Trockenheit im Kreis Esslingen Wasserstände in Flüssen und Bächen sinken – Droht bald ein Entnahmeverbot?

Ein Bach fließt durch ein Waldstück – noch. Die anhaltende Trockenheit lässt die Pegelstände auch im Kreis Esslingen sinken (Symbolfoto). Foto: Silas Stein/dpa

Angesichts der anhaltenden Trockenheit appelliert das Esslinger Landratsamt an Gartenbesitzer, sparsam mit Wasser umzugehen. Wofür jetzt schon eine Genehmigung erforderlich ist.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Im ganzen Südwesten ist es gerade ungewöhnlich heiß und trocken. Das macht sich auch im Kreis Esslingen bemerkbar: Die Wasserstände in Bächen und Flüssen sinken. Deshalb appelliert das Landratsamt eindringlich an Gartenbesitzer, Wasser zum Gießen von Beeten und Rasen nur noch in geringen Mengen aus öffentlichen Gewässern zu entnehmen. In bestimmten Fällen ist dafür sogar eine Genehmigung erforderlich. Und es drohen weitere Einschränkungen.

 

Die Gewässer im Landkreis führen immer weniger Wasser, da die Niederschläge vor allem in den letzten zwei Monaten zu gering waren. „Im April fiel mit 20 Litern Regen pro Quadratmeter gerade mal ein Viertel der durchschnittlichen Niederschläge“, teilt das Esslinger Landratsamt mit. Auch der Mai wird deutlich unter der für den Wonnemonat typischen Niederschlagsmenge liegen.

Nach Angaben des Niedrigwasser-Informationszentrums (NIZ) Baden-Württemberg melden inzwischen 21 Prozent der landesweit 98 Messstationen an Oberflächengewässern „sehr niedrige“ Wasserstände, weitere acht Prozent sogar „extrem niedrige“. Der Pegel der Körsch bei Denkendorf ist aktuell schon „sehr niedrig“, gleiches gilt für die Fils bei Plochingen. Der Wasserstand des Neckars ist laut den Messungen in Wendlingen und Plochingen derzeit „moderat niedrig“.

Kurze Regengüsse helfen kaum, um die Wasserstände zu stabilisieren

Unter diesen Bedingungen leiden vor allem Fische und andere Wasserbewohner: Ihr Lebensraum wird kleiner und die Wassertemperatur steigt, während sich der Sauerstoffgehalt der Gewässer verringert. Meteorologen rechnen in den kommenden Tagen zwar mit Niederschlägen, doch ob die Menge ausreichen wird? Lokale Gewitter oder kurze Regengüsse helfen in der Regel kaum, das Ökosystem nachhaltig zu stabilisieren.

20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gab es in diesem April

Vorsorglich richtet das Landratsamt daher einen Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Kreisbewohner: „Gießwasser sollte nur eingeschränkt aus öffentlichen Gewässern entnommen werden, auch wenn Bäche und Flüsse oft verlockend nah am eigenen Garten entlangfließen.“

Gartenbesitzer sollten mit Wasser sparsam umgehen, appelliert das Esslinger Landratsamt. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Die Behörde macht in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass nicht grenzenlos Wasser für den eigenen Garten abgezweigt werden kann. Für die Entnahme aus Bächen und Flüssen ist demnach eine wasserrechtliche Erlaubnis der unteren Wasserbehörde erforderlich – und zwar dann, wenn eine Motorpumpe zum Einsatz kommt. Ohne eine solche Genehmigung darf Wasser lediglich „von Hand“, also mit Eimern oder Gießkannen, in geringen Mengen geschöpft werden. Dies gilt jedoch nur, solange in den Gewässern genügend Restwassermenge verbleibt.

Im vergangenen Jahr wurde für drei Monate ein Entnahmeverbot verhängt

Im Landratsamt beobachtet man die Entwicklung im Kreisgebiet derzeit aufmerksam. Und wenn Niederschläge weiterhin ausbleiben, kann die Behörde auch diesen sogenannten Gemeingebrauch untersagen – so wie es im Sommer vergangenen Jahres der Fall war. Per Rechtsverordnung wurde Ende Juni die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen, Seen und Teichen komplett verboten. Die Regelung, die hohe Geldstrafen bei Verstößen beinhaltete, hatte dann ganze drei Monate lang Bestand.

Im Übrigen ist auch die Nutzung von Grundwasser reglementiert, informiert das Esslinger Landratsamt. Die Herstellung und der Betrieb von Brunnen seien ebenfalls erlaubnispflichtig. Und Trinkwasser sei viel zu wertvoll, um damit Beete zu wässern, bittet man um Rücksichtnahme. Was also kann man als Gartenbesitzer in Trockenphasen tun? Am besten Regenwasser auffangen und in einer Tonne oder einer Zisterne speichern, empfiehlt die Kreisbehörde.

„Ein schöner Garten ist auch mit wenig Wassereinsatz möglich“, informiert der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland auf seiner Homepage. Nicht jede Pflanze brauche permanent Wasser, „manche können gut einige Zeit darauf verzichten“. Auch das Gras könne längere Trockenperioden ertragen. „Also keine Panik, wenn der Rasen phasenweise mehr braun als grün ist.“ Wer richtig Wasser sparen wolle, könnte stattdessen eine Wildblumenwiese anlegen. „Bei ihr entfällt das Sprengen ganz.“

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