedeuten sie eine Reduzierung der Arbeitszeit, aber gleichzeitig bieten sie wichtige Erholungsphasen für die Mitarbeitenden.“

Der 83-Jährige hat eine andere Idee, um die Wirtschaft anzukurbeln: „Wer mehr leistet, sei es durch Überstunden oder Arbeit über das gesetzliche Rentenalter hinaus, sollte steuerlich entlastet werden“. Der „König von Burladingen“ ist ist sicher: „Wenn wir den Menschen wieder mehr zutrauen und ihnen den nötigen unternehmerischen Spielraum geben, dann kommt die Wirtschaft auch wieder in Schwung.“

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